Kiel  Rechtsextreme Junge Alternative soll Wahlkampfstände der AfD verteidigen

Eckard Gehm
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Von Eckard Gehm
| 21.11.2024 11:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Die Junge Alternative gilt als noch radikaler als die Partei selbst. Foto: dpa/Frank Hammerschmidt
Die Junge Alternative gilt als noch radikaler als die Partei selbst. Foto: dpa/Frank Hammerschmidt
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Die als „gesichert extremistisch“ eingestufte Junge Alternative soll die Wahlkampfstände der AfD in Schleswig-Holstein beschützen. Das hat der AfD-Landesvorsitzende Kurt Kleinschmidt bestätigt.

Die Junge Alternative Schleswig-Holstein hat erneut ein Foto gepostet, das Mitglieder beim „Kampftraining zur Selbstverteidigung“ zeigt. Entsprechende Bilder werden von der Jugendorganisation der AfD seit über einem Jahr immer wieder in den sozialen Medien verbreitet. Aktuell präsentieren sich neun junge Männer, teils mit geballten Fäusten, im herbstlichen Wald. Das erklärte Ziel des Trainings: Sich wappnen gegen „linke Gewalt“.

Die Junge Alternative gilt als noch radikaler als die Partei selbst. Der Verfassungsschutz hat die Jugendorganisation als „gesichert extremistisch“ eingestuft und beobachtet sie. Wie die Bild-Zeitung berichtet, plant der AfD-Landesverband trotzdem, die Rechtsausleger zum Schutz ihrer Wahlkampfstände im kommenden Bundestagswahlkampf einzusetzen. Nachfrage beim Landesvorsitzenden Kurt Kleinschmidt: Stimmt das?

Kleinschmidt sagt: „Ja“. Und erklärt: „Seit ihrer Gründung ist die Einbindung unseres Parteinachwuchses ein wesentlicher Bestandteil unseres Wahlkampfes, sei es an den Wahlkampf- oder Infoständen, beim Verteilen von Flyern oder beim Anbringen von Plakaten. Dies fördert den politischen Diskurs und ist auch bei den etablierten Parteien selbstverständlich.“

Boxcamps von den Jugendorganisationen anderer Parteien sind allerdings nicht bekannt. Womit die Frage im Raum steht, ob das Präsentieren von Kampfbereitschaft im körperlichen Sinne der politischen Kultur zuträglich ist?

Kleinschmidt sagt dazu: „Diese Bilder zeigen junge Männer beim Sport. Eine Kampfbereitschaft oder gar eine politische Botschaft kann ich in diesem Zusammenhang nicht erkennen.“

Fakt ist: Trotz der gerichtlich bestätigten Einstufung als „gesichert extremistisch“ hat die Mutterpartei auf ihrem jüngsten Parteitag in Henstedt-Ulzburg mit großer Mehrheit dafür votiert, die Junge Alternative zu unterstützen. In der entsprechenden Resolution heißt es: „Die Mitglieder unserer Partei, insbesondere die Inhaber eines Parteiamtes, sind aufgerufen, sich schützend vor unsere Jugend zu stellen. Wir sind stolz auf unsere Nachwuchsorganisation – und wir lassen uns diesen Stolz von niemandem nehmen.“

Auch Kurt Kleinschmidt sieht keinen Widerspruch zwischen Einstufung und Unterstützung, sagt: „Wir schätzen den Beitrag unseres politischen Nachwuchses, und lassen uns nicht von externer Kritik oder gar einer politisch motivierten Einstufung durch den Verfassungsschutz beeinflussen.“ Die schleswig-holsteinische AfD stehe „klar Seite an Seite der Jungen Alternative, indem wir deren engagierten Einsatz für die Zukunft Deutschlands unterstützen und uns gegen jegliche Diffamierungen und Ausgrenzungen unserer Jugend positionieren“.

Tatsächlich gab es Rande des Parteitags aber auch Stimmen, die wegen des eingeschlagenen Kurses eine Radikalisierung der AfD auch in Schleswig-Holstein befürchten. Die Junge Alternative selbst bestätigte unserer Redaktion, sie wolle „in die Mutterpartei hineinwirken“.

Weil sie führenden AfD-Mitgliedern zu radikal ist, soll es innerhalb des Bundesvorstands Erwägungen gegeben haben, die Jugendorganisation mit bundesweit aktuell 2500 Mitgliedern einzuhegen. Im Gespräch war das „Juso“-Modell, was bedeuten würde, dass jedes AfD-Mitglied unter 36 Jahren automatisch auch Mitglied der Nachwuchsorganisation wäre. Die stärkere Verknüpfung würde einen Durchgriff von oben ermöglichen. Dafür wäre eine Satzungsänderung nötig, die ein Parteitag mit Zweidrittelmehrheit beschließen müsste.

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