Problem erkannt – Problem gebannt  Darum hilft ein Haushaltsbuch noch immer beim Sparen

| | 21.11.2024 08:12 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Seit mehreren Jahren führt Wolf-Rüdiger Saathoff ein Haushaltsbuch. Foto: Banik
Seit mehreren Jahren führt Wolf-Rüdiger Saathoff ein Haushaltsbuch. Foto: Banik
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Sparen ist derzeit ein großes Thema. Aber wo fängt man an? Mit dem Haushaltsbuch findet man heraus, was man wirklich hat – und sieht sein ganzes Konsumverhalten kritischer, sagen Experten.

Ostfriesland - Kassenzettel aufheben, Tabellen über Ein- und Ausgaben erstellen und jeden Abend eintragen, was man im Supermarkt oder beim Bäcker bezahlt hat? Diesen Beschäftigungen haften schnell Vorurteile an, von Sparfuchs bis Spaßbremse. Die Rede ist vom Führen eines Haushaltsbuchs. Entgegen aller Kritik bewährt es sich aber schon seit der Antike als hilfreich bei der Haushaltsführung. Finanzexperten raten heute noch dazu, ein Haushaltsbuch zu führen, um das Geld im Blick zu behalten und Sparpotenziale zu erkennen.

Für Philipp Rehberg, Referent für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen, ist das Haushaltsbuch eine sinnvolle Sache, die sogar Spaß bringen könne, wie er sagt. „Man sieht, was man ausgibt, und hinterfragt seine Ausgaben gleichzeitig“, sagt er. Er selbst führt auch ein Haushaltsbuch, wie er im Gespräch mit der Redaktion verrät. „Wenn ich aufschreiben muss, wenn ich etwas völlig Unnötiges bezahlt habe, reflektiere ich das noch mal“, erklärt er.

Wie sieht ein Haushaltsbuch aus?

Die Idee hinter dem Haushaltsbuch ist so einfach, wie sie klingt. Im Grunde braucht man dafür nur ein Notizbuch und einen Stift. Wolf-Rüdiger Saathoff aus Aurich führt seit 23 Jahren ein Haushaltsbuch – ganz klassisch per Hand auf Papier. Dafür nutzt er eine Din-A-4-Kladde, in der er die Ausgaben in Kategorien unterteilt und am Ende des Monats addiert. Angefangen habe er damit in einer langjährigen Partnerschaft, um die gemeinsamen Ausgaben fair aufzuteilen, erzählt er. Daraus sei ein geliebtes Ritual entstanden. Gut daran findet der studierte Wirtschaftswissenschaftler vor allem die Klarheit. „Zahlen sind sehr eindeutig – entweder stehen sie im Plus oder im Minus. Sind sie schlecht, muss man was ändern“, sagt er.

Handy-App, Excel-Tabelle oder wie hier klassisch auf Papier – ein Haushaltsbuch kann man auf verschiedene Arten führen. Foto: Banik
Handy-App, Excel-Tabelle oder wie hier klassisch auf Papier – ein Haushaltsbuch kann man auf verschiedene Arten führen. Foto: Banik

Philipp Rehberg führt sein Haushaltsbuch per Excel-Tabelle. Da das Eintragen nur zu Hause am Rechner möglich ist, notiert er sich unterwegs Ausgaben auf dem Handy, erzählt er.

Alternativ gibt es zahlreiche Apps für das Smartphone. Vorteil der mobilen Variante ist, dass man sein Haushaltsbuch immer dabei hat. Allerdings sollte man sich vorher informieren, wo die Daten, die man eingibt, angemessen geschützt sind. Als höher bewertet gelten etwa die kostenlose App „Finanzguru“, die in der Pro-Version monatlich 2,99 Euro kostet, die kostenpflichtige App „Wallet-Finanztracker“, die kostenlose App „Finanzblick“ oder die kostenfreie App „Money Manager“. Für junge Menschen gab die Deutsche Stiftung Verbraucherschutz die kostenfreie App „Budget Plus“ heraus.

Wie richtet man sein Haushaltsbuch ein?

Laut Philipp Rehberg reichen fünf bis zehn Minuten am Tag für die aktuellen Einträge. Der wesentliche Aufwand bestehe im Einrichten des Haushaltsbuchs, und gegebenenfalls beim Monatsübertrag der regelmäßigen Beträge. „Das dauert schon mal eine halbe Stunde“, sagt er. Auch für die regemäßigen Auswertungen brauche man mehr Zeit. Das bestätigt Wolf-Rüdiger Saathoff. „Der Anfang ist das Entscheidende. Die wesentliche Arbeit ist das Strukturieren“, sagt er. „Mit einer Excel-Tabelle wäre das sicher einfacher“, sagt er. Aber: „Ich kann mir nicht vorstellen, das elektronisch zu machen. Ich bin ein haptischer Typ. Mit der Hand zu schreiben ist einfach anders als am PC.“ Mit der Hand aufzuschreiben, wenn man etwas Unnötiges bezahlt hat, könnte zudem bald dazu führen, dass man sich solche Ausgaben zukünftig spart.

Zum Einstieg könne man zunächst seine Ein- und Ausgaben notieren, so Philipp Rehberg. „Und dann eine Struktur entwickeln“, sagt er. Jährliche Ausgaben müsse man im Grunde auf die Monate verteilen. „In einer App kann man Kategorien bilden, um zu sehen, wo man am meisten ausgibt“, sagt er. Dazu gehören zum Beispiel Wohnen, Essen, Freizeit, Auto, Reisen. Wer Onlinebanking mache und größtenteils mit Karte zahle, habe dazu auch schon eine gute Übersicht.

Hilfreiche Links

Die Verbraucherzentrale gibt Tipps zum Erstellen eines Haushaltsbuch.

Für 12 Euro kann man dort ein vorgefertigtes Haushaltsbuch bestellen, in das man 12 Monate lang seine Ein- und Ausgaben eintragen kann. Außerdem sind zahlreiche Tipps zum Sparen im Alltag enthalten.

Für wen ist ein Haushaltsbuch geeignet?

„Wenn man super mit seinem Geld auskommt, braucht man ein Haushaltsbuch sicher nicht unbedingt“, sagt Philipp Rehberg. „Aber wenn man am Ende des Monats zu wenig Geld auf dem Konto hat oder für etwas sparen will, ist es sinnvoll, ein Haushaltsbuch zu führen.“ Man müsse es nicht sein Leben lang führen, schränkt er ein. „Es reicht auch für drei Monate oder ein halbes Jahr, dann hat man die Einsparpotenziale oft schon identifiziert. Vor allem, wenn man plant, eine Immobilie zu erwerben, ist das eine gute Vorbereitung“, sagt der Experte.

Der erste Schritt zum Sparen ist der Blick aufs Konto – und weitere Tipps

  • Zum Sparen unnötiger Kosten empfiehlt Philipp Rehberg, regelmäßig in das Konto zu schauen, auch zur eigenen Sicherheit. „Es gibt viele Betrugsfälle durch Phishing der Kontodaten, da gelten Fristen, die eingehalten werden müssen“, sagt er.
  • Häufig könne man bei den Energiekosten sparen, so Rehberg. Etwa durch einen Anbieterwechsel oder richtiges Heizen. Dazu gibt es zum Beispiel eine kostenfreie Beratung bei der Verbraucherzentrale.
  • Die Kosten für die KFZ-Versicherung könne man ebenfalls durch regelmäßiges Vergleichen reduzieren. Manchmal lohne sich ein Wechsel zum neuen Jahr.
  • „Oft lohnt auch der Gang zu einer Direktbank für ein kostenfreies Konto“, so Rehberg.
  • Die Kosten für das Fitnessstudio, das man nicht nutze, können oft entfallen, meint er.
  • Bei Luxusausgaben wie Tabak und Alkohol ist er jedoch vorsichtig. „Man will sich auch was gönnen“, sagt er. „Aber wenn man sieht, wie viel Geld man im Monat bezahlt für Dinge, die einem sowieso nicht gut tun, denkt man vielleicht auch etwas um.“

Für Wolf-Rüdiger Saathoff steht weniger das Sparen im Vordergrund als das Gefühl, die Zahlen im Griff zu haben. „Das ist auch eine Sicherheit“, sagt er. „Ich muss mir keine Sorgen machen, dass ich nicht weiß, wohin mein Geld geht. Das ist sicher auch die Erziehung meiner Eltern, die gesagt haben: ‚Junge, die Mark kannst du nur einmal ausgeben.‘“ Zwar spart er auch Geld durch das Haushaltsbuch, aber als Sparfuchs würde er sich nicht bezeichnen. „Ich genieße das Leben“, sagt er. Aber mit dem Haushaltsbuch schafft er Prioritäten. „Die wichtige Unterscheidung ist die zwischen nötigen und unnötigen Ausgaben.“

Für das Eintragen der Beträge braucht Wolf-Rüdiger Saathoff nur wenige Minuten, wie er sagt. „Das läuft so nebenher. Wichtig ist, dass man es konstant macht. Wir geben ja ein Leben lang Geld für Dinge aus.“

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