Problem für Klinik Friesoythe Rückkehr syrischer Ärzte in Heimatland hätte gravierende Folgen
Trotzdem ist der Geschäftsführer des St.-Marien-Hospitals an diesem Punkt entspannt. Sorgen bereitet ihm ein genereller Standortnachteil der Kliniken im ländlichen Raum.
Friesoythe - Rund 50 Ärztinnen und Ärzte arbeiten am Friesoyther St.-Marien-Hospital. Neun davon, also 18 Prozent, stammen aus Syrien. Sollten sie alle über kurz oder lang in ihr Heimatland zurückkehren, wäre das für das Krankenhaus ein herber Schlag, zumal es im ländlichen Raum ohnehin schwierig ist, freie Arztstellen zu besetzen. Bernd Wessels, Geschäftsführer der St.-Marien-Stiftung und damit auch des Krankenhauses, ist mit Blick auf die syrischen Medizinerinnen und Mediziner jedoch entspannt: „Ich sehe das nicht, dass unsere Syrer uns auf einmal verlassen“, sagt er auf Anfrage dieser Zeitung.
Gründe für diese optimistische Vermutung hat er einige. „Die syrischen Ärzte sind dem europäischen Raum mittlerweile verbunden“, sagt er. „Und sie wollen ja auch Geld nach Hause schicken, um ihre Familien zu unterstützen.“ Eine Hilfe, die derzeit vermutlich dringender ist als je zuvor. Zudem verweist Wessels auf die Erfahrungen des Krankenhauses mit Ärzten aus anderen Weltregionen. „Wir hatten und haben auch Ärzte aus Afghanistan und dem Gaza-Streifen“, erzählt er. Auch bei diesen Mitarbeitern habe es bislang keine Rückkehrtendenzen gegeben.
Exodus würde den Kollaps der Kliniken auf dem Land bedeuten
Zudem sei erkennbar, dass die Integration der syrischen Ärzte gut funktioniere. Wer keine Wurzeln hier gefunden habe, also mit dem Leben in Deutschland unzufrieden sei, mag vielleicht eher Rückkehrgedanken haben, so Wessels. „Aber das gilt nicht für unsere Syrer“, ist er sich sicher. Und nicht zuletzt sieht er die Lage in dem Land als viel zu unsicher. „Ich zumindest würde derzeit nicht zurückkehren wollen“, sagt er.
„Syrien wird nicht so schnell zur Ruhe kommen, dafür ist die geografische Lage des Landes viel zu exponiert.“ Niemand könne sagen, wie es dort weitergehen wird, auch die Etablierung eines islamischen Staates sei ja nicht ausgeschlossen. Hinzu kämen die Konflikte zwischen den unterschiedlichen Glaubensrichtungen, etwa zwischen Sunniten und Schiiten. Auch das könne die jungen Mediziner von einer Rückkehr abschrecken, denn „bei uns verstehen die sich gut, kommen gut miteinander aus“, sagt Wessels. „Aber man kann den Menschen natürlich nur vor den Kopf schauen.“
Standortnachteil Provinz
Fest stehe jedenfalls, so Wessels, dass das deutsche Krankenhaussystem im ländlichen Raum ohne ausländische Ärzte vor dem Kollaps stehen würde. Denn das medizinische Ausbildungssystem in Deutschland bevorzuge vor allem Ballungsräume. „Auch in Ostwestfalen kommen die Krankenhäuser nicht ohne ausländische Ärzte aus, in Großstädten dagegen, in Aachen, Köln, Düsseldorf, Münster und natürlich auch in Hannover und Göttingen gibt es keinen Ärztemangel“, sagt er. Deshalb sei der Ausbau der Universitätsmedizin in Oldenburg so wichtig. „Die Uni Oldenburg muss da einen Stellenwert wie Göttingen und Hannover bekommen“, fordert Wessels. Denn wenn dann die Oldenburger Kliniken genug Ärzte hätten, „dann schwappen die Absolventen auch in den ländlichen Raum über“.
Der allerdings habe auch im Kampf um Assistenzärzte, egal ob aus Deutschland oder aus dem Ausland, oft einen erheblichen Standortnachteil. „Die jungen Leute sind auch von ihrem Studium, egal wo sie es absolviert haben, Großstadtleben gewöhnt“, sagt Wessels. Zwar würden viele junge Ärzte ihre Facharztausbildung in kleinen Häusern beginnen, „leben aber wollen die in der Großstadt“. Und da könne Friesoythe mit Blick auf Schichtdienst und Wochenendarbeit noch nicht einmal mit einem guten öffentlichen Nahverkehr punkten: Bei Dienstbeginn um 21 Uhr sowie samstags und sonntags gibt es schlicht keine Busverbindung aus Oldenburg.
Einfacher, Mediziner aus dem Ausland zu motivieren
„Ärztesuche“, so Wessels, „ist im ländlichen Raum ein Lottospiel.“ Da es sehr schwer sei, Ärzte mit einem deutschen Studienabschluss in den ländlichen Raum zu bekommen, sei es sehr viel einfacher, Medizinern aus dem Ausland hier eine gute Ausbildung zu geben und sie zu motivieren, hierzubleiben.