Soziale Bar  Brasilianer macht Hafen von Weener zum sozialen Treffpunkt

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 24.11.2024 09:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Carsten Willems und Salustiano Ramos-Schlüter freuen sich, dass das soziale Angebot im Café so gut angenommen wird und wollen es sogar noch ausbauen. Foto: Gettkowski
Carsten Willems und Salustiano Ramos-Schlüter freuen sich, dass das soziale Angebot im Café so gut angenommen wird und wollen es sogar noch ausbauen. Foto: Gettkowski
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Gespräche, Gesellschaft und neue Bekanntschaften – das finden Besucher bei „Junior’s am Hafen“ in Weener. Der Brasilianer Salustiano Ramos-Schlüter hat dort ein besonderes Angebot geschaffen.

Weener - Draußen herrscht an diesem Donnerstag dichtes Schneegestöber. Das Wetter hat Ute Maas aber nicht davon abgehalten, von Midlum zum Bingo-Nachmittag in der Café-Bar „Junior’s am Hafen“ nach Weener zu kommen. Die 61-Jährige dreht an der Trommel mit den Bingo-Kugeln. Aus den Lautsprechern kommt Musik von Helene Fischer. „N 38, T 57“, liest sie vor. Die Leute an dem langen Tisch studieren konzentriert die Zahlen und Buchstaben auf ihren Zetteln. Die frühere Musikkneipe der Kabarettistin Katja Zwezerijnen hat sich inzwischen zu einem sozialen Treffpunkt entwickelt. Nicht nur Senioren fühlen sich hier gut aufgenommen.

Ute Maas (61) aus Midlum hat den Seniorennachmittag im "Junior's am Hafen" schon öfter besucht und sich darauf spontan für das neue Angebot zur Verfügung gestellt: als Spielleiterin des Bingo-Nachmittags, der jetzt auch regelmäßig stattfinden soll. Foto: Gettkowski
Ute Maas (61) aus Midlum hat den Seniorennachmittag im "Junior's am Hafen" schon öfter besucht und sich darauf spontan für das neue Angebot zur Verfügung gestellt: als Spielleiterin des Bingo-Nachmittags, der jetzt auch regelmäßig stattfinden soll. Foto: Gettkowski

Gastgeber ist Salustiano Ramos-Schlüter, den alle nur Junior nennen. Der gebürtige Brasilianer hatte das Lokal vor fast genau einem Jahr übernommen und sich dort inzwischen einen Namen gemacht. Er bietet Frühstück, Kaffee und Kuchen, Currywurst, aber auch Spezialitäten aus seiner Heimat an. Im Kontakt mit den Gästen haben er und sein Kollege Carsten Willems einen besonderen Bedarf festgestellt.

Angebot für Alleinstehende

„Es gibt hier viele ältere Leute und Alleinstehende, die niemanden haben, mit dem sie sprechen können“, erzählt Carsten Willems, der lange in der Altenpflege gearbeitet und ein Herz für Senioren hat. So entstand die Idee, einen Seniorennachmittag im „Junior‘s am Hafen“ anzubieten. Und das spricht sich immer mehr herum und wird dankbar angenommen.

Zum Beispiel von Hans-Joachim Schnau. „Ich hatte einen Schlaganfall und bin alleine. Ich habe nur meinen Hund“, erzählt der 60-Jährige. Für Senioren gebe es sonst keine vergleichbaren Angebote in Weener. Er freue sich daher über Gespräche, Gesellschaft und neue Bekanntschaften. „Die Leute sind alle nett und ich wohne ganz in der Nähe.“

Trotz des Schneegestöbers kamen am Donnerstag etliche Senioren zum Bingo im „Junior‘s am Hafen“. Foto: Gettkowski
Trotz des Schneegestöbers kamen am Donnerstag etliche Senioren zum Bingo im „Junior‘s am Hafen“. Foto: Gettkowski

Senioren sind dankbar

Zweimal im Monat findet die Veranstaltung statt. Jetzt wurde sie sogar noch um einen weiteren Termin ergänzt: einen Bingo-Nachmittag nicht nur für Senioren. „Wir wollen auch alt und jung zusammenbringen“, sagt der Brasilianer. Am Donnerstag war es so weit. „Wir hatten erst Bedenken wegen des Schneegestöbers, aber es sind doch etliche gekommen.“ Kuchen gibt es wie beim Seniorennachmittag kostenlos. Die Idee, etwas gegen die Alterseinsamkeit zu tun, findet Beachtung bei Weeneranern, die die Veranstaltung nicht selbst besuchen. „Inzwischen unterstützen uns viele Leute und backen Kuchen für die Seniorennachmittage“, freut sich Junior Ramos-Schlüter. Und auch manche Teilnehmer bringen spontan etwas mit.

Ute Maas hat die Bingo-Trommel von zu Hause mitgebracht. Foto: Gettkowski
Ute Maas hat die Bingo-Trommel von zu Hause mitgebracht. Foto: Gettkowski

„Es gibt nicht viele Angebote, wo sich Ältere mal treffen können“, bedauert Fenna Meyer. Die 68-Jährige ist an diesem verschneiten Nachmittag aus Stapelmoor gekommen. Speziell wegen des Bingo-Nachmittags. Bis vor einigen Jahren habe sie Bingo in Wymeer gespielt. „Nachdem das ,Wymeester Eck’ geschlossen hat, gab es das Angebot nicht mehr.“ Endlich sei mal wieder etwas los.

Heiligabend soll keiner alleine feiern

Ute Maas aus Midlum hat den Altennachmittag auch schon besucht und sich spontan als Spielleiterin für den Bingo-Nachmittag zur Verfügung gestellt. „Mir gefällt das sehr gut hier, auch der Altennachmittag und darum hab ich mich hier zur Verfügung gestellt“, erzählt die Midlumerin.

Kurt und Roswitha Böhnke aus Weener sind regelmäßige Gäste bei den Altennachmittagen im „Junior’s“. „Unsere Tochter hat davon auf Facebook gelesen und uns die Termine geschickt“, erzählt Roswitha Böhnke. „Das Angebot ist eine tolle Idee, vor allem, dass mal etwas für die Alten angeboten wird“, sagt ihr Mann. „Zu Hause sitzt man doch nur vor dem Fernseher und hier kommt man unter Leute.“ Ihre Bekannte Marlies Bergmann hat sie gleich mitgebracht. Die 70-Jährige, die 2019 von Göttingen nach Weener gezogen ist, ist ebenfalls begeistert: „Hier ist es gemütlich und man kommt mal raus. Hier kann man neue Leute kennenlernen.“

Bis Ende 2022 konnten sich Kabarett-Fans in der Musikkneipe "Bei Katja am Hafen" von der Kabarettistin Katja Zwezerijnen unterhalten lassen. Vor einem Jahr hat sich dann Salustiano Ramos-Schlüter dort einen Traum erfüllt und eine Bar eröffnet. Foto: Gettkowski
Bis Ende 2022 konnten sich Kabarett-Fans in der Musikkneipe "Bei Katja am Hafen" von der Kabarettistin Katja Zwezerijnen unterhalten lassen. Vor einem Jahr hat sich dann Salustiano Ramos-Schlüter dort einen Traum erfüllt und eine Bar eröffnet. Foto: Gettkowski

Junior Ramos-Schlüter kommt aus einer großen Familie, hat sechs Brüder und vier Schwestern. In seiner Heimat feiern die Familien gemeinsam. Deswegen stimmt es ihn traurig, wenn er mitbekommt, wie einsam manche Menschen in Weener sind. „Eine ältere Frau hat bei uns angerufen, die gerne zum Seniorennachmittag kommen möchte, aber schlecht zu Fuß ist“, erzählt er. Weil sie alleine lebe und niemanden habe, der sie abholen und wieder zurückbringen könne, werde er das beim nächsten Seniorennachmittag übernehmen. Auch an den Festtagen soll es deshalb ein Angebot für Menschen geben, die Heiligabend nicht allein sein mögen. Ab 17 Uhr sind Gäste willkommen. Dasselbe gilt für Silvester. „Dann machen wir hier eine Party: gemeinsam statt einsam.“

Bingo scheint im Trend zu liegen: Konzentriert studieren die Teilnehmer ihre Bingo-Karten. Foto: Gettkowski
Bingo scheint im Trend zu liegen: Konzentriert studieren die Teilnehmer ihre Bingo-Karten. Foto: Gettkowski

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