Hamburg  Wichteln? Ich habe keine Lust auf Schmalspur-Weihnachten!

Julia Falkenbach
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Von Julia Falkenbach
| 17.11.2024 11:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Was da wohl drin ist? Foto: Unsplash/Kira auf der Heide
Was da wohl drin ist? Foto: Unsplash/Kira auf der Heide
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Es soll alles so viel entspannter machen: Statt jedem Familienmitglied oder Freund ein Geschenk zu geben, muss man nur ein Los ziehen und ein Geschenk besorgen. Warum empfinden so viele Schenken als anstrengend?

Wie der Krokus ein Frühlingsbote ist, so ist Sängerin Mariah Carey ein Winterbote: Sobald ich zum ersten Mal ihren Weihnachtshit „All I want for Christmas is you“ im Radio höre, beginnt für mich die schönste Zeit des Jahres. Eine Zeit des Zusammenseins voller Weihnachtsmarktbesuche, Adventsfrühstücke und Treffen mit alten Freunden, für die man sich viel öfter Zeit nehmen sollte. Eine Zeit des Gebens mit selbstgebackenen Erdnuss-Johannisbeergelee-Plätzchen für Kollegen (Rezept auf Anfrage) und selbstgebastelten Adventskalendern für meine Liebsten.

Eine Zeit der Rituale und Traditionen, in der ich nicht genug bekomme von Filmen mit dem immergleichen Thema (Großstadtfrau verliebt sich auf Geschäftsreise in eine verschneite amerikanische Kleinstadt in einen netten Handwerker), von Mandarinen und „Wham!” und dem Duft von Tannennadeln.

Doch meine liebste vorweihnachtliche Tradition bleibt das Planen der Geschenke für Familie und enge Freunde. Geschenke zu bekommen ist schön – aber das Strahlen auf dem Gesicht geliebter Menschen, wenn man ihnen etwas schenkt, das sie im August mal beiläufig erwähnt haben, ist unbezahlbar; eben nicht, weil das Ding unbezahlbar ist, sondern weil es zeigt, dass man sich Gedanken gemacht und zugehört hat.

Eine Freundin erzählte mir kürzlich, dass sie mit ihren Eltern und Geschwistern nur noch wichtelt, statt sich klassisch zu beschenken. Ich kenne drei Varianten des Wichtelns und mag keine davon so richtig. In der Familie der Freundin zieht man im November geheim ein Los mit dem Namen eines Familienmitglieds und besorgt für jene Person ein Geschenk innerhalb eines vorab definierten Budgets. Meine Freundin „muss” deswegen nur ein Geschenk für ihre Schwägerin kaufen, um ihre Eltern und Geschwister braucht sie sich keine Gedanken zu machen. 

Mich würde diese Art der Bescherung verrückt machen. Schließlich möchte ich meinen Liebsten eine Freude machen, möchte mir Mühe machen beim Besorgen, Basteln oder Verpacken. Nicht aus „Zwang“, weil ich eben jenes Los gezogen habe und soundsoviel Geld ausgeben muss, sondern aus der Freunde am Schenken. Und wer jetzt sagt, dass es doch so viel einfacher und entspannter ist, weil man nur ein Geschenk besorgen muss, dem sage ich: Es tut mir leid, aber an Weihnachten geht es doch nicht darum, es mit möglichst wenig Aufwand und Einsatz hinter sich zu bringen!

Wobei die Art des Wichtelns in der Familie der Freundin wenigstens die fortgeschrittene Version ist. Denn ich kenne auch Wichtelrunden, in denen nicht ausgelost wird, sondern einfach per Würfelwurf, Spiel oder “Wer zuerst zugreift, bekommt es”-Prinzip entschieden wird, wer welches Geschenk erhält. Entsprechend unverfänglich - sprich langweilig - sind diese dann: Kerzen, Kitsch oder im besten Fall Kekse. Schenken um des Schenkens willen? Nein, danke. Schlimmer ist nur das sogenannte Schrottwichteln. Gleiches Prinzip, nur dass man statt nichtssagender Geschenke kompletten Kokolores bekommt. Seit ich als haustierlose 21-Jährige mal einen Hundenapf bekommen habe, bin ich jedenfalls beim Wichteln raus. Entweder man schenkt von Herzen oder man lässt es.

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