Bremen/Hamburg “X”odus bei Elon Musk: Fußball-Clubs aus dem Norden verlassen Plattform
Der FC St. Pauli war der erste deutsche Proficlub, der seinen Rückzug von Kurznachrichtendienst „X“ verkündete. Jetzt haben zwei weitere norddeutsche Clubs nachgezogen. Andere Vereine und Verbände erwägen ähnliche Schritte.
Nach dem FC St. Pauli haben jetzt zwei weitere norddeutsche Fußballclubs ihren Rückzug vom Kurznachrichtendienst „X“ angekündigt. Vor allem nach der US-Wahl verließen auch in den Vereinigten Staaten einige Prominente den von Tech-Milliardär Elon Musk betriebenen Nachrichtendienst.
Ähnlich wie der Hamburger Bundesligist begründete jetzt auch der SV Werder Bremen seinen Schritt, nicht mehr auf der Social-Media-Plattform vertreten zu sein: „X“ habe sich zunehmend radikalisiert. „Seit Elon Musk die Plattform übernommen hat, haben unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit „Hate Speech, Hass gegen Minderheiten, rechtsextremistische Posts und Verschwörungstheorien in einem unglaublichen Tempo zugenommen“, hieß es in einer Mitteilung, die parallel auf der Webseite des SV Werder veröffentlicht wurde.
Die Verantwortlichen von Werder kritisierten weiter, dass die Radikalisierung der Plattform durch Musk und seine Postings selbst vorangetrieben wurde, so habe dieser sich unter anderem transphob und antisemitisch geäußert und verbreite Verschwörungserzählungen. „Es wird auf der Plattform nahezu nichts mehr sanktioniert“, schrieb der Verein weiter.
Der Verein hoffe, dass viele der mehr als 600.000 Follower dem Club zukünftig auf Bluesky folgen werden. Der FC St. Pauli reagierte mit einem Post auf Bluesky auf den Bremer X-Abschied. „Was ist grün und auch bei BlueSky? Werder Breeeeemen! Herzlich Willkommen an unsere lieben Freund*innen von der Weser!“, schrieben die Hamburger.
Als dritter Fußball-Verein aus Norddeutschland hat sich auch Drittligist Hansa Rostock vom Kurznachrichtendienst X verabschiedet. „Wir hatten schon länger die Überlegung, den Kanal einzustellen und uns auf unsere anderen Kanäle, die besser angenommen werden und eine größere Reichweite haben, zu konzentrieren“, sagte eine Sprecherin des Clubs.
Der VfB Stuttgart sieht die Entwicklungen im Kurznachrichtendienst X auch kritisch, will sich aktuell aber nicht von der Plattform zurückziehen. Der VfB sehe „mit großer Sorge eine offensichtliche Veränderung, indem der Inhaber Elon Musk über Beiträge und Eingriffe den Algorithmus erkennbar zugunsten seiner Ansichten und politischen Überzeugungen beeinflusst. Gerade der politische Diskurs in seiner Breite ist auf X immer mehr gefährdet“, teilte der Verein mit.
Der VfB bleibe „zum jetzigen Zeitpunkt“ noch auf der Plattform aktiv, um dort weiterhin seine Werte und Themen zu vertreten. Das frühere Twitter habe einen hohen Informationswert, hohe Reichweiten und einen hohen Verbreitungsgrad, hieß es weiter. „Deshalb sollte auch X die Vielfalt der Themen, Meinungen sowie Ansichten abbilden sowie zum konstruktiven gesellschaftlichen Diskurs beitragen.“
Der Deutsche Volleyball-Verband (DVV) wird den Kurznachrichtendienst X von Inhaber Elon Musk nicht mehr nutzen. „Die Plattform hat für uns an Relevanz verloren, insbesondere angesichts ihrer Entwicklungen in den letzten Monaten“, teilte der Verband der dpa auf Anfrage mit. „Nach sorgfältiger Beobachtung der Veränderungen, die seit der Übernahme durch Elon Musk stattgefunden haben, haben wir uns bewusst entschieden, X nicht weiter zu nutzen.“
mit dpa-Material