Hamburg  Ist Holly der Hund von Hinnerk Schönemann? Set-Besuch bei Herr und Hund

Daniel Benedict
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Von Daniel Benedict
| 09.01.2025 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Viele „Nord bei Nordwest“-Fans halten Holly für den privaten Hund von Hinnerk Schönemann. Dabei sind sie nicht mal als Kollegen besonders eng. Foto: SWR/NDR/Degeto/Sandra Hoever
Viele „Nord bei Nordwest“-Fans halten Holly für den privaten Hund von Hinnerk Schönemann. Dabei sind sie nicht mal als Kollegen besonders eng. Foto: SWR/NDR/Degeto/Sandra Hoever
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Der Hund Holly ist der heimliche Star der ARD-Krimi-Reihe „Nord bei Nordwest“. Wir haben seinen neuen Darsteller und sein TV-Herrchen Hinnerk Schönemann am Set in Hamburg-Altengamme besucht.

Liebt Hauke Jacobs die Tierärztin oder die Polizistin? Über diese Frage grübeln Fans des TV-Krimis „Nord bei Nordwest“ seit Jahren. Kein Zweifel besteht allerdings, wo es um Haukes Gefühle für Holly geht: Zwischen dem Revierleiter und seinem Langhaar-Weimaraner herrscht unverbrüchliche Liebe und das seit dem allerersten Blick. Wer die beiden am Filmset besucht, macht sich darauf gefasst, als unerwünschter Eindringling in kuschelige Drehpausen zu platzen. Aber so ist es nicht.

Was sagt der Hund? Drei Fragen an Fritz, den neuen Holly-Darsteller:

„Wir haben eine reine Arbeitsbeziehung“, sagt Hinnerk Schönemann. In „Nord bei Nordwest“ spielt er den Tierarzt und Ermittler Hauke. „Im Film sieht es eng aus und das ist auch gut so. Ich werde immer wieder gefragt, ob Holly auch privat mein Hund ist. Das ist aber nur die Kamera-Magie. Wir sind Kollegen.

Großen Kontakt hat der Hund nie aufgenommen. In den Pausen hat er sich von Anfang an hingelegt und dann blieb er in seinem Kofferraum.“ Es stimmt: Für ein gemeinsames Foto von Fritz und Schönemann müssen wir beide mit Nachdruck auf die Wiese hinter dem Set komplimentieren.

An Schönemann liegt es nicht. Hunde sind für den 50-Jährigen Familienmitglieder, Partner, mit denen man durchs Leben geht. Zu Hause hat er selbst welche, einen „Dorfhund, in dem alles drin ist“, und bis vor kurzem auch einen Foxterrier. Der allerdings ist gerade hochbetagt gestorben. Natürlich, sagt Schönemann, wäre es schön gewesen, mit dem TV-Hund zu rangeln und Ball zu spielen. Stattdessen: „Wir kamen gut klar. Aber ihm war es eigentlich egal, ob ich ihn streichle oder nicht.“

Insofern spielt es für Schönemann selbst auch keine große Rolle, mit welchem Hund er arbeitet. In den ersten 24 „Nord bei Nordwest“-Folgen hieß der reale Rüde hinter Holly nämlich noch Finn. In drei neuen Episoden, die das Erste ab Januar 2025 ausstrahlt, übernimmt die Aufgabe Fritz, ein drei Jahre alter Neffe von Finn.

Beide Tiere stammen vom selben Trainer. Und auf den, findet Schönemann, sind beide auch vor allem konzentriert: auf Marco Heyse nämlich, ihr Herrchen und ihren ständigen Begleiter am Set.

Wir besuchen sie alle an einem sonnigen Herbsttag in Altengamme. Im östlichsten Zipfel von Hamburgs Stadtgebiet steht der Backsteinbau, der im fiktiven Krimi-Ort Schwanitz das Polizeirevier darstellt.

Vor der Mittagspause hatte Fritz heute schon einen ersten Kameraeinsatz. Seitdem wartet er – und zwar exakt dort, wo Schönemann zufolge schon sein Onkel Finn immer lag: im Kofferraum von Marco Heyses Kombi.

Und tatsächlich ist das Interesse des Hundes gar nicht so leicht zu wecken. Selbst wenn man ihm die Hand direkt unter die Nase hält, schnüffelt er nur höflich und blickt erwartungsvoll das Herrchen an. Bis der Hund von sich aus Streicheleinheiten einfordert, braucht es ein mehrstündiges Interview mit dem Trainer.

Für den aktuellen Krimi hat Fritz einen neuen Trick gelernt. Auf das Kommando „Schäm dich“ hin, senkt er den Kopf und verbirgt die Schnauze unter der Pfote. In der letzten Szene, die für den Hund heute noch im Drehplan steht, hat er aber eine unauffälligere Aufgabe: Fritz liegt im Polizeirevier und flitzt los, als Hinnerk Schönemann das Büro verlässt. Mehr ist nicht zu tun. Zuschauern dürfte der Augenblick kaum in Erinnerung bleiben.

Für Fritz ist er trotzdem herausfordernd. Denn während der Trainer hinter der Kamera hockt und das Kommando zum Loslaufen gibt, ruft Jana Klinge, die Darstellerin der Polizistin Hannah, das genaue Gegenteil: „Holly, bleib!“ Zwei widersprüchliche Befehle, von denen der Hund nur den einen befolgen darf. Jetzt erweist es sich als Vorteil, dass Fritz immer fest auf den Trainer blickt.

Filmhunde, erklärt Heyse, müssen in der Regel keine Zirkusnummern vollführen. Sie sollen einfach nur sitzen, laufen, liegen und gucken. Dabei aber müssen sie exakt markierte Positionen einhalten. Sie müssen ruhig bleiben, auch wenn in der Szene Unruhe herrscht. Sie müssen Kommandos des Trainers auch aus der Distanz ausführen, zum Beispiel wenn die Kamera eine Totale dreht.

Und immer wieder müssen sie mit Darstellern „mitgehen“ – und begreifen, an wen sie sich dabei zu halten haben. In diesem Fall nämlich an Schönemann und nicht etwa an Jana Klinge oder den freundlichen Mann mit der Tonangel.

Neue Folgen von „Nord bei Nordwest“: Hier sehen Sie den Trailer zu „Fette Ente mit Pilzen“

An einem Filmset sind verwirrend viele Menschen unterwegs. Und im Fall von „Nord bei Nordwest“ sind es nicht mal nur Menschen. Weil Hauke Jacobs Polizist und auch Tierarzt ist, bieten die Drehbücher Raum für alle erdenklichen Spezies. „Wir hatten auch schon Affen, die niedlich aussahen, die man aber besser nicht streicheln sollte“, erzählt Hinnerk Schönemann. „Bei den Waschbären war es genauso. Jeder wollte sie knuddeln, aber das sind richtige Kämpfer. Die hauen zu.“

Trotz etwaiger Kratzer machen die Tiere ihm so viel Spaß, dass er seiner Figur noch viel mehr Einsätze in der Veterinärpraxis wünscht. Und siehe da: Gleich für den nächsten Drehtag hat Marco Heyse Fische und Ziegen organisiert.

Fritz und Finn sind Weimaraner und damit für die Jagd gezüchtet. Ist das eine gute Voraussetzung für eine Zukunft beim Film? „Ja“, sagt Marco Heyse, „es gibt aber Unterschiede. Manche Jagdhunde laufen allein durchs Unterholz und stöbern Fasane und Dachse auf. Bracken, Dackel und Terrier sind sehr selbstständig. Die allgemeinen Gebrauchshunde sind mehr fürs Apportieren und fürs Vorstehen gezüchtet, für Aufgaben, die mehr Zusammenarbeit mit dem Menschen erfordern. Für mich als Trainer sind das die besseren Hunde.“

Alle zusammen sind allerdings viel besser als jede Katze. Die nämlich sind territorial und müssen erstmal an die neue Umgebung gewöhnt werden. Heyse: „Das würde nicht so einfach funktionieren.“ 

Mit Hütehunden arbeitet der Tiertrainer auch gern. Seine Hündin Gwena zum Beispiel, die auch in der Reihe „Nord bei Nordwest“ schon ein Gastspiel hatte, ist ein Laekenois – also die rauhaarige Variante des belgischen Schäferhunds. Im Schwesterformat „Nord bei Nordost“ hat sie gerade die hündische Hauptrolle ergattert.

Andersherum waren auch die beiden Darsteller von Holly schon in anderen Produktionen zu sehen. Fritz hat für die ProSieben-Serie „Intimate“ gearbeitet. Und Finn hat zuletzt eine „Inga Lindström“-Romanze gedreht und noch nach seiner Pensionierung eine „Tatort“-Leiche in Bremen aufgespürt.

Anfang Februar wird Finn 13 Jahre alt, und inzwischen bleibt er lieber zu Hause. Wenn Fritz eine neue „Nord bei Nordwest“-Folge dreht, entspannt sich Finn auf Heyses 20.000-Quadratmeter-großem Waldgrundstück in Wenzendorf, einem Ort im nördlichen Niedersachsen. „Der Alpha im Rudel ist aber immer noch Finn. Wenn Fritz nach dem Drehen zurückkommt, muss er sich erstmal unterwerfen. Dann beschnuppert Finn ihn, damit er riechen kann, was sein Neffe den ganzen Tag getrieben hat“, erzählt der Trainer.

Ein bisschen vermisst der alte Hund die Kamera wohl immer noch. Aber die Abenteuerlust lässt nach. Die Arbeit war am Ende zur Anstrengung geworden. Und auch zu Hause gräbt er im Garten nicht mehr jeden Maulwurf aus, sagt Heyse.

Finns Alltag dreht sich jetzt vor allem ums Futter. Abend für Abend kriegt er einen Extra-Happen, in dem Heyse ein Medikament gegen die Altersbeschwerden verpackt. Die jungen Hunde gehen leer dabei aus. Jeder Tag endet für Finn also mit einer Extrawurst: Ruhm genug für einen erfahrenen Fernsehveteranen, der in seinen bald 13 Jahren gelernt hat, was im Leben wirklich wichtig ist.

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