Dramatischer Einsatz in Norden  Rettung der Pflegeheim-Bewohner war große Herausforderung

Aiko Recke
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Von Aiko Recke
| 18.12.2024 13:35 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Zahlreiche Einsatzkräfte kümmerten sich um die Bewohner. Foto: Feuerwehr Norden
Zahlreiche Einsatzkräfte kümmerten sich um die Bewohner. Foto: Feuerwehr Norden
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Viele der 48 Betroffenen im Reil-Haus wurden im Schlaf vom Feuer überrascht. Sie reagierten wegen ihrer Erkrankungen und Behinderungen zum Teil untypisch. Die Feuerwehr Norden berichtet.

Norden - Vor erhebliche Herausforderungen hat der Brand im Pflegeheim Johann-Christian-Reil-Haus die Einsatz- und Rettungskräfte in der Nacht zu Mittwoch, 18. Dezember, gestellt. Das geht aus einem detaillierten Bericht des stellvertretenden Norder Stadtbrandmeisters Thomas Weege hervor. Demnach gerieten 13 Bewohner in akute Lebensgefahr und mussten durch Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Norden aus der völlig verqualmten Station gerettet werden. Acht weitere Personen gerieten den Angaben zufolge durch Rauchausbreitung ebenfalls in Gefahr und mussten ebenfalls durch die Feuerwehr in Sicherheit gebracht werden. Sicherheitshalber wurde ein weiterer Wohnbereich durch Polizei und Feuerwehr evakuiert. Insgesamt 48 Bewohner waren so von dem Brand betroffen. Rund 200 Einsatzkräfte aus dem Landkreis Aurich und der Stadt Emden kamen im Verlauf der Nacht zum Einsatz.

Um 23.07 Uhr hatte laut Feuerwehr zunächst die automatische Brandmeldeanlage der Pflegeeinrichtung Alarm geschlagen. Das anwesende Pflegepersonal wurde so auf den Brand aufmerksam. Parallel erfolgte die Alarmierung der Norder Feuerwehr. Als diese sich auf Anfahrt befand, kam ein erster Notruf aus dem Heim und meldete eine Rauchentwicklung auf einer Station, worauf eine erste Alarmstufenerhöhung erfolgte.

Rußgeschwärzter Pfleger rief um Hilfe

Bei Ankunft der Feuerwehr rief bereits ein Pfleger um Hilfe. Er selbst konnte sich rußgeschwärzt aus dem betroffenen Bereich retten und berichten, dass sich noch 13 Bewohner in dem geschlossenen Wohnbereich befänden. Einige der Heimbewohner seien zudem stark in ihrer Mobilität eingeschränkt. Durch seine detaillierten Informationen konnte die Feuerwehr ihre Arbeiten zielgerichtet einleiten. Sofort gingen Atemschutzgeräteträger durch einen Seiteneingang, dem kürzesten Weg ins Innere, vor. Im Flur schlugen ihnen bereits Flammen entgegen. Diese kämpften sie mit einem Strahlrohr nieder und verschlossen die Tür zu dem Brandraum. Mit einer Wärmebildkamera fanden sie zwei im Rauch umherirrende Bewohner und brachten diese ins Freie.

Großalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst

Parallel dazu wurde Großalarm für Feuerwehr und Rettungsdienst ausgelöst. Neben der gesamten Norder Feuerwehr machten sich nun auch die Drehleiter aus Aurich sowie Atemschutzgeräteträger der Nachbarfeuerwehren Lütetsburg, Hage, Osteel und Leezdorf auf den Weg. Auch seitens des Rettungsdienstes, des Deutschen Roten Kreuzes und der Polizei rückten Einsatzkräfte aus dem gesamten Landkreis Aurich und der Stadt Emden aus. Die Stadtwerke Norden entsandte als zuständiger Energieversorger ihren Bereitschaftsdienst für Strom und Gas. Auch Notfallseelsorger der Kirchen kamen zur Hilfe.

Erhebliche Schwierigkeiten bei Rettung

Die Feuerwehrleute retteten derweil die Heimbewohner im Akkord aus dem Erdgeschoss sowie dem Obergeschoss. Die Menschenrettung stellte die Einsatzkräfte dabei vor teilweise erhebliche Schwierigkeiten. Bedingt durch ihre Erkrankungen und Behinderungen verhielten sich einige Bewohner völlig untypisch. Einige fielen in eine Art Schockstarre, andere gerieten in Panik und andere wurden aggressiv. Fast alle hatte der Brand im Schlaf überrascht. Eine Bewohnerin hatte sich in ihrem Zimmer sogar eingeschlossen, worauf die Atemschutzgeräteträger die Tür gewaltsam öffnen mussten. Auch mehrere Fenster und Außentüren mussten zur Schaffung von Angriffs- und Rettungswegen mit Brechwerkzeug zerstört werden.

Die Feuerwehr Norden war mit vielen Kräften im Einsatz. Foto: Feuerwehr Norden
Die Feuerwehr Norden war mit vielen Kräften im Einsatz. Foto: Feuerwehr Norden

Zum Schutz vor dem giftigen Rauch bekamen einige der Brandopfer Fluchthauben aufgesetzt, um sich so vor dem giftigen Brandrauch zu schützen. Um die Rettungsarbeiten zu erleichtern, setzten die Feuerwehrleute nach der Isolation des Brandraumes gleich mehrere Hochleistungslüfter ein und entrauchten so die Räume und Fluchtwege.

Zehn Bewohner erlitten Rauchvergiftungen

Alle 48 Geretteten und Evakuierten wurden dem Rettungsdienst sowie dem DRK zur Sichtung übergeben. Insgesamt zehn Bewohner erlitten Rauchvergiftungen und mussten stationär im benachbarten Gesundheitszentrum (RGZ Norden) sowie umliegenden Krankenhäusern aufgenommen werden. Das Personal des Pflegeheims übernahm nach und nach die Betreuung der unverletzten Heimbewohner und richtete Ersatzunterkünfte innerhalb der Einrichtung ein. Zwei Stationen sind durch den Brand vorerst unbewohnbar geworden.

Die Führungskräfte der verschiedenen Organisationen sowie der Heimleitung stimmten gemeinsam alle notwendigen Maßnahmen ab. Alle zeigten sich erleichtert und sprachen trotz der vielen Verletzten von einem glimpflichen Ausgang. „Bei der anfangs vorgefundenen Lage, war dies nicht zu erwarten“, schreibt stellvertretender Stadtbrandmeister Thomas Weege abschließend.

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