Budget-Abenteuer Mit einem Zwanni über den Leeraner Weihnachtsmarkt
Wir waren auf dem Weihnachtsmarkt in Leer unterwegs und sind an verschiedenen Buden angehalten. Alle bekamen dieselbe Frage von uns gestellt: Was gibt‘s für 20 Euro?
Leer - Zwanni, Zwambo oder Zwacken: Für den 20-Euro-Schein gibt es viele Bezeichnungen. Egal, wie manch einer ihn nennt, für mich ist er heute nur eins: das Budget. Denn mit 20 Euro im Gepäck bin ich auf dem Leeraner Weihnachtsmarkt unterwegs. Was bekommt man für die blaue Banknote?
Mit knurrendem Magen komme ich bei der Grillbude von Tommy Wilken an. Hier verkauft er unter anderem original Thüringer Bratwurst. Für 20 Euro kriegt man eine kleine Familie satt, verspricht er. Er rechnet vor: „Zwei Bratwürste für je vier Euro, zwei kleine Pommes für je vier Euro. Und dann noch ein Getränk für 3,50 Euro.“ In diesem Beispiel summiert sich das ganze bei 19,50 Euro. Dafür muss allerdings das Getränk geteilt werden. Persönlich isst Wilken am liebsten die Curry Krakauer. Die liegt bei fünf Euro und würde damit viermal in das Budget passen.
Der Trick mit dem Pfand
Die Preise auf dem Weihnachtsmarkt haben sich seit Corona gehalten, sagt Wilken. Auch an der Glühweinbude der Langenscheidts setzt man auf Konstanz. „Die selben Preise wie im letzten Jahr“, sagt Gitta Langenscheidt. Bedeutet: ein roter Glühwein kostet 3,50 Euro – mit Schuss dann fünf Euro. Damit ließe sich zwar herrlich rechnen, wäre da nicht der Becherpfand von zwei Euro, der auch an dieser Bude vorgestreckt werden muss. Eine Runde für drei Personen ist aber drin. Die kostet 10,50 Euro plus sechs Euro Pfand.
„Einzelne Personen können die einfach hintereinander wegtrinken“, scherzt Langenscheidt. Dann seien trotz Becherpfand auch fünf drin. Für Feinschmecker empfiehlt ihr Mann Ralf den Vier-Euro-teuren weißen Glühwein. Kinder nehmen oft den heißen Kakao mit Sahne, sagt er.
Kauknochen und große Herzen
Gestärkt laufe ich die Mühlenstraße weiter entlang. Die Menschen tummeln sich an Buden mit selbstgemachtem Honig, Schmuck und Weihnachtsdeko. An dem Stand der Linnemeyers findet man zudem eine große Auswahl an Hundesnacks und -zubehör – der Vierbeiner darf in der Weihnachtszeit auch nicht zu kurz kommen.
Halt mache ich bei Christian Krallmann. Hier riecht es herrlich nach gebrannten Mandeln. Seine Familie ist seit mehr als 40 Jahren auf dem Leeraner Weihnachtsmarkt, sagt er. Bis zu sieben Artikel würde ich für den Zwanziger bekommen. Eine Familie würde er zuerst mit einer großen Tüte gebrannter Mandeln ausrüsten – für zehn Euro. Danach bleibt noch Geld für Zuckerwatte, „zum Direktessen am Stiel für zwei oder drei Euro. Und im Eimer für drei oder fünf Euro“, sagt Krallmann. Für Pärchen legt er die mittelgroße Mandelpackung für sieben Euro nahe. Für das Restgeld gibt es eines der großen Lebkuchenherzen, die so aufgehängt sind, dass sie jedem Kunden fast schon ins Gesicht gedrückt werden. Zum Bezahlen muss man sich darunter hindurchducken. Zwölf Euro soll so eins kosten.
Vom Westen in den Norden
Die Tour endet an diesem Tag am Ernst-Reuter-Platz. Der Blickfang hier ist zweifelsohne das Riesenrad. Eine Fahrt kostet hier für Erwachsene sechs Euro, für die Kleinen vier Euro. Eltern mit zwei Kinder können hier für einen Zwanni als einmal mitfahren. Daneben haben sich Händler mit Weihnachtsdeko, Schmuck und Lichterketten breitgemacht. Uwe Müllern hat hier 500 Gewürze im Angebot – ein 40-Gramm-Beutel liegt bei je vier Euro. Sein Corona-Dip gehe hier am besten weg. „Wer ihn isst, hat zwei Meter Mindestabstand garantiert“, sagt Müller.
Nur ein bisschen weiter steht Thomas Lenze. Für den Soester (Nordrhein-Westfalen) ist es das zweite Jahr auf dem Leeraner Weihnachtsmarkt. Zusammen mit seiner Frau verkauft er Dekorationsstücke aus Holz. Den Zwanni kann ich hier auf einen Schlag für eine große Holzkerze oder einen Holzwichtel mit Beleuchtung loswerden. Oder ich stecke ihn in die kleinen Holzschnitzereien für je fünf Euro, sagt Lenze. Ganz nebenbei bemerkt er, wie wohl er sich in Leer fühle. So sehr, dass er sich vorstellen könnte, bald mit seiner Familie aus dem Westen in den Norden ziehen zu können. Die Planungen werden wohl aber erst nach Weihnachten fortgeführt.