Hannover  Niedersachsen will Jagdhund-Ausbildung an lebenden Tieren verbieten – Jäger protestieren

Stefan Idel
|
Von Stefan Idel
| 20.12.2024 15:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Reform des Niedersächsischen Jagdgesetzes sorgt für hitzige Debatten: Im Fokus steht das Verbot der Jagdhundausbildung an lebenden Tieren. Foto: IMAGO/imagebroker
Die Reform des Niedersächsischen Jagdgesetzes sorgt für hitzige Debatten: Im Fokus steht das Verbot der Jagdhundausbildung an lebenden Tieren. Foto: IMAGO/imagebroker
Artikel teilen:

Tierschutz gegen Tradition: Die Reform des Niedersächsischen Jagdgesetzes steht bevor. Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte stellt Pläne vor, die auf Widerstand stoßen, insbesondere bei der Hundetrainingspraxis. Die Jäger wollen jetzt demonstrieren.

Erst vor zwei Jahren, unter der Ägide der Großen Koalition, wurde das Niedersächsische Jagdgesetz novelliert. Doch Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte feilt derzeit an einer Gesetzesreform. Die Regelungen sollen im Sinne des Tierschutzes geändert werden, heißt es im Ministerium.

Im rot-grünen Koalitionsvertrag wurde festgelegt, dass die Änderungen „im Dialog mit der Jägerschaft“ erfolgen sollen. Doch ausgerechnet die sehen Rot bei einigen Vorschlägen der grünen Ministerin.

Schon laut Tierschutzgesetz sei es grundsätzlich verboten, Tiere auf andere Tiere zu hetzen, sagt Ministeriumssprecherin Stefanie Geisler. Darum soll die „Ausbildung von Jagdhunden an lebenden Tieren“ verboten, wie bereits im Koalitionsvertrag festgelegt wurde.

Rot-Grün will den Abschuss in Jagdgattern auslaufen lassen, den Einsatz von Totschlagfallen untersagen sowie die Erdbaujagd und sogenannte Schliefenanlagen, in denen Jagdhunde an lebenden Füchsen abgerichtet werden, grundsätzlich überprüfen.

Es gibt einen Referentenentwurf, der aber den Naturschutzverbänden, darunter die Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN), noch nicht schriftlich vorliegt. Nach drei Gesprächsrunden mit den Verbänden folgte nun auf Einladung der Grünen-Fraktion im Landtag eine Diskussionsrunde, die nach Angaben von Teilnehmern kontrovers verlief. Besonders strittig wurde diskutiert, wie künftig die Ausbildung der Jagdhunde aussehen könnte. Staudte will die Ausbildung von Jagdhunden am lebenden Tier verbieten; Ausnahmen sollen in einer Verordnung geregelt werden.

Drei Punkte sollen in der Verordnung verbindlich geregelt werden. Staudte spricht sich für die Fortsetzung der Ausbildung von Jagdhunden am sogenannten Schwarzwildgatter – also mit Wildschweinen – aus, erklärt ihre Sprecherin. Die Ausbildung von Hunden an lebenden Enten zum Apportieren bei der Wasserwildjagd soll mit verbindlicheren Auflagen versehen werden. Das Abrichten von Hunden in Schliefenanlagen soll hingegen beendet werden.

Die Ausbildung der Hunde am lebenden Tier sei durchaus mit dem Tierschutz vereinbar, erklärt LJN-Präsident Helmut Dammann-Tamke. Staudte habe sich die Ausbildung im Schwarzwildgatter und mehr angesehen. Es sei wichtig zu wissen, die der Hund reagiert, wenn er auf ein Wildschwein trifft. Als der Grünen-Politikerin die Arbeit des Hundes an der Schwimmspur gezeigt wurde, habe die Ministerin selbst eingeräumt, dass die Ente „keinen Stress“ hatte.

Im Zusammenhang mit der Ausbildung in der Schliefenanlage, in der die Hunde in einem künstlichen Fuchsbau trainiert werden, weist Dam­mann-Tamke darauf hin, dass das Verfahren auch geeignet sei, um aggressive und ängstliche Hunde leichter zu erkennen. Auch die Jäger wollten keinen „Rambo“ als Jagdhund.

Dammann-Tamke sagt, über die meisten Punkte der Reform könne man Einigkeit erzielen. Sollte Rot-Grün aber die Jagdhunde-Ausbildung – wie nun vorgeschlagen – umsetzen, werde eine „rote Linie“ überschritten. Dagegen wolle die niedersächsische Jägerschaft „mit vollem Widerstand“ angehen. Dammann-Tamke spricht beim Thema Jagdhund auch von einer „Soll-Bruchstelle“.

Dieter Ruhnke, Landesvorsitzender des Tierschutzbundes, fordert eine klare Trennung der Aufgaben zwischen dem Bundesnaturschutz- und dem Jagdgesetz. Die Ausbildung von Jagdhunden am lebenden Tier lehnt der Verband ebenso ab wie Totschlagfallen.

„Tierschutz ist nicht teilbar“, sagt Karin Logemann, agrarpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion. „Das gilt auch für den Jagdhund.“ Logemann weist darauf hin. Dass der Entwurf „noch nicht geeint“ ist zwischen den Koalitionsparteien.

Diskussionsbedarf gibt es auch bei der Bejagung der invasiven Tierarten Nutria und Bisam, die auf einheitlicher Grundlage bejagt werden sollen, sowie dem Abschuss von verwilderten Katzen, die mehr als 300 Meter von der Wohnbebauung entfernt, Schäden anrichten.

Das Ministerium wird nach Angaben seiner Sprecherin den Entwurf überarbeiten. Nach der Ressortbeteiligung erfolge die erste Beschlussfassung des Kabinetts mit der Freigabe des Gesetzentwurfes zur offiziellen Verbandsbeteiligung. Wann das Gesetz im Parlament verabschiedet wird, sei heute noch nicht absehbar. LJN-Präsident Dammann-Tamke kündigt derweil eine Demonstration der Jägerschaft am 30. Januar 2025 vor dem Landtag in Hannover an.

Ähnliche Artikel