Gefahr in Weener  Schrottschiff „Khan“ aus Hafen gehoben – Stadt zahlt Zeche

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 11.11.2024 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die „Khan“ ist am Donnerstagnachmittag aus dem Weeneraner Hafen geholt worden und liegt aufgebockt auf dem Parkplatz im Hafen. Foto: Stadt Weener
Die „Khan“ ist am Donnerstagnachmittag aus dem Weeneraner Hafen geholt worden und liegt aufgebockt auf dem Parkplatz im Hafen. Foto: Stadt Weener
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In Weener wurde das rostige Schrottschiff „Khan“ aus dem Hafen gehoben. Ohne Besitzer geht das auf Kosten der Steuerzahler. Das ließ sich aber nicht verhindern.

Weener - Wieder musste ein Schrott-Boot aus dem Wasser geholt werden: Die „Khan“ ist am Donnerstagnachmittag im Auftrag der Stadt Weener mit einem Autokran aus dem Weeneraner Hafen gehoben worden und liegt nun auf einem Teil des Parkplatzes direkt am Hafen vor dem Betriebsgebäude von Klingele, teilte die Stadtverwaltung mit.

„Wir haben bei einer Kontrolle festgestellt, dass der Rumpf des Bootes Wasser zieht, was auf eine sehr starke Verrostung hinweist“, wird Weeners Bürgermeister Heiko Abbas zitiert. Da die Stadt keine weiteren Risiken eingehen wolle, entschloss man sich, umgehend tätig zu werden. „Wir konnten das Boot nun bergen, ohne dass weiterer Schaden im Hafen entstanden ist. Weder Öl oder andere Betriebsstoffe sind ausgetreten.“

Kein Besitzer des Bootes mehr zu finden

Die „Khan“ ist 22 Meter lang und knapp fünf Meter breit und wiegt mehr als 30 Tonnen. Das Boot habe mehr als zehn Jahre im Hafen in Weener gelegen „und hat aktuell keinen festzustellenden Eigner mehr“, schreibt die Stadt. Darum lägen am Ende die Kosten im niedrigen fünfstelligen Bereich bei der Stadt selbst. „Das ist einmal mehr ärgerlich, dass wir mit öffentlichem Geld ein Boot aus dem Hafen holen müssen. Allerdings haben wir so Schlimmeres verhindern können, so dass die Kosten nicht noch größer sind“, wird Bürgermeister Abbas weiter zitiert.

Die „Miltiades“ wurde 2020 gehoben und im Hafen abgelegt. Foto: Archiv
Die „Miltiades“ wurde 2020 gehoben und im Hafen abgelegt. Foto: Archiv

Es ist nicht das erste Mal, dass ein kaputtes Schiff aus dem Hafen gehoben werden muss und leider auch nicht das erste Mal, dass die Stadt Weener dafür aufkommen muss. Im Jahr 2010 war im Hafen die „Nora von Bremerhaven“ auf Grund gesunken und musste geborgen werden – auf Kosten der Stadt. Bergung und Entsorgung des Zweimastschoners kosteten damals 25.000 Euro. 2020 musste die „Miltiades“ aus dem Wasser gehoben werden, weil der Eigner sich nicht um die Entsorgung kümmerte, ließ die Stadt den maroden Kahn verschrotten.

Kommune muss bei Schrottschiffen selbst ran, um missliche Lage zu verhindern

Tatsächlich machte die „Miltiades“ noch richtig was her, als sie 2013 als Traditionsschiff den Hafen von Weener als Dauerliegeplatz ansteuerte. Das mehr als 100 Jahre alte Schiff hatte anschließend mehrfach den Besitzer gewechselt und verrottete langsam. 2020 war das Schiff gleich zweimal Leck geschlagen und auf Grund gesunken. Öl und andere Betriebsstoffe liefen aus und verschmutzten den Hafen.

Weil der Schiffseigner nicht aktiv wurde, übernahm das Ordnungsamt der Stadt Weener das Ruder: Mit einem Autokran wurde das Schiff im August 2020 an Land gehievt. Die Stadt wollte mit dieser Maßnahme zur Gefahrenabwehr weitere Schäden verhindern.

In Einzelfällen bekommt man das Geld für die Bergung und Verschrottung zurück

2022 bereitete die „Captiva“ der Stadt Ärger. Der Geduldsfaden war seinerzeit nach Monaten des Wartens gerissen. Im Frühjahr war man noch guter Dinge gewesen, dass sich der Besitzer darum kümmern würde, das Schiff zu verschrotten. Denn es war auch auf sein Geheiß hin geborgen worden.

Der Kutterimbiss „Sirius“ war im Jahr 2013 in Leer gesunken. Foto: Ortgies/Archiv
Der Kutterimbiss „Sirius“ war im Jahr 2013 in Leer gesunken. Foto: Ortgies/Archiv

Im August stand die „Captiva“ noch immer am Hafen. Dann griff die Stadt ein: „Das Schiff wird durch die Stadt im Zuge der Ersatzvornahme abgewrackt“, teilte Kerstin Beier, Sprecherin der Stadt Weener damals, mit. Das bedeutet, dass eine Behörde in Vorleistung geht, sie aber die Kosten – die Steuergelder – zurückfordern kann. „In den vergangenen Jahren gab es immer wieder die Situation, dass ein marodes Schiff geborgen und abgewrackt werden musste. Ein solches Vorhaben koste je nach Fall rund 20.000 bis 40.000 Euro, sagte Beier. Die Erfolgsquote ist beim Zurückfordern nicht sonderlich gut: „Im Einzelfall gelingt es, auf dem Rechtswege die Mittel wieder zu erhalten.“

„Mittlerweile gibt es kaum noch Schrottboote im Hafen. Bis auf einige wenige Ausnahmen sind alle fraglichen Boote entfernt worden“, sagte Bürgermeister Abbas in diesem Jahr. Nun ist es mit der „Khan“ noch eines weniger. Dass marode Schiffe für Ärger sorgen, ist nicht nur ein Weeneraner Problem. Beispielsweise war in der Stadt Leer im Jahr 2013 der Kutter „Sirius“ gesunken und musste geborgen werden.

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