Nachtclub-Gäste sitzen fest  Kein Taxi zum Puff in Emder Außenhafen zu bekommen?

Stephanie Schuurman
|
Von Stephanie Schuurman
| 18.12.2024 08:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Fordert mehr Taxis in Emden: Nachtclub-Betreiberin Tanja Meyer vor ihrem Lokal im Außenhafen. Foto: Ortgies
Fordert mehr Taxis in Emden: Nachtclub-Betreiberin Tanja Meyer vor ihrem Lokal im Außenhafen. Foto: Ortgies
Artikel teilen:

Für Emdens bekannteste Nachtclub-Besitzerin ist es ein Drama: Sie bekommt für ihre Gäste keine Taxis. Warum Taxi-Fahrer das anders sehen und die Stadt eine harte Gangart ankündigt.

Emden - Wer in dem Emder Nachtlokal „Cheri“ nach Vergnügen sucht, kann auch das Gegenteil erleben. Einmal überhaupt dort angekommen, kommt er womöglich nicht wieder weg. Zumindest dauert es sehr lange, bis ein Taxi nachts bis in den Außenhafen fährt, um diese Besucher als Fahrgäste wieder in die Stadt zu befördern. So schildert es die Nachtclub-Besitzerin Tanja Meyer.

Und die einstige Oberbürgermeisterin-Kandidatin spart nicht an dramatischen Worten. Die mangelnde Beförderungssituation sei regelrecht „geschäftsschädigend“. „Das spricht sich doch in der Stadt rum“, sagte sie dieser Zeitung. „Und dann heißt es, da brauchste nicht mehr hin!“

Keine Chance bei Stoßzeiten

Seit Monaten habe sie das Problem, insbesondere nachts in der Woche. Es sei ja kein Beinbruch, wenn der Gast mal eine Dreiviertelstunde aufs Taxi warten müsse, sagte Tanja Meyer. Aber wenn es drei bis vier Stunden dauere, laufe doch etwas verkehrt. „Diese Wartezeit kann man nicht abfedern. Da bist du verraten und verkauft.“ Tatsächlich könne der Gast dann fast besser die gut 2,5 Kilometer bis zur Innenstadt zurücklaufen. Nach einer halben Stunde Fußweg im Regen sei er sicher wieder fit, so Meyer. Das aber sei keine wirkliche Option.

Morgens um 9 Uhr: Auf dem Bahnhofsvorplatz sind ausreichend Taxis zu bekommen. Foto: Schuurman
Morgens um 9 Uhr: Auf dem Bahnhofsvorplatz sind ausreichend Taxis zu bekommen. Foto: Schuurman

Und die Situation habe sich sogar noch zugespitzt. Seit November sei es noch schlimmer geworden. Zu Stoßzeiten an den Wochenenden, dann, wenn andere Betriebe ihre Weihnachtsfeiern ausrichten und alles auf den Weihnachtsmarkt strömt, habe der Nachtclub im Außenhafen gar keine Chance mehr auf ein Ruftaxi, sagte Meyer. Selbst vorbestellte Taxis für einen Stammkunden aus Greetsiel kämen nicht mehr zu ihr heraus. Das bedeute dann 750 Euro Verlust, weil dieser Kunde schließlich immer für fünf Stunden buche. „Das ist eine Katastrophe“, sagte Meyer. „Wir brauchen mehr Taxis in der Stadt.“ Mit Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) habe sie deshalb auch schon telefoniert. Doch die Stadt berufe sich auf eine ausreichende Anzahl vergebener Taxi-Konzessionen.

Ausreichend Konzessionen vergeben

Auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte Stadtsprecher Eduard Dinkela diese Einschätzung. Derzeit seien 42 Genehmigungen für den Taxenverkehr ausgestellt. Die Vergabe weiterer Konzessionen sei nicht möglich, da ausreichend Genehmigungen für den Bedarf in Emden vorhanden seien und die Funktionsfähigkeit des Taxengewerbes nicht gefährdet werden soll. „Es wäre nicht hilfreich, mehr Konzessionen zu verteilen, die sich tagsüber mehr Konkurrenz machen und damit Betriebe gefährden“, heißt es in der Antwort der Stadt. „Die Betriebe müssen die Konzessionen eben auch in der Nacht ausfahren, dann funktioniert das System auch.“

Das sieht ein Taxi-Unternehmer aus dem Taxenverein anders. Edgar Oliveira räumt ein, dass tatsächlich in den Abendstunden und insbesondere nach Mitternacht nur noch wenige Taxis aus seiner Vereinigung, der aktuell 16 Kleinunternehmer angehören, im Emder Stadtgebiet unterwegs sind. Er führt dafür gravierende wirtschaftliche Gründe an. Er selbst fahre schon den ganzen Tag über selbst, ein Aushilfsfahrer für abends rechne sich dagegen nicht. Die meisten Unternehmer argumentierten so. Schließlich hätten sie schon morgens die Pflicht, Schulkinder zu befördern. Abends kämen Nachtzuschlag, Mindestlohn und in der Regel viel Leerlauf dazu, zählt er auf. „Wenn ich nachts dann Einnahmen von 30 Euro habe, macht es keinen Sinn“, sagt Oliveira. „Und mich kann ja keiner zwingen, Geld mitzubringen.“

Stadt will notfalls eingreifen

Vielleicht aber doch. Die Stadt Emden hat jedenfalls im Zusammenhang mit der Beschwerde aus dem Außenhafen zur Verfügbarkeit von Taxis in den Nachtstunden die Emder Taxiunternehmer auf eine bestehende Bereitstellungspflicht hingewiesen, teilte Dinkela mit. Und das deutlich. Denn die Stadt werde „regulierend eingreifen, sollten die Unternehmer keine eigenständige Lösung finden“. Entsprechende Kontrollen seien bereits geplant.

Warten auf Fahrgäste: der Taxenstand am Delft am Vormittag. Foto: Schuurman
Warten auf Fahrgäste: der Taxenstand am Delft am Vormittag. Foto: Schuurman

Auch eine Änderung der Satzung sei in Vorbereitung, die unter anderem klarere Regelungen zur Nachtbereitschaft enthalten werde. „Insgesamt bleiben wir weiterhin im Austausch mit den Taxiunternehmern, um eine angemessene Versorgung sicherzustellen“, so Dinkela. „Frau Meyer haben wir das so auch mitgeteilt.“

Machen alle ihren Job

Für diesen Disput sieht Thomas Groblica dagegen überhaupt keinen Anlass. Er hat vor gut einem Jahr das Taxi-Unternehmen Elmenhorst übernommen, das über ähnlich viele Konzessionen und Fahrzeuge wie der Taxenverein verfügt. Am Wochenende hält der Unternehmer nach eigenen Angaben sechs oder sieben Taxen in Bereitschaft. „Von freitags morgens, 6 Uhr, bis Sonntag, 0 Uhr, stehen wir auf Abruf zur Verfügung“, sagte Groblica.

Wer allerdings in der Woche zwischen 23 Uhr und 6 Uhr ein Taxi brauche, müsse das vorher bestellen. Das funktioniere auch. Er schlägt gegenüber der Stadt vor, auch Mietfahrzeuge für Nachtfahrten in die Pflicht zu nehmen. „Wir machen alle unsere Arbeit“, betonte Groblica. „Und da kann es nicht sein, dass uns eine Dame in der ganzen Stadt schlechtredet. Wir haben es schließlich so schon schwer genug.“

Taxifahrer Oliveira würde sein Fahrzeug bei Bedarf gerne rund um die Uhr laufen lassen und damit die angespannte Lage entlasten. Dazu würde er sich aber eher Unterstützung seitens der Stadt wünschen statt weiterer Reglementierung. Das Okay für einen Nachtschicht-Zuschlag auf den Fahrpreis etwa. Und vielleicht auch einmal, ein Auge zuzudrücken, wenn der Taxi-Fahrer bei der eiligen Fahrt zum nächsten wartenden Kunden vom Engelke-Blitzer erfasst wird. Aber das ist noch einmal ein ganz anderes Thema.

Ähnliche Artikel