Nachruf auf Historiker Papenburger Habbo Knoch (55) unerwartet gestorben
Er galt als ein Ausnahmehistoriker und höchst leidenschaftlicher Wissenschaftler, nun ist Prof. Dr. Habbo Knoch unerwartet verstorben. Der gebürtige Papenburger wurde nur 55 Jahre alt. Ein Nachruf.
Papenburg - Fassungslos und bestürzt haben Vorstand und Mitarbeiter des Vereins Aktionskomitee für ein Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Emslandlager in Papenburg auf den plötzlichen Tod ihres langjährigen Vorsitzenden Prof. Dr. Habbo Knoch reagiert.
Der Historiker aus Köln, ein gebürtiger Papenburger, verstarb unerwartet am 11. Dezember im Alter von nur 55 Jahren. Knoch stand dem Verein seit dem Jahr 2000 vor, die Arbeit des Vereins begleitete er insgesamt mehr als 35 Jahre. Noch im November hatte er an der Mitgliederversammlung teilgenommen.
Zwei Tage vor seinem Tod hielt Knoch einen Vortrag in Rom
In einem Nachruf würdigt der Verein ihn als einen „sehr besonnenen, klugen und liebenswerten Menschen“. Knoch habe Verein und DIZ mit viel Empathie und Sachkompetenz geführt. Der Verein beschreibt den Verstorbenen als einen „lebenszugewandten Menschenfreund“. Nach Angaben des Vereins hatte Knoch zwei Tage vor seinem Tod im Deutschen Historischen Institut in Rom einen Vortrag zum Thema „Gewaltlust. Affekte und Massenmorde im Nationalsozialismus“ gehalten.
Knoch, der 1988 am Gymnasium Papenburg sein Abitur machte, knüpfte dem Verein zufolge Ende der 80er-Jahre über einen seiner damaligen Lehrer, Bruno Brückner, erste Kontakte zum DIZ. Brückner sei seinerzeit 2. Vorsitzender des Aktionskomitees gewesen. Erstes Ergebnis der Zusammenarbeit sei ein kleines Interview- und Filmprojekt gewesen.
Ehemaliger Leiter der Gedenkstätte Bergen-Belsen
Sein Studium absolvierte Knoch in Göttingen, Bielefeld, Jerusalem und Oxford. Von 2008 bis 2014 war er Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gesellschaften in Celle. Zudem leitete er die Gedenkstätte Bergen-Belsen. Seit 2014 war Knoch, der 1999 promovierte und 2008 habilitierte, Professor für Neuere und Neueste Geschichte am Historischen Institut der Universität zu Köln.
„Die Pflicht zur Erinnerung“ – so überschreibt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ einen von seinem Doktorvater Bernd Weisbrod verfassten Nachruf. Mit Engagement und Ernsthaftigkeit habe Knoch die Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts aufgearbeitet. Dazu gehört auch die der NS-Emslandlager.
Streit folgte Auszug aus der Gedenkstätte Esterwegen
Knoch war im Sinne seiner Forschung immer auch ein streitbarer Geist. Zum Beispiel auch, wenn es um Art und Umgang mit der Erinnerungsarbeit ging. Offenkundig wurde dies 2023 in einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Landkreis Emsland als Träger der Stiftung Gedenkstätte Esterwegen und dem DIZ. Am Ende stand die Kündigung eines vom DIZ genutzten Büros in der Gedenkstätte und der „unfreiwillige Umzug“ des Vereins nach Papenburg.
Ende Januar 2024 war Knoch einer der Redner auf der von der Initiative #wirsindmehrpapenburg organisierten „Demo gegen rechts“ in Papenburg. Vor schätzungsweise bis zu rund 3000 Teilnehmern lenkte er seinerzeit den Blick auf Artikel 1 des Grundgesetzes: Die Würde des Menschen ist unantastbar. „Unsere Aufgabe ist es, diesen Satz nicht zur Formel erstarren zu lassen, sondern mit Leben zu füllen.“ Knoch forderte überdies dazu auf, die AfD „mit ihren lang gehegten Zielen nicht erfolgreich“ sein zu lassen.
Habbo Knoch hinterlässt seine Ehefrau Frauke und seine Tochter Leah Meentje.