Hamburg Wer sagt denn sowas? 10 fast vergessene deutsche Wörter und ihre Bedeutung
Viele Wörter, die einst zum normalen Sprachgebrauch gehörten, sind inzwischen fast in Vergessenheit geraten. Diese zehn charmanten Begriffe hätten es jedoch verdient, wiederbelebt zu werden.
Was für ein Mumpitz! Treibt der Dösbaddel wieder Schabernack? Bei manch einem mögen solche Begriffe nostalgische Gefühle wecken, für andere wirken sie wie aus der Zeit gefallen.
Sprache verändert sich. Jede Generation prägt eigene Wörter und Wendungen, die sich vor allem in der Jugendsprache etablieren. Ältere Begriffe kommen aus der Mode – und geraten langsam in Vergessenheit. Häufig werden Begriffe durch modernere – oft aus dem Englischen stammende – Bezeichnungen ersetzt. So wurden aus Stöckelschuhen die „High Heels“, aus dem Fahrschein das „Ticket“ und aus der Schirmmütze die „Cap“ oder das „Käppi“. Diese zehn charmanten Begriffe verdienen jedoch ein Comeback.
Das Wort „Fisimatenten“ klingt genauso verspielt, wie der Unfug oder Blödsinn, den es beschreibt. Der Ursprung des Wortes ist nicht eindeutig geklärt. Eine Theorie besagt, dass es vom Französischen „visitez ma tente“ abstammt, was so viel heißt wie „Besuche mein Zelt“. Angeblich sollen französische Soldaten während des Deutsch-Französischen Kriegs von 1870/1871 diesen Satz genutzt haben, um junge Frauen in ihre Unterkunft zu locken – eine Einladung, der Eltern mit einem „Mach keine Fisimatenten!“ begegnet sind. Eine andere Erklärung führt den Ausdruck auf die „visae patentes“, die Offizierspatente aus dem 16. Jahrhundert zurück. Eine sehr bürokratische Angelegenheit, über die gerne gespottet wurde.
Der „Schabernack“ mag bei dem ein oder anderen Kindheitserinnerung wachrufen. So heißt es im Intro von „Meister Eder und sein Pumuckl“: „Am liebsten macht er Schabernack, Leute ärgern, nicht zu knapp.“ Eine Textzeile, die zugleich die Bedeutung des Wortes hervorhebt, nämlich: Scherz, Streich, Neckerei. Ganz so gefährdet, wie man vielleicht meinen könnte, ist der Begriff aber gar nicht: Immerhin stand „Schabernack“ 2020 zur Wahl zum „Jugendwort des Jahres“ – und verlor dann gegen „Lost“.
Die Herkunft von „Schabernack“ ist unbekannt. Möglicherweise stammt es vom mittelhochdeutschen „schabernac“ oder „schavernack“ ab, das einen sogenannten „Nackenschaber“ beschreibt, einen groben Winterhut, der im Nacken kratzt. Dies ist aber nur eine von mehreren Erklärungen.
Fun Fact: Aus dem Wort „Schabernack“ lässt sich das Anagramm „Arschbacken“ bilden.
„Kinkerlitzchen“ wird gerne zur Beschreibung eines Sachverhalts genutzt, der eigentlich nicht von Belang ist. Eine unnötige Kleinigkeit also. Laut der Sprachplattform Babbel geht der Begriff auf die Ansiedlung der Hugenotten sowie die Zeit der napoleonischen Kriege zurück. Aus dem französischen Begriff „quincaillerie“ für „Eisenwaren und -werkzeuge“ und den Verkleinerungsformen „-litz“ und „-chen” entwickelte sich demnach das „Kinkerlitzchen“.
Leichtsinnig? Oberflächlich? Unzuverlässig? Ganz klar ein Luftikus! So wie die Studentensprache heute vom Englischen beeinflusst wird, war es im 19. Jahrhundert das Lateinische, das ihren Weg in die deutsche Sprache gesucht und gefunden hat. „Luftikus“ ist – genau wie es klingt – ein ganz einfacher Latinismus des Wortes „luftig“.
Viel Lärm um Nichts? „Brimborium“ ist ein umgangssprachlicher Begriff, der verwendet wird, um etwa überflüssigen Aufwand zu beschreiben. Häufig wird das Wort in Zusammenhang mit Veranstaltungen oder Feierlichkeiten verwendet, bei denen der Schwerpunkt auf Show, Prunk und spektakulären Inszenierungen liegt, anstatt auf dem eigentlichen Inhalt oder Zweck.
Die genaue Herkunft des Begriffs ist nicht eindeutig geklärt. Vermutlich stammt es von dem französischen Wort „brimborion“ (Lappalie) ab, welches wiederum auf das mittelfranzösische Wort „breborion“, „briborion“ (Zauberformel, Kleinigkeit ohne Wert) zurückgeht. Im Deutschen ist das Wort vor allem durch Goethes Faust bekannt geworden.
Tinnef ist eigentlich zu gar nichts gut – kann aber dennoch sehr verführerisch sein: Wer hat nicht den ein oder anderen Staubfänger – Plunder, Krimskrams, und Klimbim – in seinem Wohnzimmer stehen?
Im Aramäischen und Hebräischen stand „tinnûf“ für Kot oder Schmutz – und auch dem jiddischen Wort „tin(n)eph“ wird die Bedeutungen Kot, Dreck und Unflat zugeschrieben.
Über Pillepalle lässt sich sehr gut streiten. Die Frage ist nur, ob sich der Streit auch wirklich lohnt. Schließlich geht es nur um unwichtigen Kleinkram. Ist doch nebensächlich. Bei solchen Kinkerlitzchen lohnt sich das Brimborium nicht.
„Pill“ meint im rheinischen Dialekt etwas Kleines. Auch das Wort für die Pille, die aus gesundheitlichen Gründen eingenommen wird, hat wohl hier ihren Ursprung.
Vor allem diejenigen, die es immer eilig haben, mögen „Trantüten“ überhaupt nicht. Schnarchnasen, Trödeltanten und Lahmärsche auch nicht.
Der Begriff „Tran“ kommt wohl aus dem Niederdeutschen und hat den gleichen Ursprung wie die „Träne“. Es bedeutet so etwas wie Tropfen – und wenn etwas tropft, kann das ein sehr langsamer Vorgang sein.
Noch ein „Unsinns-Wort“: Hat der Schlingel wieder „Mumpitz“ verzapft? Ab dem 17. Jahrhundert war mit „Mumpitz“ eine Schreckgestalt oder auch eine Vogelscheuche gemeint. Später war es auch an der Berliner Börse sehr gebräuchlich und wurde aus Ausruf für „unsinniges Gerede“ genutzt.
Das Wort leitet sich von „Mummelputz“ und „Momputz“ ab und verbindet das Vermummen und den Butzemann miteinander.
Kann ein Dummkopf liebenswert sein? Der Dösbaddel ist es definitiv. Er ist vielleicht nicht die hellste Kerze auf der Torte, doch übelnehmen kann man ihm das nicht.
Der Ausdruck hat seine Wurzeln im Plattdeutschen und ist deshalb vor allem im Norden geläufig.