Hamburg/Berlin Heizkosten: Linke sammelt Abrechnungen – wie viele falsch sind
Die Mieten gelten bereits als Armutsrisiko, Heizkostenabrechnungen können zum Jahreswechsel den Geldbeutel zusätzlich belasten. Die Linkspartei hat nun zahlreiche Abrechnungen eingesammelt. So viele erwiesen sich bereits als fehlerhaft.
Bei der Bundestagswahl muss die Linkspartei um ihren Einzug zittern, im Wahlkampf hat sie aber offenbar einen Nerv getroffen. Bis zum Montagnachmittag seien 1.017 Nebenkostenabrechnungen bei ihr eingegangen, teilte die Partei unserer Redaktion mit. Die Linke hatte Mieter am 18. Dezember dazu aufgerufen, ihr Abrechnungen zuzuschicken, um sie dann zu prüfen.
„Dass sich so viele Menschen mit ihren konkreten Problemen an die Linke wenden, sollte für die Bundesregierung ein Alarmsignal sein – offenbar fehlt es in großem Umfang an konkreter Unterstützung bei der Bewältigung des Alltags“, kommentiert der Spitzenkandidat Jan van Aken die Zahlen.
Sind die Abrechnungen fehlerhaft, könnten Mieter bis zu 15 Prozent zurückverlangen, verspricht die Partei. Rund 200 der bislang geprüften Unterlagen seien vollständig gewesen, jede fünfte davon eindeutig fehlerhaft, heißt es aus der Bundesgeschäftsstelle weiter. In einem Fall gehe es um ein Mehrfamilienhaus mit 150 Wohnungen und rund 30.000 Euro, die womöglich zurückerstattet werden müssen. Nach eigenen Angaben will die Partei auch bei der Rückerstattung unkompliziert helfen.
„Die Inflation mag sinken, aber für die Menschen bleibt der Druck weiter erdrückend hoch“, sagt van Aken. Die Preise für Energie und Wohnen würden auf Rekordhöhen stagnieren, Reallöhne sinken, die Profite von Energiekonzernen und Immobilienriesen explodieren. „Das ist keine Kostenkrise, das ist eine Profitkrise“, wird der Linken-Vorsitzende deutlich.
Nach dem Austritt von Sahra Wagenknecht und der Gründung des BSW bewegt sich die Linkspartei in Umfragen zwischen 3 und 4 Prozent, muss auf Direktmandate hoffen, um in den Bundestag einzuziehen. Die hohen Mieten und Lebenshaltungskosten hat die Partei als eines ihrer zentralen Wahlkampfthemen identifiziert. Erst vor wenigen Tagen hatte der Paritätische Gesamtverband eine Studie vorgestellt, nach der mehr als jeder fünfte Deutsche mit seinem verfügbaren Einkommen im Armutsbereich landet– nach Abzug von Miete und Nebenkosten.
Gegen den „Armutstreiber Wohnen“ fordert die Linke einen Mietendeckel und ein Wohnungsbauprogramm für die öffentliche Hand sowie für gemeinnützige und genossenschaftliche Träger. „Dann haben die Menschen die Sicherheit, dass die Miete günstig bleibt und niemand davon Porsche fährt“, so van Aken.
Über die Seite „heizkostencheck.app“ können laut Partei weiter Abrechnungen eingereicht werden. Van Aken rechnet damit, dass bis zum Jahresende die Zweitausender-Marke geknackt werden könnte.