Osnabrück Anja Kling über „Das Quartett“: Mischung aus Miss Marple, Edgar Wallace und Tarantino
Schauspielerin Anja Kling steht seit mehr als 35 Jahren vor der Kamera. Im Interview erzählt sie, wie man sich darauf vorbereitet, in ihrer Rolle als TV-Kommissarin im Ernstfall zu schießen, welche Eigenschaften sie mit ihren Eltern verbinden und warum das Glas für sie immer halb voll ist.
Über acht Folgen von „Das Quartett“ war Anja Kling in ihrer Rolle als Kriminalhauptkommissarin Maike Riem zu sehen. Nun kommt mit „Patient Nr. 13“ die vorerst letzte Episode der Krimi-Reihe ins Fernsehen.
Als wir zum Interview anrufen, trifft Kling bei sich zu Hause gerade letzte Vorbereitungen, um Gäste zu empfangen. Und obwohl die Nacht eher unruhig verlief – „Ich habe einfach schlecht geschlafen, wahnsinnig schlecht geschlafen“ – ist Kling guter Dinge, mit uns über ihre Arbeit und die neue Folge des „Quartetts“ zu reden.
Frage: Guten Morgen Frau Kling, dieses Jahr ist es 20 Jahre her, dass Sie mit Ihrer Rolle in „Traumschiff Surprise“ den Deutschen Comedypreis gewonnen haben. Sind Sie privat noch genauso lustig wie damals?
Antwort: Die Frage müsste man wohl anderen stellen. Von sich selbst sowas zu sagen, finde ich komisch. Ich würde aber schon sagen, dass ich ein humorvoller Mensch bin.
Frage: Fällt es Ihnen in fordernden Zeiten schwer, diesen Humor zu erhalten?
Antwort: Dabei hilft vor allem meine positive Lebenseinstellung. Es muss nicht immer witzig sein, aber fest daran zu glauben, dass das Glas halb voll und nicht halb leer ist, hilft sehr. Ich bin kein Mensch, der zurückblickt und mit „hätte ich mal“ und „was wäre, wenn“ hantiert. Was gewesen ist, ist gewesen. Da kann ich sofort einen Haken dran machen.
Frage: In der neuen Folge vom „Quartett“ geht es um ein Escape-Game, das für einen der Mitspieler tödlich endet. Dabei stellt sich ihre Figur Maike Riem zuerst einmal die Frage, was ein Escape Game überhaupt ist. Waren Sie schonmal in einem Escape-Room?
Antwort: Nein, aber es steht auf meiner Wunschliste.
Frage: In Ihrer Karriere wurden Sie oft in der Rolle der Mutter gecastet. Können Sie mir drei prägende Eigenschaften Ihrer Mutter nennen, die sich in Ihnen wiederfinden?
Antwort: Ich denke, ich bin genau wie meine Mutter, ein ruheloser Geist, immer aktiv und grundehrlich. Und wie alle teilen uns den gleichen Humor.
Frage: Fällt Ihnen spontan eine Situation ein, in der Sie als Mutter einen richtig guten Job gemacht haben und eine, in der es nicht so war?
Antwort: Ich denke, ich habe meinen Kindern gute Werte vermittelt. Sie gehen aufrecht und gerade durchs Leben. Sie trauen sich Dinge zu, ohne dabei ein gewisses Maß an Bescheidenheit zu verlieren. Ich finde es wichtig, dankbar für die Dinge zu sein, die man hat und nicht immer nach dem zu schielen, was man noch nicht hat. Fehler habe ich sicher auch gemacht, aber da gibt es jetzt nichts Gravierendes, wo ich richtig versagt hätte. Aber es wäre gelogen, wenn man als Mutter oder Vater sagt, ich habe immer alles richtig und gut gemacht.
Frage: Finden Sie neben den Drehs und anderen Verpflichtungen noch genug Zeit für die Familie oder muss man sich da auch Zeiträume schaffen?
Antwort: Meine Kinder sind beide groß und schon ausgezogen. Wir sind inzwischen eher froh, wenn sie sich mal Zeit für uns nehmen (lacht). Wenn sie da sind, werde ich schon so wie meine Mutter und fange sofort an zu kochen.
Frage: In einem Interview haben Sie mal gesagt, dass Sie der festen Überzeugung sind, dass jeder Mensch mit mindestens einem Talent geboren wird. Was ist Ihr Talent?
Antwort: Gute Frage. Ich denke, ich habe auch mehrere Talente. Zuerst bin ich der großen Hoffnung, dass ich schauspielerisches Talent habe. Andererseits wäre ich auch gerne Medizinerin geworden. Und ich habe ein Talent, Menschen zu verbinden.
Frage: Im „Quartett“ spielen Sie als Maike Riem eine ernstere Rolle. Wie bereiten Sie sich auf Szenen vor, in denen die Geschichte so ernst wird, dass ihre Figur zum Beispiel auf andere Menschen schießen muss?
Antwort: Dafür gibt es natürlich verschiedene Schritte, in denen man sich vorbereitet. Man liest intensiv das Drehbuch und spricht mit der Regie, den Kollegen und wenn man Glück hat auch mit den Autoren.
Frage: Behält man da im Kopf, wie viele Leute man schon auf dem Gewissen hat?
Antwort: Das hält sich bei uns wirklich in Grenzen. Ich meine, es kommt nur in einer Folge so weit, dass meine Figur jemanden mit einem Schuss tödlich trifft. Und wir sind jetzt mit der achten Folge „Patient Nr. 13“ auch vorerst in unserer letzten Folge.
Frage: Gab es da schon eine gewisse Abschiedsstimmung am Set?
Antwort: Nein, gar nicht. Wir haben erst nach dem letzten Drehtag davon erfahren. Ich finde das sehr schade. Gerade bei dieser Episode ist meiner Meinung nach vor allem Elmar Fischer als Regisseur eine beeindruckende Mischung aus Miss Marple, Edgar Wallace und Tarantino gelungen.
Frage: Schaffen Sie es, zwischen den Jahren die Füße hochzulegen oder sind Sie ein Workaholic?
Antwort: Über die drei Weihnachtsfeiertage haben wir außer Essen gar nichts gemacht. Und zwischen den Jahren sind wir natürlich auch faul, wobei wir dieses Jahr viel Besuch erwarten. An sich ist jeden Tag irgendjemand hier. Das heißt, ich werde schon viel in der Küche sein. Aber das macht mir Spaß.
„Das Quartett – Patient Nr. 13“ mit Anja Kling in der Hauptrolle als Kommissarin Maike Riem ist am 28. Dezember um 21.45 Uhr im ZDF und vorab bereits online in der ZDF-Mediathek zu sehen.