Poppen skeptisch  Firrels Landesliga-Märchen ist akut in Gefahr

| | 16.12.2024 15:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Johannes Poppen blickt mit Skepsis in die Landesliga-Zukunft von Grün-Weiß Firrel. Fotos: Doden
Johannes Poppen blickt mit Skepsis in die Landesliga-Zukunft von Grün-Weiß Firrel. Fotos: Doden
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Nur Vereine, die über eine zweite Herren und eine 11er-Jugend-Mannschaft verfügen, dürfen in der Landesliga antreten. Die Jugend-Hürde wird Firrel nicht mehr lange meistern können.

Firrel - Johannes Poppen ist so schwer beschäftigt wie noch nie in seinem Leben. Beim Leeraner Modehaus Leffers ist der „Interimsrentner“ im Sommer mit 68 auf den Chefposten zurückgekehrt. Als Bürgermeister von Firrel verrichtet er nicht nur die üblichen Führungsaufgaben im Dorf, sondern gratuliert auch jedem älteren Bürger – vom 80. Geburtstag aufwärts – persönlich zum Ehrentag. „Das waren 52 Besuche in diesem Jahr.“ So ganz nebenbei kümmert sich Poppen als Vorsitzender, Stadionsprecher und Mann für alle Fälle auch noch um Grün-Weiß Firrel. Beim Fußball-Hobby sieht er keine rosige Zukunft für seinen Klub. „Dauerhaft wird ein 800-Seelen-Ort wie Firrel die Kriterien für die Landesliga einfach nicht mehr erfüllen können.“

Die nun sieben erfolgreichen Jahre in dieser ambitionierten Spielklasse bezeichnet Poppen als Sensation. Derzeit rangiert Firrel auf Platz zehn. Der ehrgeizige Klubchef hofft auf eine noch bessere Platzierung im neuen Jahr. „Es macht uns immer noch großen Spaß“, beteuert er. „Aber unser Engagement in der Landesliga wird irgendwann auch einmal enden.“

Keine eigene 11er-Jugend mehr

Wann dieses „irgendwann“ eintreten und das Landesliga-Märchen beendet wird, vermag der Vorsitzende nicht abzuschätzen. Aber er spürt, dass es von Jahr zu Jahr für seinen Klub schwieriger wird, neben der vom Verband geforderten Reservemannschaft auch noch eine 11er-Jugend-Mannschaft für den Spielbetrieb zu melden.

Seit Jahren behauptet sich GW Firrel (vorne rechts Reinhard Grotlüschen) gegen große Klubs in der 6. Liga.
Seit Jahren behauptet sich GW Firrel (vorne rechts Reinhard Grotlüschen) gegen große Klubs in der 6. Liga.

Finanziell ist es für den Klub in der Landesliga schon nicht einfach. „Wir brauchen jeden Zuschauer und jede Bratwurst“, sagt Poppen. Doch die personellen Kriterien bereiten ihm noch mehr Sorgen. Aus eigener Kraft haben die Grün-Weißen die Auflage in dieser Saison schon nicht mehr erfüllen können. Sie sind zwar noch mit der geforderten Reservemannschaft in der D-Klasse (4. Kreisklasse) vertreten. Aber die A-Jugend läuft bereits in einer Spielgemeinschaft mit Uplengen und Hollen auf. 15 dieser Akteure müssen im Spielerpass als Stammverein den Firreler Landesliga-Klub eingetragen haben. Sonst erhält die Herrenmannschaft keine Zulassung für die Landesliga.

Immenser Jugendmangel bei Dorfklubs

„Das wird bald nicht mehr zu schaffen sein“, sagt der GW-Chef. „Im Dorf haben wir nicht mehr viele Jugendliche“, stellt er lapidar fest. Bei kaum mehr als einem Dutzend Geburten pro Jahr ist das kein Wunder. „Auf natürlichem Wege können wir das dauerhaft nicht bewältigen. Da müssten wir uns schon woanders auf die Suche nach einer Jugendmannschaft machen.“ Weil der Verband derartige Hürden für die 6. Liga aufgebaut hat, sieht Poppen generell keine Zukunft mehr für kleine Dorfklubs wie Firrel in der Landesliga. „Dass wir das jetzt sieben Jahre hinbekommen haben, ist eine Champions-League-Leistung. Darauf sind wir stolz.“

Der Rückgang im Jugendfußball ist kein typisch Firreler Problem. In ganz Ostfriesland gibt es aktuell nur noch elf Vereine, die eine A-Jugend ganz ohne Spielgemeinschaft mit anderen Vereinen gemeldet haben. Tendenz sinkend. Poppen gibt sich deshalb keinen Illusionen hin. Seine Grün-Weißen und zig andere Dorfklubs in Ostfriesland werden angesichts von Kindermangel und rückläufiger Spielerzahlen gerade bei älteren Jugendlichen wohl nie mehr eine A- oder B-Jugend ins Rennen schicken.

Die logische Folge in Firrel ist der Abschied aus der Landesliga. „Für die nächste Saison haben wir das aber nicht geplant“, betont Johannes Poppen. Er feiert im kommenden Jahr seinen 70. Geburtstag und wird dann wohl immer noch auf drei Hochzeiten tanzen: bei Leffers, im Bürgermeisteramt und in der Vereinsführung eines Landesligisten.

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