Hamburg  Ohne mehr Angebote bringt auch die x-te Erhöhung der Pflegebeiträge nichts

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 30.12.2024 15:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Mehr Geld, aber keine Angebote. Allein 2023 sollen rund 16.000 Pflegeplätze in Heimen weggefallen sein. Foto: Christophe Gateau/dpa
Mehr Geld, aber keine Angebote. Allein 2023 sollen rund 16.000 Pflegeplätze in Heimen weggefallen sein. Foto: Christophe Gateau/dpa
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Die Soziale Pflegeversicherung bekommt zum neuen Jahr einen dringend benötigten Milliardensegen. Getragen von allen Beitragszahlern. Doch mehr Geld ins System zu pumpen, bringt kaum etwas, wenn Pflegebedürftige und Angehörige trotzdem auf sich gestellt bleiben.

Rund 1500 Euro. So viel zahlt künftig jeder gesetzlich Versicherte zusammen mit dem Arbeitgeber pro Jahr an die Pflegeversicherung – gemessen am Median-Einkommen, das bei knapp 44.000 Euro brutto im Jahr liegt.

Auch diese erneute Erhöhung der Pflegebeiträge von 0,2 Prozentpunkten wird politisch gerne mal als „moderat“ verkauft wird. Doch jede Beitragserhöhung tut weh. Besonders dann, wenn sie so kontinuierlich kommt wie bei der Pflege.

Milliardenschwere Koalitionsversprechen, wie die Rückzahlung der Corona-Aufwendungen und die Übernahme der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige durch Steuergeld, wurden gebrochen. Das baden die Beitragszahler jetzt aus, die das System abermals vor dem Kollaps bewahren müssen.

Die 3,7 Milliarden Euro, die so pro Jahr in die Pflegekassen fließen, werden generell dringend benötigt. Pflege ist teuer. Wer bei einer älter werdenden Gesellschaft höhere Standards und gut bezahlte Pflegekräfte will, darf sich über erhöhte Pflegekosten nicht wundern. Doch das Problem sitzt tiefer. Eine Pflegereform wurde zu lange verschlafen.

Das System schafft es auch mit mehr Geld längst nicht mehr, seiner Aufgabe gerecht zu werden. Explodierende Heimkosten deckeln? Gute Idee, nur bringt das wenig, wenn die meisten Pflegebedürftigen zu Hause versorgt werden – auch, weil alleine 2023 zahlreiche Pflegeheime mit insgesamt 16.000 Pflegeplätzen schließen mussten.

Das Pflegegeld und andere Leistungen für Pflegebedürftige werden um 4,5 Prozent erhöht? Gute Idee, aber belanglos, denn mehr für Tagespflege, Entlastungsbeitrag und Co. können viele weder ausgeben noch beantragen, weil es zu wenige Angebote dafür gibt. Oder der Pflegedienst aufgrund von Personalengpässen gar nicht mehr kommt.

So ließe sich das Dilemma der Pflege immer weiterspinnen. 2025, direkt nach der Bundestagswahl, müssen sich alle Parteien mit Experten aller Pflegebereiche zusammensetzen: Denn die Reform ist zu wichtig, um sie alleine der Politik zu überlassen. Das beweisen die Regierungen seit Jahren.

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