Flensburg  Streit über Verbrenner-Aus: Diese Änderungen regt das Kraftfahrt-Bundesamt an

Tobias Schmidt
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Von Tobias Schmidt
| 27.11.2024 01:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Ist wirklich bald Schluss mit dicken Auspuffen? Schon in zehn Jahren greift ein Zulassungsverbot für neue Diesel und Benziner. Aber die Kritik an der EU-Regel steigt. Foto: IMAGO/Sven Simon
Ist wirklich bald Schluss mit dicken Auspuffen? Schon in zehn Jahren greift ein Zulassungsverbot für neue Diesel und Benziner. Aber die Kritik an der EU-Regel steigt. Foto: IMAGO/Sven Simon
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In der EU dürfen ab 2035 keine neuen Diesel und Benziner mehr zugelassen werden. Das EU-Verbrennerverbot soll den Umstieg auf E-Autos erzwingen, um den CO₂-Ausstoß zu senken und so die Erderwärmung zu bremsen. Der Präsident des Kraftfahrt–Bundesamtes hält das Ziel aber für unerreichbar und schlägt ein Nachjustieren vor. Und er macht einen Vorschlag, wie Strom-Autos attraktiv gemacht werden können.

Kraftfahrt-Bundesamt-Präsident Richard Damm regt Änderungen am EU-weiten Zulassungsstopp für Autos mit Verbrenner-Motor an: „Das sogenannte Verbrennerverbot kann man durchaus skeptisch sehen“, sagte Damm bei einem Treffen in seiner Behörde in Flensburg und ergänzte seine „persönliche Meinung“:

„Wenn das EU-Zulassungsverbot neuer Diesel und Benziner 2035 nicht zum Ziel führen kann, weil Angebot und Akzeptanz für E-Autos noch nicht groß genug sind – und darauf deuten unsere Zahlen hin –, dann sollte man nicht an Vorgaben festhalten, sondern nachjustieren!“

Der Vorschlag des KBA-Präsidenten: Wenn VW, Mercedes oder BMW zum Beispiel durch das Erreichen von E-Auto-Quoten Vorteile erhielten, anstatt für das Reißen von Quoten Strafen zahlen zu müssen, „dann wäre das womöglich der bessere Weg“. Damm fügte hinzu: „Wohlgemerkt: Es geht nicht um einen Abbruch der Verkehrswende, sondern um mehr Realismus.“

Hintergrund ist der schwer ins Stocken geratene Hochlauf der E-Mobilität, der sich in den Zulassungszahlen des KBA niederschlägt: Zwar hat sich der Anteil der Neuzulassungen von E-Autos nach dem abrupten Ende der Kaufprämie wieder auf 15,3 Prozent im Oktober stabilisiert. Die angepeilte Zahl von 15 Millionen Batterie-Pkw bis 2030 ist bei dem Tempo aber nicht zu erreichen. „Um binnen 5 Jahren auf 15 Millionen zu kommen, bräuchte es eine E-Auto-Quote von rund 90 Prozent bei den Neuzulassungen“, erklärte Damm.

Wenn das Verbrennerverbot nicht zum Ziel führt, wie kann die Akzeptanz für E-Autos dann gesteigert werden? Laut dem Behördenpräsidenten wäre verbilligter Ladestrom ein Turbo für die Verkehrswende. „Solange das Stromtanken nicht so einfach, transparent und im Vergleich nicht billiger ist als das Tanken von Diesel und Benzin, werden viele nicht umsteigen“, prognostizierte der KBA-Präsident. Durch die gestiegenen Stromkosten und den gesunkenen Ölpreis sei das Gegenteil Realität. „Günstige Autostrom-Tarife könnten also definitiv helfen, E-Autos wieder attraktiver zu machen“, sagte Damm.

Eine weitere Bedingung sei, dass die Hersteller „gute und bezahlbare Elektrowagen anbieten, um die Kunden zu überzeugen. Denn sonst kaufen sie – zumal in wirtschaftlich schwierigen Zeiten – ein billigeres Verbrenner-Auto“.

Zum Schluss räumt Damm noch mit einem Mythos auf: Autos mit Wasserstoff-Brennstoffzelle seien aktuell keine verbreitete Alternative. Davon gebe es gerade 2.000 in Deutschland. „Technologieoffenheit ist unabdingbar“, sagte Damm. „Dennoch liegt der Fokus auf der E-Mobilität.“

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