Kolumne „Für die Ehre“ Tradition hält Einsatzkräfte in Atem
Das Böllern gehört für viele in Deutschland zum Jahreswechsel dazu. Für Feuerwehrleute bedeutet das allerdings eine anstrengende Nacht. Denn nicht jeder sollte dazu bestimmt sein, Feuerwerk zu zünden.
Jedes Jahr wiederholt sich das Spektakel: Um Punkt Mitternacht erhellen an Silvester Raketen den Nachthimmel, während die Welt sich in einem gemeinsamen Rausch dem neuen Jahr zuwendet. Doch hinter der glitzernden Fassade des Jahreswechsels verbirgt sich auch eine Schattenseite. Die Krankenhäuser und Feuerwehren hatten auch in den vergangenen Tagen wieder einiges zu berichten.
Bevor die Uhr zwölf schlägt, hat sie schon geschlagen, denn es sind dann schon längst die ersten Notrufe eingegangen. Hier eine Hand, die durch unvorsichtiges Hantieren mit Böllern schwer verletzt wurde, dort ein Wohnhaus, dessen Schuppen in Flammen steht, weil eine Rakete nicht die Höhe erreichte, die sie sollte. Die Silvesternacht ist für Rettungskräfte nicht nur eine der arbeitsreichsten, sondern auch eine der gefährlichsten Nächte des Jahres.
Zur Person
Manuel Goldenstein, geboren in Aurich und aufgewachsen in Südbrookmerland, arbeitet als Sozialmanager in der Privatwirtschaft. Er ist aber auch leidenschaftlicher Feuerwehrmann.
Die Zahlen sind erschreckend. Jedes Jahr melden Krankenhäuser Hunderte, wenn nicht Tausende Verletzte im Bundesgebiet, allein durch unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerk. Die Feuerwehr kämpft derweil mit brennenden Müllcontainern, Fahrzeugen und Gebäuden. Allein die Einsätze für selbstgebastelte Böller und Kugelbomben in der Silvesternacht könnten Bände füllen.
Feuerwehren, insbesondere die Freiwilligen, haben in der Regel nur eine angespannte Silvesternacht, weil es Menschen gibt, die diese Eskalation der brennenden Gefahr bewusst in Kauf nehmen. Ein Zweifel am Verstand besteht, darf jedoch nicht ausgesprochen werden an den Einsatzstellen, um weitere Eskalationen zu vermeiden, wie wir sie in den großen Städten in Deutschland erleben. Manche Kommunen haben bereits reagiert und beschränken private Feuerwerke. Sie setzen stattdessen auf professionelle Lichtshows. Die Bilanz? Deutlich weniger Brände und Verletzte.
Ich will keinesfalls die Tradition des Feuerwerks infrage stellen, allerdings die Fähigkeit einiger Menschen, damit umgehen zu können. Haupt und Ehrenamt der Feuerwehr sollte auch die Möglichkeit haben, den Jahreswechsel weniger turbulent erleben zu dürfen.
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