Potsdam Ökonom Edenhofer an Friedrich Merz: Finger weg vom Verbrennerverbot!
CDU und CSU, aber auch FDP, BSW und AfD wollen nach der Wahl das EU-Verbrennerverbot kippen. Der führende Klima-Ökonom Ottmar Edenhofer rät dringendst ab: Sonst würden VW, BMW und Mercedes den Chinesen in die Falle tappen.
Das renommierte Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat die CDU-Pläne zur Rücknahme des EU-Verbrennerverbotes kritisiert. „Es wird diskutiert, ob es bis 2035 etwas mehr Flexibilität braucht. Darüber kann man reden. Aber das Verbot komplett zu annullieren, wäre eine schlechte Idee“, sagte PIK-Direktor Ottmar Edenhofer im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Argumente des führenden Klima-Ökonomen: „Eine konsequente Absenkung der Flottengrenzwerte verhindert, dass die Emissionen im Verkehrssektor und damit auch die Preise im Emissionshandel steigen. Und den deutschen Autobauern sollten nicht falsche Zweifel kommen, wie sie auf den globalen Märkten erfolgreich bleiben können. Durch das Festhalten am Verbrenner wird das nicht zu schaffen sein.“
Allen voran die CDU von Friedrich Merz und die FDP fordern in ihren Programmen für die Bundestagswahl am 23. Februar eine Rücknahme des EU-weiten Zulassungsverbotes neuer Diesel und Benziner ab 2035. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann hatte erst kürzlich - ebenfalls im Gespräch mit unserer Redaktion - gesagt: „Die soziale Marktwirtschaft sagt, dass Ingenieure besser wissen, welche Technologien sich durchsetzen, als Politiker. Wir werden das Verbrennerverbot stoppen.“
Edenhofers Replik: „Dieses ständige politische Stop and Go ist wirklich nicht zielführend. Wir können ja bei der Verkehrswende nicht sagen: Wir fahren auf die Wand zu, und es ist verdammt lang gut gegangen, deswegen fahren wir einfach weiter“, kritisierte PIK-Direktor Edenhofer.
Denn zwar würden die Autos sparsamer, aber die Emissionen sänken nicht, weil die Antriebswende hin zur E-Mobilität nicht forciert werde. „Das ist doch keine vernünftige Politik. Die Wirtschaft fordert doch klare Ansagen bei den politischen Rahmenbedingungen“, sagte Edenhofer. „Es gilt jetzt vor allem jene Teile der Industrie zu stärken, die Produkte des 21. Jahrhunderts herstellen. Verbrennungsmotoren werden nach meiner Überzeugung nicht mehr lange dazugehören.“
Die Gründe für Edenhofers Warnungen vor einer Rücknahme des Verbrennerverbotes sind neben dem Klimaschutz die globale Entwicklung der Industrie: „Es wurde beim Umstieg auf E-Autos schon viel zu viel Zeit vergeudet. Die Vorstellung, das Produkt neu zu erfinden und sozusagen das iPhone auf vier Rädern zu bauen, wurde als Hirngespinst abgetan“, sagte der Klima-Ökonom. „Die Realität ist: Die Chinesen, die im klassischen Autobau weit abgeschlagen waren, sind uns in nur fünf Jahren sehr weit enteilt, nicht nur bei den eigentlichen Stromautos, auch bei Akkuproduktion, Softwareentwicklung und Vernetzung.“
Eindringlich appellierte der PIK-Direktor an alle Parteien, nach China statt auf die USA zu schauen. „Die chinesische E-Auto-Strategie war keine Strategie der Grünen. Die Innovationen in der chinesischen Chemieindustrie sind enorm. Auch dahinter steckt kein Robert Habeck“, so der Wissenschaftler. „Dahinter steckt das Ziel, den Markt für saubere Technologien zu erobern und den Europäern die Marktanteile streitig zu machen durch die Massenproduktion von Green-Tech-Produkten. Darüber müssen wir reden, anstelle auf Donald Trump zu blicken wie das Kaninchen auf die Schlange und deshalb angstvoll ‚Zurück!‘ zu rufen.“
Edenhofers Überzeugung: „Kluge, vorwärtsgerichtete Klimapolitik ist eine Form der langfristigen Wohlstandssicherung.“
Zum Weiterlesen: