Hamburg  Ihr ganz persönliches Horoskop für 2025: Das wird Ihr Jahr!

Julia Falkenbach
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Von Julia Falkenbach
| 29.12.2024 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Frohes neues Jahr! Und nun? Foto: Unsplash/Chinh Le Duc
Frohes neues Jahr! Und nun? Foto: Unsplash/Chinh Le Duc
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Horoskope, Tarot-Karten und Bleigießen: Unsere Autorin kann nicht nachvollziehen, warum sich so viele Menschen wünschen, ihr Leben sei vorherbestimmt.

2025 wird Ihr Jahr. Entweder findet die Liebe Sie oder die Liebe, die Sie gefunden haben, wächst und gedeiht wie die Rosen in Ihrem Garten. Beruflich werden Sie durchstarten und endlich die Anerkennung bekommen, die Sie verdienen. Nicht allen wird Ihr Erfolg gefallen, also halten Sie sich von missgünstigen Menschen fern. Auch wenn Sie im kommenden Jahr vor große Herausforderungen gestellt werden, mit dem Rat eines guten Freundes werden Sie den richtigen Weg finden. 

Woher ich das alles weiß? Tue ich nicht. Doch warum sollte ich ein schlechteres Orakel als all die anderen Instanzen sein, denen zugesprochen wird, die Zukunft zu kennen? Meine Vorhersagen der Spielergebnisse bei der EM waren jedenfalls nicht schlechter als die der meisten “Tier-Orakel”. Wobei die Tiere bessere Chancen hatten, etwas über Fußball zu lernen, als mehrere hunderte Millionen Kilometer entfernte Gas- oder Gesteinsmassen Ihr Liebesleben oder Ihre Karriereoptionen bewerten können, wie es die Astrologie nahelegt.

Natürlich lese ich, wenn ich in einer Zeitschrift oder einer Website auf ein Horoskop stoße, auch mal, was die Zukunft für mich in Petto hat. Ein bisschen scheint es ja immer zu stimmen, wenn man die Realität großzügig interpretiert. Und Spaß macht es sowieso. 

Doch bezweifle ich, dass mein Schicksal und meine Persönlichkeit gänzlich anderes wären, wäre ich einen Tag später auf die Welt gekommen. So müsste es allerdings sein, bin ich doch am letzten Tag eines Sternzeichens geboren.

Wenn aus dem harmlosen Spaß, den Horoskope oder auch Tarot-Karten bieten, Ernst wird und Menschen glauben, dass Teeblätter, Handfalten oder gar Glaskugeln bessere Ratgeber sind als Freunde und Familie, mache ich mir Sorgen. An den „Wahrheitsgehalt“ von Horoskopen glauben laut einer Befragung aus dem Jahr 2021 immerhin 61 Prozent der 18- bis 24-Jährigen. Bei den über 55-Jährigen ist es noch gut ein Drittel.

Es tut mir leid, aber woher kommt dieser Wunsch, dass das eigene Schicksal vorbestimmt ist? Dass man den vorherbestimmten Weg nur gehen, aber nicht gestalten kann? Vielleicht mag es das Bedürfnis sein, Ausreden für Misserfolge oder schlechte Angewohnheiten zu finden, vielleicht der Wunsch, dem Universum so wichtig zu sein, dass es einen Plan gemacht hat. Oder soll die Berechnung von Aszendenten das „Ave Maria“ ersetzen, ist Astronomie am Ende Religion ohne Gott, dafür mit Vorbestimmung?

Silvester ist bekanntermaßen die Zeit, in der sich selbst die rationalsten Menschen zu etwas Aberglaube verführen lassen. Zugegeben: Wachsgießen macht Spaß und das gemeinsame Grübeln, ob ein undefinierter Klumpen eher einem Pinguin oder einem Spargel ähnelt, gehört irgendwie dazu. Wobei es doch in der Regel spannender ist zu erfahren, was Freunde und Verwandte in der Zukunft sehen möchten, als die Bedeutung des Gegenstands in der beigefügten Tabelle nachzulesen.

Mir gefallen jedenfalls jene Silvestertraditionen besser, bei denen man versucht, das Glück selbst in die Hand zu nehmen: Böse Geister mit Raketen vertreiben, Glücksklee verschenken und Berliner essen - letzteres bringt vielleicht kein Lebensglück, aber Genuss. Und mit ein bisschen Glück und viel Eigeninitiative kann das Ihr Jahr werden: Es liegt in Ihrer Hand, machen Sie was draus!

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