Osnabrück Nur Platz am Küchentisch: Warum ARD und ZDF Robert Habeck ausschließen
ARD und ZDF sorgen für den ersten kleinen Eklat des Bundestagswahlkampfes. Warum sollen nur Friedrich Merz und Olaf Scholz in eine Kanzler-Runde - zum Ärger von Robert Habeck und den Grünen? Es geht vor allem um Alice Weidel.
Ausgerechnet ARD und ZDF, die eher als linke denn rechte Sender gelten, haben den Zorn der Grünen auf sich gezogen. Und auch die AfD ist nicht amüsiert: Nur die Spitzenkandidaten von Union und SPD sollen zu Kanzlerduellen eingeladen werden.
Nach den Vorstellungen der Öffentlich-Rechtlichen sollen Olaf Scholz und Friedrich Merz die große Showbühne bekommen, während Robert Habeck und Alice Weidel am medialen Katzentisch Platz nehmen müssten. Wäre das fair? Oder eine unerlaubte Manipulation des Wahlkampfes?
Das Habeck-Lager sagt so empört ab, als hätten die Öffentlich-Rechtlichen eine Majestätsbeleidigung begangen. Zudem: Als Annalena Baerbock 2021 Kanzlerkandidatin war, wurde aus dem Kanzler-Duell sogar ein TV-Triell. Warum setzen ARD und ZDF also Habeck beim Kanzlerduell vor die Tür?
Die Wahrheit ist simpel: Der grüne Spitzenkandidat scheint das Bauernopfer zu sein, um Alice Weidel die große TV-Bühne zu versagen. ARD und ZDF können zwar keine Wahlen entscheiden, aber doch beeinflussen. Denn je weniger Medienzeit ein Kandidat hat, desto geringer die Wahrscheinlichkeit auf einen Wahlerfolg. Deshalb müssten die Öffentlich-Rechtlichen notfalls auch vor Gericht überzeugend begründen können, warum sie wen einladen – und wen eben nicht.
2021 lagen Baerbock und die Grünen in Umfragen anfänglich bei über 25 Prozent, zeitweise sogar besser als SPD und CDU. Deshalb gab es damals ein Triell. Würden ARD und ZDF die gleichen Kriterien 2025 anwenden, müsste es wieder eine Dreierrunde geben – aber nicht mit Habeck, sondern mit Weidel.
Denn die Rechtspopulistin liegt in den Umfragen mit der AfD um 19 Prozent klar hinter der Union mit rund 30 Prozent, aber noch vor der SPD auf Platz 2 und weit vor den Grünen, die zwischen zehn und 14 Prozent pendeln. Nun wollen die Sender nur den Amtsinhaber, sprich Scholz, und den Kandidaten mit den größten Erfolgschancen, sprich Merz, einladen.
Ob dieser Kunstgriff vor Gericht Bestand hat, sollte die AfD klagen? Mal sehen. Eine komplexe Frage. Wäre womöglich eine große Runde am besten?
Die wütenden Reaktionen der Grünen zeigen jedenfalls, wie im Team Habeck die Nerven blank liegen, wenn ihr Star nur noch an manchen Küchentischen Platz findet. Aber das nennt man Demokratie.