Berlin  Zusatzbeiträge der Krankenkassen steigen: Woran das System krankt

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 19.12.2024 16:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Die Techniker Krankenkasse verdoppelt den Zusatzbeitrag auf dann 2,45 Prozent. Für diesen Freitag wird erwartet, dass andere große Kassen nachziehen. Foto: Jens Kalaene
Die Techniker Krankenkasse verdoppelt den Zusatzbeitrag auf dann 2,45 Prozent. Für diesen Freitag wird erwartet, dass andere große Kassen nachziehen. Foto: Jens Kalaene
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Drastische Erhöhungen der Zusatzbeiträge der Krankenkassen kommen auf die Versicherten zu. Die Versorgung aber wird nicht besser. Das System krankt an allen Ecken und Enden.

Kurz vor Weihnachten warten die gesetzlichen Krankenkassen mit schlechten Nachrichten auf. Millionen Versicherte werden zum Jahreswechsel mit saftigen Erhöhungen der Zusatzbeiträge rechnen müssen.

Auch wenn das bei einem Bruttolohn von 3.000 Euro „nur” rund 20 Euro im Monat an Mehrkosten bedeutet. Aufs Jahr gesehen kommt einiges zusammen. Und die Versorgung wird dadurch nicht besser.

Dass das Gesundheitssystem einer alternden Gesellschaft zusehends teurer wird, ist seit Langem absehbar. Die Krankenkassen reagieren aber derzeit auch auf höhere Personal- und Arzneimittelkosten, Klinikreform und Mehrkosten für die gestiegene Zahl an Bürgergeldempfängern, die mitfinanziert werden müssen. 

Hinzu kommt: Auch der Pflegebeitrag wird zum Jahreswechsel um 0,2 bis 0,4 Punkte steigen. Insgesamt bedeutet das einen Anstieg bei den Sozialversicherungsbeiträgen, wie es ihn seit vielen Jahren nicht gab. Das bedeutet nicht nur Mehrbelastungen für jeden einzelnen Versicherten, der von seinem Bruttolohn weniger in der Tasche behält, sondern belastet auch die Arbeitgeber, die die Hälfte der Beiträge übernehmen.

Personalintensive Branchen leiden besonders darunter, dass sozialversicherungspflichtige Beschäftigung immer teurer wird. Das gehört zu den Standortnachteilen, die dafür sorgen, dass Deutschland gerade in den Wirtschafts-Rankings nach hinten durchgereicht wird.

Mit der Krankenhausreform der Ampel-Koalition ist ein erster notwendiger Schritt getan, das System effizienter aufzustellen. Bis sie umgesetzt ist, wird es allerdings noch dauern. Die nächste Bundesregierung wird rasch handeln müssen: Entweder erhalten die Kassen mehr Geld aus dem Bundeshaushalt oder sie werden zu einschneidenden Reformen gezwungen. Wahrscheinlich wird beides notwendig sein. 

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