Bremen Neue Show „Alive“ im GOP Bremen: Ein Griff nach den großen Träumen der Kindheit
Das Spiel der Kindheit kehrt ins Leben zurück: Die neue Show „Alive“ im GOP Bremen verbindet artistische Höchstleistungen mit purer Lebensfreude. Bei der Premiere kommt das gut an.
Im Bremer GOP Varieté-Theater am Weser-Terminal geht der Blick zurück in die Kindheit. In der Wintershow „Alive“, die am Freitagabend Premiere feierte, tummeln sich die Akteure in einer Spielplatzkulisse und setzen in Szene, was Kinder und Jugendliche dort auch erleben können: Rangeleien, Muskelspiele, Ausgrenzung und unbeholfene Annäherungsversuche. Wie das Miteinander so viel besser sein kann, führt „Alive“ über den Weg artistischer Höchstleitungen vor Augen.
Die Botschaft ist inspirierend einfach, die Show ein Spektakel voller Dynamik und Spannung, mit zwischenzeitlichen Slapstick-Nummern, die aus dem Varieté ein Tollhaus machen.
„Das Leben spielt“ lautet der Untertitel der Show, die die Leichtigkeit der Kindheit mit der Energie des Erwachsenwerdens verbinden soll. Ein Jahr lang hat Regisseur Robin Witt mit seinem internationalen Ensemble daran gearbeitet und in dieser Zeit die angestrebte Verbindung auf der Bühne geschaffen.
In der Show wird aus der Wippe plötzlich ein Schleuderbett, und die Schaukel verwandelt sich in ein Trapez. Was die Brasilianerin Mia Ferreira auf Letzterem an Körperbeherrschung und -kraft vorzuweisen hat, bietet dem kräftig applaudierenden Publikum allein schon ausreichend Eindrücke, die im Kopf den Heimweg überdauern.
Verbindendes Element von „Alive“ ist ein Meister der Grimassen. Jeff Hess, in New York aufgewachsen und inzwischen in Oldenburg zu Hause, bringt eine faszinierende Körpersprache mit, die im Saal zwischen all der Körperkunst puren Spaß verbreitet. Mal setzt sich Hess mit Statisten aus dem Publikum in Szene, mal liefert er sein Grimassen-Kino in Zeitlupe ab: Ein Kind im Manne, das auf dem Spielplatz des Lebens seine Bestimmung gefunden hat.
Träume zu wecken vermag die Wienerin Sarah Stachowicz an einer sich drehenden Stange (Spinning Pole). Ihre Darbietung voller Akrobatik setzt sie ungewohnt poetisch in Szene. Schon als kleines Kind war sie dem Tanz zugetan, jetzt ist die diplomierte Schauspielerin und Musicaltänzerin erstmals auf der GOP-Bühne zu erleben – und damit auch Inspiration für junge Nachwuchsartisten der Sportakrobatik.
„Alive“ hat in dem einschließlich Pause rund zweistündigen Programm noch vieles mehr zu bieten. Ob bei Mila Roujilo unzählige Hula Hoops im Takt der Musik um den Körper wirbeln oder der sechsfache JoJo-Weltmeister Shu Takada vor Augen führt, warum seine coolen Jojos so viel mehr als ein Kinderspielzeug sind – jeder Programmpunkt lässt das Publikum auf andere Weise staunen.
Am Ende sind Augen und ausgestreckte Arme aller Mitwirkenden zum Himmel gerichtet. Greif nach deinen Träumen – so lässt sich das Bühnenbild deuten. Träume, die für zu viele Menschen in Vergessenheit geraten sind, als sie in jungen Jahren den Spielplatz verlassen haben.
Anlass für einen freudigen Blick zurück hatte vor der Premiere bereits Varieté-Direktor Philipp Peiniger. Mit Fokus auf das von Herbst zu Herbst reichende künstlerische Jahr im GOP Bremen berichtete er, dass binnen dieser zwölf Monate die Zahl von 100.000 Besuchern erstmals seit 2019 wieder überschritten wurde. Nach all den Corona-Schrecken und -Folgen wird auch am Weser-Terminal wieder groß geträumt.
Die Show „Alive“ ist im GOP Bremen bis zum 5. Januar 2025 zu sehen. Karten sind ab 39 Euro erhältlich, Kinder bis einschließlich 14 Jahre zahlen die Hälfte des Preises. Weitere Informationen unter variete.de/bremen.