Osnabrück  So kommen Sie heil durch den Skiurlaub

Jörg Zittlau
|
Von Jörg Zittlau
| 03.01.2025 06:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Fitness und die passende Ausrüstung sind entscheidend für die Sicherheit auf der Skipiste. Foto: IMAGO/Westend61
Fitness und die passende Ausrüstung sind entscheidend für die Sicherheit auf der Skipiste. Foto: IMAGO/Westend61
Artikel teilen:

Skifahren erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit, doch die Verletzungsstatistiken zeichnen ein alarmierendes Bild. Experten erklären, wie man mit der richtigen Vorbereitung und Fitness den Skiurlaub unversehrt übersteht.

Die deutschen Skifahrer lassen es krachen: Bis zu 44.000 von ihnen kamen in der Saison 2022/2023 so lädiert von der Piste, dass sie ärztlich behandelt werden mussten. In über 7000 Fällen erfolgte das sogar in einer Klinik.

Laut Versicherungen liegt nur noch Fußball in der Verletztenstatistik vor dem Skifahren. Doch wie ist der beliebte Wintersport dorthin gekommen?

Das hohe Tempo beim Abfahrtslauf und die teilweise überfüllten Pisten spielen sicherlich eine Rolle. Doch eine österreichische Studie kommt auch zu dem Schluss, dass jeder dritte Skiurlauber in einem geliehenen Dress aktiv ist, das dementsprechend ungewohnt für ihn ist.

Oft wird auch beobachtet, dass Brillenträger auf ihre Sehhilfe verzichten, aus Angst, die Brille könnte kaputt oder verloren gehen, oder aber einfach nur aus Bequemlichkeit. Dabei ist das Risiko, durch die fehlende Sehkorrektur ins Krankenhaus zu kommen, weitaus größer, als beim Abfahrtslauf die Brille einzubüßen.

Also: Brille auf beim Abfahrtslauf, und wen sein Gestell wirklich stört, der sollte Kontaktlinsen aufsetzen. Und über die setzt man dann eine bruchsichere Skisonnenbrille, die das Gesichtsfeld möglichst wenig einschränken sollte. Allerdings empfehlen sich Skibrillen mit extrem starker Lichtabsorption nur dann, wenn wirklich die Sonne scheint. In der Dämmerung oder bei Nebel trüben hingegen die getönten Gläser den Blick.

Die österreichischen Forscher haben überdies festgestellt, dass viele Skiurlauber - weil sie ja nur ein paar Wochen dafür Zeit haben - auf die Piste gehen, obwohl es die Wetterbedingungen eigentlich nicht zulassen. Doch wer etwa im undurchsichtigen Schneegestöber auf die Piste geht, riskiert natürlich mehr, als wenn er das bei schönem Wetter tut.

Eine weitere Feststellung des Forscherteams um Gerhard Ruedl von der Universität Innsbruck: Die meisten Unfälle passieren nicht etwa, wie oft zu hören ist, am dritten Tag des Skiurlaubs. „Sie verletzen sich zu 33 % am ersten und zu 24 % am zweiten Skitag ihres Urlaubes“, so der Sportwissenschaftler. Auf den dritten Tag entfielen 18 Prozent.

Als mögliche Ursachen für die Kulmination des Verletzungsrisikos zum Urlaubsstart nennen Ruedl und sein Team die ungewohnte Höhenlage der Skiurlauborte. „Es scheint daher präventiv sinnvoll“, so ihre Empfehlung, „dass sich Gäste im Wintersporturlaub besonders an den ersten beiden Tagen schrittweise an die spezifischen Begebenheiten wie Höhenlage und Witterungsbedingungen sowie an die ungewohnte körperliche Betätigung beim Skifahren und Snowboarden gewöhnen.“

Was die österreichischen Forscher besonders anprangern: Knapp ein Drittel der Skiurlauber sind nur ausgesprochen mäßige Fahrer. „Und das Sturzrisiko ist umso größer, je geringer das Skikönnen ist“, warnt Ruedl.

Wobei der Sportwissenschaftler das nicht nur im Hinblick auf die Routine und technischen Fähigkeiten beim Fahren versteht: Auch die körperliche Fitness entscheidet darüber, wie stabil jemand auf den Brettern steht. Wer den Skiurlaub heil überstehen will, muss nicht nur wissen, was er auf den Brettern anstellt. Er muss auch körperlich dazu in der Lage sein.

Dazu hat er mittlerweile die Möglichkeit, Kurse für Skygymnastik zu besuchen, in denen versucht wird, ihn muskulär für die Belastungen auf der Schneepiste vorzubereiten. Hier geht es neben einem Training für die Beweglichkeit auch um ein gezieltes Krafttraining für die Muskulatur.

„Denn mit einer gestärkten Muskulatur - insbesondere im Rumpf- und Beinbereich - stützt man den Bewegungsapparat“, erläutert Othmar Moser von der Universität Bayreuth, „und das schützt vor Verletzungen.“

Zusätzlich könne man auf sogenannten Balanceplatten trainieren, die vibrieren oder auf andere Weise gezielt instabil gehalten werden. „Darauf kann man dann beispielsweise Kniebeugen machen“, so der Sportphysiologe, „um die intermuskuläre Koordination, also die Abstimmung zwischen den einzelnen Muskelgruppen zu trainieren, die ja für das Skifahren mit seinen vielfältigen Belastungen besonders wichtig ist “.

Ganz zu schweigen davon, dass mit dem Training auf den Balanceplatten auch ein intensiverer Reiz für das Muskelwachstum gesetzt wird.

Moser betont jedoch, dass neben der Kraft und der Koordination der Muskeln auch die Ausdauer trainiert werden muss. Wobei es ihm nicht nur um die Zeit auf der Piste geht. „Angenommen, Sie haben gerade eine Abfahrt von 15 Minuten oder länger hinter sich und sind richtig aus der Puste“, so Moser. „Dann müssen sie ja auch imstande sein, die wenigen Minuten im Lift zur Erholung zu nutzen, damit Sie wieder konzentriert hinunterfahren können.“

Radfahren oder Joggen dienen also auch der Vorbereitung für die Ski-Saison, wobei man sie im Intervalltraining durchführen kann, bei dem höhere und niedrigere Belastungsintensitäten miteinander abwechseln. Auf diese Weise trainiert man gezielt die Fähigkeit des Körpers, sich in den Pausen zwischen den Abfahrten schneller zu erholen.

Prinzipiell kann man Radfahren und Joggen auch auf speziellen Geräten im Fitness-Center trainieren. Doch im Hinblick auf die Skisaison empfiehlt Moser das Training im Freien, um das Herz-Kreislauf- System und die Atemwege für die kalte Umgebung auf den Pisten vorzubereiten.

„Denn sofern man sich da ohne entsprechende Vorbereitung in die Kälte begibt, riskiert man, dass sich die Atemwege verengen“, warnt Moser. Und das sei dann nicht nur unangenehm, sondern würde auch die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken. Oft wird gerade älteren oder untrainierten Skifahrern empfohlen, von der Abfahrpiste auf die Langlaufloipen umzusteigen, weil es dort ruhiger zugeht und seltener Kollisionen passieren.

Moser warnt jedoch, deshalb unvorbereitet dort hinzugehen: „Gerade die Ausdauerkapazitäten werden beim Langlauf viel mehr gefordert als beim Abfahrtsski, und darauf sollte man vorbereitet sein.“ Dazu eigenen sich beispielsweise längere Touren mit Inlinern oder Ski-Rollern. „Dadurch kann man mehr für die spezifischen Bewegungen und Belastungen des Langlauf-Skifahrens trainieren als durch Jogging oder Radfahren“, erklärt Moser.

Doch egal ob Abfahrt oder Loipe: Die richtige Vorbereitung sollte nicht erst ein, zwei Wochen vor dem Skiurlaub beginnen. So schnell kann der Körper nicht auf Trainingsreize reagieren, um vorbereitet in den Skiurlaub gehen zu können. Drei Monate sind das Minimum.

Und die beste Vorbereitung ist ohnehin, wenn man das komplette Jahr sportlich aktiv ist. Das macht sich nicht nur für die Ski-Saison bezahlt, sondern fürs ganze Leben.

Ähnliche Artikel