Verband wagt Reform  Revolution im Jugendfußball mit Auf- und Abstieg im Winter

| | 09.12.2024 15:56 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der FTC Hollen (rechts) müsste mit seinem starken 2009er-Jahrgang künftig nicht mehr eine Saison lang warten, ehe man nach einem Aufstieg höherklassiger unterwegs sein kann. Archivfoto: Doden/Blomberg
Der FTC Hollen (rechts) müsste mit seinem starken 2009er-Jahrgang künftig nicht mehr eine Saison lang warten, ehe man nach einem Aufstieg höherklassiger unterwegs sein kann. Archivfoto: Doden/Blomberg
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Ab der neuen Saison können C- bis A-Junioren von der Kreisliga bis zur Niedersachsenliga schon in der Rückserie in einer anderen Liga spielen. Auch die Staffelgrößen werden angepasst. Das sind die Gründe.

Ostfriesland - Der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) revolutioniert den Jugendfußball von der C- bis zur A-Jugend. Ab der kommenden Saison 2025/2026 können Teams von der Kreisliga bis zur Niedersachsenliga auch schon zur Winterpause auf- und absteigen. Zudem beinhaltet die Spielklassenreform auch die Verkleinerung von Staffeln. So werden auf Bezirks- und Landesebene aus einer 12er-Staffel zwei 6er-Staffeln.

Der Verband will mit dem neuen Auf- und Abstiegssystem für mehr sportliche Gerechtigkeit sorgen, Überforderung ebenso frühzeitiger stoppen wie Unterforderung. „Wir beschäftigen uns schon länger mit diesem Thema und sind froh, dass wir es nun umsetzen können“, sagt Markus Schenke, Vorsitzender des NFV-Jugendausschusses. „In allen Altersklassen und allen Ligen sieht man doch jede Saison immer wieder Mannschaften, die nach einem halben Jahr mit null Punkten und einem ganz schlechten Torverhältnis am Tabellenende stehen. Auch das war ein Bewegrund.“ Diese Teams könnten nach dem neuen System nun in der zweiten Saisonhälfte schon eine Liga tiefer spielen und Erfolgserlebnisse feiern. Bisher musste man sich eine Spielzeit durchschleppen. „Denn längst nicht jeder Verein hat ein ähnliches Leistungsniveau in allen Altersklassen“, so Funktionär Schenke.

Manche Teams werden „erlöst“

Regional gibt es dafür diese Spielzeit auch wieder Beispiele. In der C-Jugend-Bezirksliga liegt der JFV Krummhörn mit null Punkten und 4:80 Toren zur Winterpause am Tabellenende, in der B-Jugend-Landesliga sind dies der JFuV Nordkreis und Heidmühler FC (je drei Punkte) und in der A-Jugend-Bezirksliga der SV Brake mit null Punkten bei 5:99 Toren. In dem künftigen System würden solche Mannschaften schon in der Winterpause „erlöst“ werden und in der Rückserie eine Liga tiefer spielen. Auch würde es nicht mehr vorkommen, dass ein Platz unbesetzt bleibt. In der B-Jugend-Bezirksliga hat Frisia Wilhelmshaven seine chancenlose Mannschaft nämlich in diesem Herbst vom Spielbetrieb zurückgezogen. Der Platz bleibt bis zum Sommer unbesetzt.

Auf der anderen Seite sollen leistungsstarke Mannschaften auch belohnt werden. „Der Wunsch einiger Vereine war es auch, mit talentierten Teams schneller aufzusteigen und nicht ein ganzes Jahr warten zu müssen. Andersherum steigt man natürlich auch schneller ab“, so NFV-Mann Schenke. Die Tabellenführer der jeweiligen Ligen spielen in der Rückserie eben schon in der Bezirks-, Landes - oder Niedersachsenliga. Auch am Ende der Saison gibt es weiterhin Auf- und Abstieg.

Große Freude in Hollen

„Damit wird etwas richtig Gutes geschaffen. Wir in Hollen freuen uns sehr auf das neue System“, sagt Trainer Holger Hanken vom FTC Hollen. Seine Elf ist ein Paradebeispiel für den Mehrwert, den sich der NFV durch die Neuerung erhofft. Die Hollener haben einen sehr starken Jahrgang 2009, der sich bis einschließlich zur D-Jugend auch in Ostfriesland in der Kreisliga mit den stärksten Teams messen konnte. Auf Kreisebene kann jedes Jahr neu gemeldet werden, in welcher Leistungsklasse die Teams starten sollen.

Doch mit dem Übergang zur C-Jugend kam die Bezirks- und Landesliga hinzu. Klassen, in denen der FTC mit seinem Team als jüngerer Jahrgang (Bezirksliga) und älterer (Landesliga) sicher hätte mithalten können. Doch man musste sich eine ganze Saison durch die Kreisliga kämpfen, um dann in der zweiten C-Jugend-Saison zumindest in der Bezirksliga zu spielen. Dort wurde das Team dann auch direkt Vizemeister. Mit dem Sprung in die B-Jugend begann das Spiel von vorne – wieder startete man in der Kreisliga, ist dort als JSG Hollen/Uplengen nun Tabellenführer und hofft, nächste Saison Bezirksligist zu sein.

Staffeln werden verkleinert

„Mit dem neuen System könnten wir schon zum Winter aufsteigen. Das ist eine Chance, seine Talente auch noch länger in ihrem Heimatverein zu halten, weil sie auch hier früher und länger höherklassiger spielen können“, sagt Holger Hanken.

Um das neue Auf- und Abstiegssystem umzusetzen, werden auch die Staffeln verkleinert. Statt 14er- oder 12-er-Ligen gibt es in der Bezirks-, Landes- und Niedersachsenliga ab Sommer 2025 in der Herbstrunde (bis zur Winterpause) und Frühjahrsrunde (nach der Winterpause) immer 6er-Staffeln. In der werden pro Halbserie jeweils zehn Spiele pro Team absolviert, Hin- und Rückspiel. „Grundsätzlich ist es ja so: Je höher die Liga, desto weiter die Fahrten. Wir wollen mit der Verkleinerung der Staffeln auch die Distanzen reduzieren“, so Markus Schenke. Die Staffeln sollen regional eingeteilt werden. So müsste zum Beispiel die A-Jugend von Kickers Emden in der Niedersachsenliga nicht mehr so oft nach Hannover oder Göttingen fahren.

Der NFV startet mit System in der nächsten Saison. „Ob alle vier Bezirke das schon direkt oder erst 2026 für die Bezirks- und Kreisliga umsetzen, muss jeder Bezirk selber sehen“, sagt Schwenke. Der Bezirk Weser-Ems wird es direkt machen. „Die Planungen bei uns sind dazu voll angelaufen“, sagt Alwin Harberts. Der Ostfriese ist auch Mitglied im Bezirks-Jugendausschuss. Bei einer Arbeitstagung in Ihlow stellten er und die Kollegen des Fußballkreises Ostfriesland den Klubs die Änderung vor wenigen Tagen vor.

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