Bi Karkens  Die wertvolle Kunst des Wartens

Quinton Ceasar
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Eine Kolumne von Quinton Ceasar
| 29.11.2024 06:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Quinton Ceasar
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Mit dem Advent hat die Zeit des Wartens begonnen. Für unseren Kolumnist bedeutet das auch, einfach mal innezuhalten.

„Menschen werden vergessen, was du gesagt hast, Menschen werden vergessen, was du getan hast, aber Menschen werden niemals vergessen, wie du sie fühlen ließest.“ Diese Worte der US-amerikanischen Schriftstellerin und Bürgerrechtlerin Maya Angelou gewinnen in der Adventszeit besondere Bedeutung.

Advent – das bedeutet Warten. In einer Welt der sofortigen Bedürfnisbefriedigung, der Expresslieferungen und der Streamingdienste rund um die Uhr, erscheint das Warten fast wie aus der Zeit gefallen. Doch vielleicht brauchen wir genau das: diese Pause, dieses bewusste Innehalten.

Um uns herum warten viele Menschen: Familien warten auf bezahlbaren Wohnraum, Geflüchtete auf Asyl, Einsame auf ein freundliches Wort. Das Warten verbindet uns mit ihnen. Die Kerzen am Adventskranz erinnern uns Woche für Woche: Noch ist nicht alles hell. Noch ist nicht alles gut. Aber das Licht wächst.

Worum es in der Adventszeit geht

In dieser Zeit des Wartens können wir etwas Besonderes schaffen: Momente der Verbundenheit. Ein zusätzlicher Teller beim Adventstee für den alleinstehenden Nachbarn. Eine Spende für die Winterhilfe. Ein offenes Ohr für die Sorgen anderer Menschen. Nicht weil wir müssen, sondern weil wir verstanden haben: Was zählt, sind nicht die großen Gesten, sondern wie wir andere Menschen fühlen lassen.

Das Warten während der Adventszeit offenbart uns eine göttliche Wahrheit: Echte Veränderung braucht Zeit. Ja, aber deine Ungeduld für Veränderung ist heilig. Hoffnung wächst langsam, wie das Licht der Adventskerzen auf dem Kranz, Woche für Woche ein bisschen mehr. In einer modernen Gesellschaft, die immerzu nach schnellen Lösungen sucht, ist das Warten vielleicht unsere wertvollste Übung. Denn wenn wir in dieser Zeit des Wartens einander beistehen, werden wir etwas hinterlassen, das bleibt: das tiefe, bleibende Gefühl, nicht allein zu sein. Das ist es, worum es im Advent wirklich geht.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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