Zucht in Ostrhauderfehn  Anke Boldt und die preisgekrönte Dackelhündin Rieke

Clarissa Scherzer
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Von Clarissa Scherzer
| 10.11.2024 07:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Anke Boldt und die Dackelhündin Rieke, die bei der Zuchtschau der DTK Gruppe Ammerland den Titel „Schönster Kurzhaardackel“ erhielt. Foto: Scherzer
Anke Boldt und die Dackelhündin Rieke, die bei der Zuchtschau der DTK Gruppe Ammerland den Titel „Schönster Kurzhaardackel“ erhielt. Foto: Scherzer
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Anke Boldt und ihre Tochter Amei widmen sich mit Leidenschaft der Zucht und dem Tierschutz. Erfahren Sie mehr über die preisgekrönte Dackelhündin Rieke und die Herausforderungen der Zucht.

Ostrhauderfehn - Die Ostrhauderfehntjerin Anke Boldt (60) hat ein großes Herz für Dackel. Seit fast 40 Jahren züchtet sie die kleine Hunderasse mit dem treuen Dackelblick. Ihren ersten Dackel bekam sie mit 20. Seitdem sind Teckel, wie die Rasse in der Jägersprache genannt wird, in ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Auch ihre 33-jährige Tochter Amei, die als Kind mit den Welpen in der Wurfkiste saß und mit Dackeln groß wurde, teilt die Leidenschaft ihrer Mutter für die Rasse.

Mit 16 stieg Amei Boldt in die Dackelzucht ein. Die Rassetiere aus dem Haus Boldt gewinnen zahlreiche Auszeichnungen auf diversen nationalen und internationalen Zuchtschauen. Ende Oktober wurde Boldts Dackelhündin Riana iz Bogemnoi Roskoski bei der Zuchtschau der DTK (Deutscher Teckelclub) Gruppe Ammerland mit dem Titel „Schönster Kurzhaardackel“ ausgezeichnet. Das Mutter-Tochter-Gespann ist neben der Zucht auch aktiv im deutschen und internationalen Tierschutz.

Die kleine Dackeldame auf den Namen Rieke

Der schönste Kurzhaardackel laut DTK Gruppe Ammerland lebt in Ostrhauderfehn und heißt Riana iz Bogemnoi Roskoski. Das ist ihr Zuchtname. Im Alltag hört die kleine Dackeldame auf den Namen Rieke. Sie ist beim Mutter-Tochter-Gespann Amei und Anke Boldt zuhause und aufgrund ihrer geringen Körpergröße und Fellfarbe auffällig.

„Rieke ist sehr klein, ausgewachsen und wiegt 2,5 Kilo. Das Normalgewicht liegt bei drei Kilogramm. Anatomisch ist sie korrekt, sie entspricht den Rassestandards“, erläutert Züchterin Anke Boldt.

Dackel sind wie Schokolade, sie machen süchtig

Die Hündin liegt eingerollt auf dem Schoß von Tochter Amei und genießt ganz offensichtlich die Wärme und Körpernähe. Es hat den Anschein, dass Rieke eine Schmusehündin ist, doch sie könne auch anders, weiß die erfahrene Züchterin. Boldt beschreibt: „Rieke ist sehr ausdauernd. Sie kann drei Stunden spazieren gehen und möchte noch mehr. Das darf man nicht unterschätzen. Nach der vielen Bewegung ist sie im Haus sehr ruhig und ausgeglichen.“ Nachts schläft Rieke gerne unter der Bettdecke, verrät die leidenschaftliche Dackelzüchterin, die bereits seit fast 40 Jahren in der Zucht ihrer Lieblingsrasse treu bleibt.

Amein Boldt mit Hundedame Rieke, die sehr verschmust ist. Foto: Scherzer
Amein Boldt mit Hundedame Rieke, die sehr verschmust ist. Foto: Scherzer

„Dackel sind wie Schokolade, sie machen süchtig. Wenn man einmal einen Dackel hat, bleibt man dabei. Ein Dackel ist viel Hund in wenig Größe. Man unterschätzt sie. Sie sind clever, haben viel Temperament und einen Dickkopf. Ein Dackel hinterfragt gerne, ob etwas nötig ist oder nicht. Die Rasse ist auch für Familien geeignet. Ein Dackel ist kinderlieb, klein, handlich und trotzdem ein Hund“, beschreibt Anke Boldt das Wesen eines Teckels.

Neun Dackelarten

Doch Dackel ist nicht gleich Dackel. Nach dem FCI (Fédération Cynologique Internationale, auf Deutsch: Internationaler Kynologischer Verband) gibt es neun verschiedene Dackelarten. Unterschieden wird dabei nach Größe und Haarkleid. Dackeldame Rieke gehört zu den kleinsten Vertretern, sie ist ein Kaninchen-Dackel Kurzhaar. Eine Hündin wie Rieke in Deutschland zu bekommen, sei schwierig, da der Genpool bei der Rasse sehr klein sei, so Boldt. Die Dackeldame stammt aus Belarus, Belarus. Wo das Tier auftaucht, sorgt es für Aufsehen, erfuhr die Züchterin. „Sie ist sehr auffällig wegen ihrer kleinen Größe und Fellfarbe. Neulich hielt beim Spaziergang mit ihr ein Auto neben mir an und fragte, was das für ein Hund ist“, erlebte die Sechzigjährige, die ihre Hündin gerne und mit Erfolg auf hiesigen Zuchtschauen präsentiert.

Auch auf großen Messen käme Rieke sehr gut an. Es gehe ein Raunen durch die Reihen, wenn sie hereinkommt, ergänzt Tochter Amei, die mit der kleinen Dackelhündin auf internationalen Zuchtschauen unterwegs ist. Das Tier sei daran gewöhnt. „Letztes Jahr war ich jedes Wochenende von April bis Oktober auf Ausstellungen mit ihr. Wir waren zum Beispiel in Rostock, Celle, Köln und Dortmund. Auch in Dänemark, Prag, Belgien und Wales nahmen wir teil“, berichtet Amei Boldt.

„Fellfarbe ist besonders“

„Riekes Fellfarbe ist besonders, sie ist braungefleckt. Bei den Zuchtschauen gibt es Pokale, Schleifen und Sachpreise von Futtermittelherstellern. Und die Titel natürlich. Da kann man sich nichts von kaufen, doch je mehr Titel man hat, desto wertvoller ist der Hund, denn er hat viele Rassezüchter überzeugt“, ergänzt Anke Boldt. Viele Zuchtschauen seien mit Messen mit bis zu 100 Verkaufsständen verbunden. Das sei ein Riesenmarkt. Es gebe Hunde, die das nicht mögen. Aus ihrer Erfahrung heraus seien die Zuchtschauen jedoch Quality Time (auf Deutsch: Qualitätszeit) für den Hund, da er im Mittelpunkt stehe. Aktuell erlebe das Zucht-Duo einen Dackelboom. Früher habe man Dackel eher an ältere Ehepaare verkauft. Heute interessierten sich überwiegend junge Paare für die Rasse. Eine Hündin wie Rieke könne bis zu 2000 Euro kosten. Jedoch machten Mutter und Tochter mit der Zucht nicht das große Geld. „Wenn man züchtet, sagt man, man verdient viel Geld. Es ist aber ein irrsinnig teures Hobby. Wir haben Flug- und Hotelkosten und die Kosten der Schau. Für uns ist Rieke vor allem ein Liebhabehund und Schauhund“, betont Amei Boldt.

Dackel sind ausdauernd im Spazierengehen und brauchen viel Bewegung. Foto: Scherzer
Dackel sind ausdauernd im Spazierengehen und brauchen viel Bewegung. Foto: Scherzer

Ziel ihrer Zucht sei nicht das Vermehren, sondern der Erhalt und die Verbesserung der Rasse. Dabei halte man sich streng an die Richtlinien vom DTK. „Bis unsere Hunde in die Zucht gehen dürfen, gibt es strenge Untersuchungen. Sie werden verantwortungsbewusst gezüchtet. Unsere Hunde sind gesünder als Mischlingshunde. Es wird gezielt mit Hunden gezüchtet, die alle Ahnentafeln haben, die man Jahrzehnte zurückverfolgen kann, dann hat man da keine Schwierigkeiten“, so Amei Boldt.

Ziel der Zucht

Ziel ihrer Zucht sei nicht das Vermehren, sondern der Erhalt und die Verbesserung der Rasse. Dabei halte man sich streng an die Richtlinien des DTK. „Bis unsere Hunde in die Zucht gehen dürfen, gibt es strenge Untersuchungen. Sie werden verantwortungsbewusst gezüchtet. Unsere Hunde sind gesünder als Mischlingshunde. Es wird gezielt mit Hunden gezüchtet, die alle Ahnentafeln haben, die man Jahrzehnte zurückverfolgen kann, dann hat man da keine Schwierigkeiten“, so Amei Boldt.

„Wir sind sehr pingelig. Bei einem Wurf hatten beispielsweise von sechs Welpen drei kleine Fehler. Mit ihnen züchten wir nicht. Da sind wir sehr konsequent und genau“, ergänzt Anke Boldt. Auch eine bestandene Begleithunde- oder jagdliche Prüfung sei Voraussetzung für die Zucht.

Spenden gehen in die Ukraine und nach Spanien

Bei Familie Boldt sind neben Dackeldame Rieke drei weitere Hunde zu Hause. Darunter ist auch die Spitz-Samojede-Mischlingshündin Elli, die aus schlechter Haltung stammt und bei Boldts sozialisiert wurde. Sie zeigte Verhaltensauffälligkeiten. Elli darf bleiben. Sie hilft bei der Erziehung der Welpen. Die Züchterinnen Anke und Amei Boldt sind sowohl im deutschen, als auch im internationalen Tierschutz aktiv. Sach- und Futterspenden bekommen in unregelmäßigen Abständen Tiertafeln und -heime der Region. Nach Putins Angriffskrieg gingen Futter- und Sachspenden aus dem Hause Boldt an die ukrainische Grenze. Von dort wurden sie im Landesinneren verteilt. Aktuell schickte das Mutter-Tochter-Gespann Spenden nach Spanien. Diese Hilfsbereitschaft sei für Tierzüchterinnen und Züchter nicht unüblich.

„Ich kenne keinen Züchter, der das nicht macht. Jetzt, nach dem Unwetter und Hochwasser in Spanien, haben wir Ende Oktober Futter- und Sachspenden nach Spanien gebracht. Die Hunde stehen dort knietief im Wasser. Wir Züchter unterstützen durch Spenden auch Kastrationen im Ausland. Als Züchter weiß man, wie teuer alles ist. Das ist ganz wichtig, dass wir das machen. Der Zusammenhalt unter Züchterinnen und Züchtern ist groß, auch wenn es manchmal nicht den Anschein hat“, fasst Amei Boldt zusammen.

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