Statistik ausgewertet  Die häufigsten Unfallursachen und wie man sie vermeiden kann

| | 24.11.2024 08:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
An dieser Kreuzung in Ostrhauderfehn sollte man achtsam fahren, sagt Holger Buskohl. Foto: Hellmers
An dieser Kreuzung in Ostrhauderfehn sollte man achtsam fahren, sagt Holger Buskohl. Foto: Hellmers
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Ein Fahrschullehrer gibt Tipps zur Vermeidung von Unfällen. Es gibt auch Unterschiede zwischen dem Kreis Leer und Cloppenburg. Diese können zu Unfällen führen.

Osthauderfehn - Die häufigsten Unfallursachen in Deutschland sind Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren. Das hat eine Auswertung der Versicherung Allianz ergeben. Wie passen die Zahlen für die häufigsten Unfallursachen in die Praxis – und wie kann man im Alltag Unfälle vermeiden? Darüber hat unsere Zeitung mit Fahrschullehrer Holger Buskohl aus Ostrhauderfehn gesprochen.

Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren

Fehler beim Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren haben laut der Statistik 52.307 Mal zu einem Unfall geführt. „Das ist ein gravierender Punkt“, sagt Buskohl. Dass passe zu seinen Beobachtungen aus dem Fahrschulalltag. Etwas, was bei vielen Fahrern durch die Routine kaum noch eine Rolle spielt, sei die „Doppelte Absicherung“. Genau genommen müsse vor dem Abbiegen zuerst in den Innenspiegel, dann in den Außenspiegel, im Anschluss der Schulterblick und dann direkt vor dem Abbiegen noch einmal ein Schulterblick gemacht werden.

Er selbst sei auch schon als Zeuge bei einem Unfall gewesen. Da habe ihn der Polizist gefragt, ob er die „Doppelte Absicherung“ beobachtet habe. Gerade, wo die Zahl der E-Bikes zugenommen hat, sei das wichtig, da man die Geschwindigkeit und die Entfernung schnell falsch einschätzt. Sein Tipp: Schon weit vor dem Abbiegen auf den Verkehr achten und da schon die E-Bikes im Auge haben.

Holger Buskohl ist Fahrschullehrer in Rhauderfehn. Foto: Hellmers
Holger Buskohl ist Fahrschullehrer in Rhauderfehn. Foto: Hellmers

In diesem Punkt ist auch Rückwärtsfahren aufgelistet. Der Fahrlehrer habe die Beobachtung gemacht, dass gerade die technischen Hilfssysteme auch zu einem Unfall führen können. Das gelte für die Sensoren, die ein Piepen auslösen. „Darauf sollte man sich nicht verlassen“. Die würden manchmal viel zu spät piepen. Da könne es für einen Poller – oder viel schlimmer für ein Kind – schon zu spät sein. „Kopf drehen und selbst umsehen ist immer noch wichtig.“

Nicht beachten von Vorfahrt

Nicht beachten von Vorfahrt hat 45.758 Mal zu einem Unfall geführt. Nicht jeder kenne alle Regeln dazu, sagt Buskohl. Ein Beispiel sei der grüne Pfeil auf dem Blech an einer Ampel oder eine Ampel mit grünem Leuchtpfeil, sagt Buskohl. Beides würde schnell verwechselt. Das liege in unserer Region vermutlich an den Gewohnheiten. Die würden im Landkreis Cloppenburg häufiger genutzt, im Landkreis Leer weniger. Während der Leeraner an der zentralen Kreuzung in Ostrhauderfehn von der 1. Südwieke in Richtung Dampfschiff bei einer grünen Ampel Vorfahrt hat, würden einige wenige Cloppenburger aus Gewohnheit von Wreesmann in Richtung Idafehn die Vorfahrt für sich beanspruchen. Buskohl rät, sich mit diesen Ampel-Schildern vertraut zu machen und vorausschauend zu fahren.

Auf das Thema grüner Pfeil bei roter Ampel geht auch die Seite Bußgeldkatalog.net ausführlich ein. Je nach Situation können darauf bis zu 180 Euro und ein Punkt in Flensburg kommen. Ein anderes Schild, das wohl nicht für alle verständlich ist, sei das „Vorfahrt beachten mit Gegenverkehr“-Schild. So ein Schild mit einem roten und weißen Pfeil steht etwa bei der Rabenbrücken in Holterbarge. Der Fahrer auf der roten Seite muss Vorfahrt gewähren.

Ungenügender Abstand

Ungenügender Abstand hat zu 44.154 Unfällen geführt. „Viele Autofahrer fahren dicht auf, weil sie den Abstand falsch einschätzen“, sagt Buskohl. Grundregel sei, die Hälfte der Geschwindigkeit in Kilometern sei der Abstand in Metern. Eine Hilfe können die Leitpfosten am Straßenrand bieten: Die sollen immer 50 Meter auseinanderstehen. Eine andere Hilfe könnte das Zählen „21, 22“ sein. Das seien etwa zwei Sekunden und 50 Meter.

Nicht angepasste Geschwindigkeit

Nicht angepasste Geschwindigkeit war Ursache bei 39.136 Fällen. Das sollte in den meisten Fällen klar sein. Doch offenbar wissen nicht alle, wie schnell auf Kraftfahrstraßen – etwa der Bundesstraße 72 zwischen Wittenstand und Hesel – gefahren werden darf. „100“, stellt Buskohl klar. Das sei auch die Geschwindigkeit, die außerhalb der geschlossenen Ortschaft gelte, soweit es keine anderen Schilder gibt. Innerhalb der geschlossenen Ortschaft gelte dann 50. Da helfe auch nur, auf die Schilder zu achten. Hinweise, dass außerhalb der geschlossenen Ortschaft das gelb-weiße Vorfahrtschild hinter der einmündenden Straße steht und in der Ortschaft davor, seien fehleranfällig. „Das habe ich auch schon falsch gesehen.“ Noch unzuverlässiger sei, dass Seitenplanken an Kanälen überwiegend dort stehen, wo das Tempo höher als 50 ist. Da helfe nur eins: „Man muss wissen, wo man sich befindet.“

Falsche Straßenbenutzung

Falsche Straßenbenutzung, etwa Einbahnstraßen, führte zu 23.545 Unfällen. Gefolgt von Alkoholeinfluss (15.282 Fälle). Wie solche Unfälle vermieden werden können, insbesondere beim Alkohol, liege auf der Hand.

Falsches Verhalten von Fußgängern

Falsches Verhalten von Fußgängern führte in 14.730 Fällen zu Unfällen. Hier spiele es wieder eine Rolle, dass viele Fahrer und auch Fußgänger die Entfernungen nicht richtig einschätzen können – oder eben auch die Sicht behindert ist. Eine markante Stelle sei die Friesenstraße an der Kreuzung zur Arend-Smid-Straße in Leer. Hinter den Häusern würden Radfahrer, wenn sie dort die Straße queren wollen, erst recht spät ins Blickfeld geraten.

Fehler beim Überholen

Fehler beim Überholen war Ursache für 11.984 Unfälle. Auch hier sehe er das falsche Einschätzen von Abständen und Geschwindigkeiten als Hauptursache, so Buskohl.

Glätte durch Regen

Glätte durch Regen war in 5507 Fällen die Ursache. Das werde auch häufig unterschätzt, sagt Buskohl. Stichwort: „Aquaplaning“. Außer Abstand und Geschwindigkeit würden da auch Bremsen und Reifen eine große Rolle spielen, erklärt der Fahrlehrer. Das gelte übrigens auch bei Glätte. Laut ADAC ist 1,6 Millimeter die Mindestgrenze. Das könne man mit dem Zollstock nachmessen, so Buskohl. Idealerweise würde man Reifen und Bremsen regelmäßig durch die Werkstatt seines Vertrauens checken lassen.

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