Osnabrück Von Scorsese bis Monty Python: Wie Hollywood Jesus zur Pop-Ikone machte
Jesus als Popstar oder Provokateur: Die Arte-Dokumentation „Jesus goes to Hollywood“ erforscht, wie Filme das Bild Jesu jenseits kirchlicher Dogmen formten. Die Geschichte einer filmischen Evolution von Jesus als umstrittener Hollywoodikone läuft am 25. Dezember um 22.25 Uhr auf Arte.
Als 1988 Martin Scorseses Verfilmung des Buches von „Alexis Sorbas“-Autor Nikos Kazanztakis: „Die letzte Versuchung Christi“ erschien, prophezeite eine Nonne: „Wenn dieser Film in die Kinos kommt, wird Kalifornien im Ozean versinken.“
Der Film zeigte Jesus als Menschen voller Wünsche und Zweifel, der während seiner Hinrichtung Visionen von einem Eheleben mit Maria Magdalena hatte und für kurze Zeit sogar an seiner Mission, für die Sünden der Menschen am Kreuz zu sterben, zweifelte. Jesus als Zauderer? Diese Darstellung galt für viele Gläubige als Provokation.
Tatsache ist: Nachdem die Filmindustrie sich ab dem frühen 20. Jahrhundert die Ikonografie von Jesus Christus zu eigen gemacht hatte, übernahmen Filmproduktionen oft das Bild von Jesus als gutaussehendem, weißen Europäer. Und so drehte vor allem Hollywood oft frömmelnde „Bibelschinken“ im Gewand von Monumentalfilmen wie etwa “Ben Hur“ (1926/1959/2016) oder Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“ (1923/ 1956).
Die meisten pompösen Bibelspektakel waren auch an der Kinokasse erfolgreich, trugen sogar Titel wie „Die größte Geschichte aller Zeiten“ (1965). Ein Werk wie Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ passte da einfach nicht in die gewohnten Pfade hinein.
Den letzten großen Skandal um die Darstellung einer Jesus-Figur gab es 2004, als der Hollywood-Action-Star und konservativ-katholische Mel Gibson aus eigener Tasche den Film „Die Passion Christi“ finanzierte. Ein Film, der als ultrabrutales Werk über die detailliert gezeigte, qualvolle Kreuzigung von Jesus in die Filmgeschichte einging.
Doch diesmal kam die Kritik von einer mehrheitlich nichtkirchlichen Seite. Man warf dem Film nicht nur Antisemitismus, sondern vor allem Folterpornografie vor. Mit seinen fast zwei Stunden erscheint das Werk wie ein Splatter-Film voller Dornenkronen und Auspeitschungen. Mel Gibson, der aktuell eine Fortsetzung plant, bescherte dieses Werk trotzdem volle Kassen.
Einen anderen Weg ging der italienische Autorenfilmer Pier Paolo Pasolini für seine Verfilmung „Das erste Evangelium – Matthäus“ (1964). Er erwählte das ärmliche apulische Dorf Matera als Kulisse und machte die Einwohner zu seinen Laien-Schauspielern. Und Jesus? Der wurde als eine Art Sozialrevolutionär dargestellt. Sehr zum Gefallen des Vatikans unter dem liberalen Papst Johannes XXIII.
Auch die Kritik lobte „Das erste Evangelium – Matthäus“. Und das, obwohl Pasolini ein bekennender marxistischer, homosexueller Atheist war. Heute gilt der Film auch dank seiner elaborierten Bildsprache und weil er sich eng an der Vorlage hielt als ein Schlüsselwerk, als zeitloses Gleichnis.
Dagegen ist Norman Jewisons Verfilmung des Hippiemusical „Jesus Christ Superstar“ (1973) von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice ein Zeichen der Zeit: Themen wie Rassismus, die amerikanische Bürgerrechtsbewegung und der Vietnamkrieg spiegeln sich in dieser Erzählung, die Jesus als blonden Surfer-Typ porträtiert.
1979 veralberte die britische Komikergruppe Monty Python die Bibel durch ihre Komödie „Das Leben des Brian“. Wieder hagelte es Proteste, diesmal vor allem von fundamentalistischer Seite. Monty Python gelang dennoch ein herrlich respektloser Komödienklassiker über das Märtyrertum.
Dem Arte-Filmemacher Norbert Busé gelingt mit dieser Dokumentation eine interessante Kultursendung über ein kontroverses Thema. Schade nur, dass einige wichtige Beispiele fehlten: Etwa Herbert Achterbuschs Skandalfilm „Das Gespenst“ (BRD 1983), wo Jesus unter anderem zwei bayerische Polizisten dazu drängt, sich in Schnapsgläser zu entleeren, oder die Filme des spanischen Antiklerikers Luis Buñuel („Ich bin – Gott sei Dank - Atheist“).
Fazit: Jesus im Film – da liegen Himmel und Hölle oft nahe beieinander.
„Jesus Goes To Hollywood“, am Mittwoch, 25. Dezember um 22.25 Uhr auf Arte und noch bis 24. März 2025 in der Mediathek.