Nachruf  Umstrittener Anwalt und Lokalpolitiker Gerd Koch ist tot

Nikola Nording Jonas Bothe
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Von Nikola Nording und Jonas Bothe
| 04.12.2024 17:23 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gerd Koch musste sich mehrfach vor Gericht verantworten. Das Foto zeigt ihn im Jahr 2019 bei einem Prozess in Leer. Foto: Ortgies/Archiv
Gerd Koch musste sich mehrfach vor Gericht verantworten. Das Foto zeigt ihn im Jahr 2019 bei einem Prozess in Leer. Foto: Ortgies/Archiv
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Mehrfach wurde der Leeraner Anwalt und Politiker Gerd Koch wegen Volksverhetzung und Beleidigung verurteilt. Dennoch hatte er viele Anhänger und schnitt bei Wahlen gut ab. Jetzt ist Koch gestorben.

Leer - Er war wohl einer der umstrittensten Politiker in den vergangenen 30 Jahren in der Stadt Leer: Gerd Koch. Der ehemalige Anwalt und Notar wurde mehrfach unter anderem wegen Volksverhetzung und Beleidigung verurteilt. Am Mittwoch, 4. Dezember 2024, ist der Leeraner mit 76 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben.

Mit seiner selbst gegründeten Allgemeinen Wählergemeinschaft (AWG) mischte der Jurist in der Leeraner Ratspolitik mit. Bei Bürgermeisterwahlen in der Stadt trat er mehrfach an, schaffte es sogar in die Stichwahl, wurde aber nie auf den Chefsessel des Rathauses gewählt. Doch Gerd Koch fiel auch immer wieder durch seine rassistischen, fremdenfeindlichen und volksverhetzenden Kommentare auf.

Hetzbeiträge auf der Internetseite der AWG

Einige Male musste er sich wegen seiner Aussagen vor Gericht verantworten. Viele Hetzbeiträge veröffentlichte er auf der Internetseite der Leeraner AWG. Beispielsweise wurde er 2021 zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er die Volksgruppe der Sinti und Roma mehrfach in seinem Internet-Blog verunglimpft und verleumdet sowie ein Opfer eines seiner Mandanten als Prostituierte beleidigt hatte.

Mehrfach kandidierte Gerd Koch bei der Bürgermeisterwahl in Leer. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2014. Foto: Ortgies/Archiv
Mehrfach kandidierte Gerd Koch bei der Bürgermeisterwahl in Leer. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2014. Foto: Ortgies/Archiv

Die Anwaltskammer Oldenburg hatte damals angekündigt, bei einer nochmaligen Verurteilung einen Ausschluss Kochs anzustreben. Dazu kam es nicht, denn Koch hatte seine Zulassung kürzlich von sich aus zurückgegeben. Im November 2024 hätte ein neuer Prozess beginnen sollen. Erneut wurde Koch Volksverhetzung vorgeworfen. Wegen eines Formfehlers wurde der Prozess allerdings auf Januar 2025 verschoben.

2023 schied Koch endgültig aus dem Stadtrat aus

Gerd Koch wurde erstmals 1991 in den Leeraner Stadtrat gewählt. Diesem gehörte er bis Ende Januar 2019 an. Damals legte er, kurz nach einer erneuten Verurteilung unter anderem wegen Verleumdung und Volksverhetzung, sein Mandat nieder. Bei der Kommunalwahl 2021 trat er allerdings wieder an, vor allem um es ehemaligen Fraktionskollegen, die mittlerweile die Leeraner Wählergemeinschaft gegründet hatten, schwerer zu machen. Im Dezember 2023 schied Koch dann endgültig aus dem Stadtrat aus.

Gerd Koch war viele Jahre lang in der Leeraner Politik aktiv. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2010. Foto: Malzahn/Archiv
Gerd Koch war viele Jahre lang in der Leeraner Politik aktiv. Das Bild zeigt ihn im Jahr 2010. Foto: Malzahn/Archiv

Gerd Koch hatte aber auch zahlreiche Anhänger. Häufig hieß es dann, dass er sage, was viele dächten. Bei den Wahlen bekam Gerd Koch daher immer wieder zahlreiche direkte Stimmen. Auch bei Bürgermeisterwahlen war er erfolgreich. So trat er beispielsweise 2006 gegen Amtsinhaber Wolfgang Kellner an und schaffte es mit 19,3 Prozent (2915 Stimmen) in die Stichwahl, in der er mit 30,2 Prozent (3803 Stimmen) unterlag. Auch im Kreistag war Koch 30 Jahre lang aktiv – von 1991 bis 2021.

Viele Jahre war Gerd Koch auch im Kreistag aktiv

Dort sorgte er 2012 mit einer „Dienstfahrt auf Bestellung“ für Aufsehen. In einer Mail an den damaligen Landrat Bernhard Bramlage (SPD) bat Koch darum, mit dessen Dienstfahrzeug zu einer Sitzung des Kreisausschusses mit anschließendem Grillen auf Gut Stikelkamp gefahren zu werden. Bramlages Chauffeur bezeichnete er dabei abschätzig und fälschlich als „Todesfahrer“.

Gerd Koch war viele Jahre lang auch als Schiedsrichter aktiv. Das Bild aus dem Jahr 1978 zeigt ihn in der Bildmitte bei einem Freundschaftsspiel zwischen Werder Bremen und TuS Weener. Auf dem Bild sind noch Werder-Kapitän Per Röntved (links) und der Weeneraner Heinz Eilers (rechts) sowie Linienrichter Helmut Venekamp zu sehen. Foto: Archiv
Gerd Koch war viele Jahre lang auch als Schiedsrichter aktiv. Das Bild aus dem Jahr 1978 zeigt ihn in der Bildmitte bei einem Freundschaftsspiel zwischen Werder Bremen und TuS Weener. Auf dem Bild sind noch Werder-Kapitän Per Röntved (links) und der Weeneraner Heinz Eilers (rechts) sowie Linienrichter Helmut Venekamp zu sehen. Foto: Archiv

Kurios wurde es rund um Gerd Koch, als er sich im Juni 2021 digital in einer Sitzung des Feuerwehrausschusses des Landkreis nur halb bekleidet zeigte. Die Mitglieder des Ausschusses und die lokale Presse sahen ihn „oben ohne“ vor dem Computer in seinem Hotelzimmer sitzen.

Engagement als Fußball-Schiedsrichter

Der umstrittene Politiker lebte einige Jahre auf Borkum. Im Landkreis Leer war er nicht nur politisch aktiv, auch als Schiedsrichter im Fußball engagierte er sich viele Jahre. Seit 1958 war er eigenen Angaben nach Mitglied bei Germania Leer.

Gerd Koch und die Medien der Zeitungsgruppe Ostfriesland (ZGO) hatten ein angespanntes Verhältnis. In seinem Blog schrieb er regelmäßig abfällig über Redaktionsmitglieder und Inhalte dieser Zeitung, hielt dann und wann aber auch den Finger in die Wunde und machte auf Missstände aufmerksam. Auch gab es zahlreiche Rechtsstreite zwischen Koch und der ZGO, die der Verlag für sich entschied.

Er hatte offenbar auch eine andere Seite. Viele Menschen berichteten davon, dass man sich bei bei Problemen an Gerd Koch wenden konnte. Er habe ihnen geholfen und sie unterstützt, in dem er seine Kontakte zu den Verantwortlichen vermittelte.

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