Niedersachsen  Weiße Weihnachten: Wie oft gab es das in den vergangenen 50 Jahren in Niedersachsen?

Patrick Kern
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Von Patrick Kern
| 14.12.2024 14:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Weiße Weihnachten kommen in Deutschland nur selten vor. Das hat mehrere Gründe. Foto: IMAGO / Ulrich Wagner
Weiße Weihnachten kommen in Deutschland nur selten vor. Das hat mehrere Gründe. Foto: IMAGO / Ulrich Wagner
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Wer sich weiße Weihnachten wünscht, wird in Niedersachsen meist enttäuscht. War es früher tatsächlich besser? Ein Blick auf das Wetter an den Weihnachtstagen der vergangenen 50 Jahre.

Ob in Filmen, in der Deko oder auch in der eigenen Wunschvorstellung: Weihnachten und Schnee gehören einfach zusammen. In der Realität sieht es jedoch oft anders aus: Statt weißen Tannen und einem Schneemann im Garten sieht man an Heiligabend oft nur grauen Himmel oder eine reine Pfützenlandschaft bei Temperaturen weit über dem Gefrierpunkt.

Man könnte meinen, in Niedersachsen ist es schon ewig her, dass es weiße Weihnachten gab. Doch wie lang ist es tatsächlich her? Und wie sahen generell die letzten 50 Jahre an den Festtagen aus?

Um diese Frage zu beantworten, haben wir die Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) aus den vergangenen 50 Jahren ausgewertet. Betrachtet wurden mehrere Standorte in Niedersachsen, die gemeinsam eine möglichst große Fläche abdecken sollten: für die Küstenregion die Messstationen in Emden (erst ab 1997) und Cuxhaven, für den Landkreis Emsland die Messstation in Dörpen sowie für den Landkreis Osnabrück die Messstation in Belm (erst ab 2010). Auch die Daten aus Bremen (nur bis 2021), Hannover und Göttingen wurden mit einberechnet. Daraus wurde schließlich pro Jahr ein Mittelwert ermittelt und die folgende Grafik erstellt.

Wie die Grafik zeigt, gab es in allen Zehn-Jahres-Zeiträumen von 1974 bis 1983, von 1984 bis 1993, von 1994 bis 2003 und von 2004 bis 2013 mindestens zweimal in der Region weiße Weihnachten. In den vergangenen zehn Jahren fiel das Fest dagegen deutlich grüner aus.

Laut DWD waren die Jahre 1981 und 2010 die letzten beiden Jahre, an denen es sogar bundesweit weiße Weihnachten gab. Die DWD-Werte für Niedersachsen unterstützen das: Im Jahr 1981 gab es an allen Messstationen eine Schneedecke – im Norden Niedersachsens von etwa 5 bis 10 Zentimeter, in Göttingen sogar von 23 Zentimetern. Im Jahr 2010 sah es noch etwas besser aus: Da gab es verbreitet eine Schneedecke von 15 bis 20 Zentimetern, in Hannover sogar fast 30 Zentimeter.

In all den anderen „weißen Jahren“ war es regional verschieden. So waren beispielsweise im Jahr 1993 Hannover und Göttingen mit bis zu 8 Zentimetern Schnee sowie Bremen mit 1 Zentimeter bedeckt, während es im Landkreis Emsland nur leicht geschneit hat und es an der Küste gar keinen Schnee gab. Umgekehrt lag 2009 besonders in Emden mit 19 Zentimetern ordentlich Schnee, in Hannover und Bremen gab es eine Schneehöhe von maximal 4 Zentimeter, im Landkreis Emsland blieb es dagegen grün.

Die Wahrscheinlichkeit für weiße Weihnachten in Deutschlands geografisch niedriger Lage war tatsächlich noch nie besonders hoch, aber wegen des Klimawandels früher sicherlich höher als jetzt. Das geht aus einer Auswertung des Klimaarchivs des DWD hervor: Ein Vergleich der Referenzperioden 1961 bis 1990 und 1991 bis 2020 zeigt, dass die Chance auf eine Schneedecke an allen drei Weihnachtstagen insgesamt um mehr als 50 Prozent zurückgegangen ist.

Der Klimawandel ist jedoch nicht der einzige Faktor. Weihnachten liegt auch einfach ungünstig. Denn kurz vor dem Fest setzt das sogenannte Weihnachtstauwetter ein, das der DWD in seinem Lexikon ausführlich beschreibt. Milde atlantische Luft strömt dabei von Westen heran und bringt mitunter Regen mit sich. Zuvor gefallener Schnee verschwindet. Das „Weihnachtstauwetter“ zählt nach DWD-Angaben zu den sogenannten Singularitäten – auch Witterungsregelfälle genannt – und tritt je nach Region mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 70 Prozent auf.

Das heißt: Weihnachten liegt zur falschen Zeit. „Die Wahrscheinlichkeit für Schnee ist im Hochwinter am größten“, erklärt DWD-Klimaexperte Karsten Friedrich und meint damit den Monat Januar.

Mit Material der dpa

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