Zu Fuß unterwegs  Ideen für sichere Wege in Moormerland

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 19.11.2024 12:41 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Ganze 16 Meter lang ist der Weg für Fußgänger an der Einmündung Theodor-Heuss-Straße (rechts) in die Königsstraße. Trotz der Markierung fühlten sich Fußgänger an solchen Stellen nicht wohl, sagt eine Verkehrsplanerin. Foto: Ortgies/Archiv
Ganze 16 Meter lang ist der Weg für Fußgänger an der Einmündung Theodor-Heuss-Straße (rechts) in die Königsstraße. Trotz der Markierung fühlten sich Fußgänger an solchen Stellen nicht wohl, sagt eine Verkehrsplanerin. Foto: Ortgies/Archiv
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Die Straße überqueren, Kreuzungen, ungemütliche Plätze: Bei einem Fußverkehrscheck wurden in Warsingsfehn und Neermoor kritische Punkte gefunden. Wie geht es jetzt weiter?

Warsingsfehn - Zu Fuß durch die Ortskerne von Warsingsfehn und Neermoor gehen – das ist nicht immer einfach. Gerade wenn man über die Straße muss oder sich den Weg mit Radfahrern teilen muss, kann es kompliziert werden. Beim Fußverkehrscheck wurden verbesserungswürdige Punkte gefunden, um die es jetzt bei Abschlussworkshops des Projekts ging.

Theresa Heitmann von der Planersocietät, die den Fußverkehrscheck für Moormerland begleitet hat, stellte die wichtigsten Ergebnisse aus zwei Begehungen vor. Im August hatten sich daran in Warsingsfehn und Neermoor jeweils gut ein Dutzend Bürgerinnen und Bürger beteiligt – zum Abschlussworkshop im Rathaus kamen dagegen nur sieben. Sie steuerten dafür ihre eigenen Beobachtungen bei und konnten sich an einer Umfrage beteiligen.

So könnte es besser werden

Was sind nun die kritischen Punkte in Warsingsfehn und Neermoor? Die meisten Stellen hat Heitmann unter dem Begriff „Überquerung“ vorgestellt. Fußgänger, so hielt sie fest, wählten gerne den kürzesten Weg. „Leider ist das nicht immer der sicherste“, so die Expertin. Königsstraße, Mühlenstraße und Kirchstraße waren bei den Begehungen aufgefallen. Angeregt wurden zusätzliche Querungshilfen, also Inseln in der Fahrbahnmitte.

Diese sollten aber so angelegt werden, dass sie mit Rollstuhl oder Rollator barrierefrei genutzt werden könnten. An der Theodor-Heuss-Straße oder an der Rudolf-Eucken-Straße seien die Kurvenradien sehr groß: Für Fußgänger bedeutet das lange Wege, bevor man an der Einmündung die andere Seite erreicht hat. Heitmann sieht darin Gefahrenpotenzial. An der Einmündung der Rudolf-Eucken-Straße in die Friedrich-Ebert-Straße seien 16 Meter zu überwinden. Eine Einengung könnte Abhilfe schaffen, das würde zudem dafür sorgen, dass Autofahrer vor dem Abbiegen stärker abbremsen müssten.

Weniger Einfahrten am Combi-Parkplatz

An der Karl-Carstens-Straße war bei der Begehung längere Zeit über die Situation zwischen dem großen Parkplatz von Aldi und Combi sowie Rossmann und Kik auf der anderen Seite diskutiert worden. Vorgelagerte Parkplätze auf der Rossmann-Seite und gleich drei breite Ausfahrten auf dem Combi-Parkplatz machen die Lage laut Heitmann für Fußgänger unübersichtlich und schwierig. Sie schlägt vor, einen Parkplatz zu opfern, damit sich Fußgänger dort aufstellen können, und zwei Parkplatzeinfahrten zu schließen. Ein Problem dabei sei, dass die Parkplätze vor Kik in Privatbesitz seien, merkte Timo Pistoor von der Gemeindeverwaltung an.

Immer wieder ging es auch darum, dass Radfahrer in der Regel die Fußwege benutzen. Diese sind dafür im Zentrum freigegeben, trotzdem wäre laut Heitmann „die Situation deutlich entspannter, wären die Radfahrer nicht auf dem Gehweg unterwegs“. Sie plädierte dafür, die Zweiräder konsequent auf die Fahrbahn zu schicken. Wegen des starken Verkehrs ist das aber wohl vielen zu gefährlich.

Straße vor dem Rathaus zu breit?

Ein weiterer neuralgischer Punkt ist direkt vor dem Rathaus: Viele Schüler der IGS überqueren dort die Straße, die an der Stelle acht Meter breit ist. Die Verkehrsplanerin regte an, die Theodor-Heuss-Straße auf 6,5 Meter zu verschmälern. Das sei für den Bus immer noch genug. Die breite Straße führe unter anderem dazu, dass Autofahrer sich „eingeladen fühlen, Tempo 30 nicht einzuhalten“.

Ebenfalls IGS-Schüler wurden beobachtet, wie sie die Königsstraße in Höhe des Fitnessstudios und Netto auf der anderen Seite benutzen. Dazu nutzten sie die „inoffizielle“ Insel in der Fahrbahn. Es gibt dort einen Fahrbahnteiler, der aber nicht als Querungshilfe angelegt ist. Problem: Die Königsstraße ist eine Kreisstraße, die Gemeinde Moormerland kann Wünsche zur Umgestaltung nur an den Landkreis Leer weitergeben.

Mehr Kontrollen vor Grundschulen?

An den Kreisverkehren bei der Sparkasse in Warsingsfehn und in der Ortsmitte von Neermoor könnten Zebrastreifen die Situation von Fußgängern verbessern. Dazu müsse nachgewiesen werden, dass genügend Menschen dort laufen. Radfahrer sollten dazu angehalten werden, den Kreisverkehr nicht in falscher Richtung zu durchfahren.

Der Kreisverkehr in Neermoor sei grundsätzlich für Fußgänger sicher, urteilte die Verkehrsplanerin. Noch besser wäre es mit Zebrastreifen an den Einmündungen. Foto: Ortgies/Archiv
Der Kreisverkehr in Neermoor sei grundsätzlich für Fußgänger sicher, urteilte die Verkehrsplanerin. Noch besser wäre es mit Zebrastreifen an den Einmündungen. Foto: Ortgies/Archiv

In Sachen Verkehrssicherheit machte die Verkehrsplanerin Vorschläge für die Kreuzung Rinderhagenstraße / Gerhart-Hauptmann-Straße. Gehölze sollten zurückgeschnitten und die Geschwindigkeit auf 30 heruntergesetzt werden. Auch der Hol- und Bringverkehr vor den Schulen war ein Thema. „Kontrollen gehören leider dazu“, sagte Heitmann. Sie regte aber an, die Straßen vor den Schulen zum Beispiel morgens und mittags, wenn die meisten Elterntaxis unterwegs sind, für den Verkehr zu sperren und stattdessen Halteplätze in der Nähe anzulegen.

Weg mit den Umlaufsperren?

Eher allgemein sprach sich Heitmann dafür aus, Umlaufsperren und Poller zu entfernen, da sie keinen wirklichen Zweck erfüllen, zum Beispiel am Fußweg, der neben der Polizei in die Rudolf-Eucken-Straße mündet. Ein Zuhörer war da skeptischer: „Radfahrer knallen da jetzt schon einfach durch.“ Sie landeten direkt auf der Straße, das sei gefährlich.

Diese Umlaufsperre an der Rudolf-Eucken-Straße war bei den Begehungen aufgefallen. Foto: Lüppen/Archiv
Diese Umlaufsperre an der Rudolf-Eucken-Straße war bei den Begehungen aufgefallen. Foto: Lüppen/Archiv

Zuletzt ging es noch um zwei gepflasterte Flächen in der Lessingstraße und der Freiligrathstraße in Neermoor. Diese liegen mitten in Wohngebieten und könnten nach Ansicht der Expertin deutlich mehr Aufenthaltsqualität bekommen, wenn Teile des Pflasters entfernt und durch Grün ersetzt werden. Zum Vergleich zeigte sie eine andere Stelle der Freiligrathstraße, an der Bäume wachsen. „Das sind Mandelbäume, die im Frühjahr wunderschön blühen“, merkte Ortsbürgermeister Berthold Koch dazu an. Es gebe bereits Ideen für die kahlen Flächen.

Verkehrsplanerin Heitmann wird nun nach Auswertung der abschließenden Umfrage einen Maßnahmenkatalog aufstellen, der zur Diskussion in die Ratsgremien gehen wird. Was davon umgesetzt wird und wann das geschieht, entscheiden deren Mitglieder – nach Dringlichkeit und Finanzierbarkeit.

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