Arbeitsmarkt  Arbeitslosenquote in Ostfriesland bald bei über 10 Prozent?

| | 06.11.2024 16:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Blick ins VW-Werk in Emden: Der Arbeitgeberverband sieht über Ostfriesland dunkle Wolken aufziehen. Foto: Ortgies
Blick ins VW-Werk in Emden: Der Arbeitgeberverband sieht über Ostfriesland dunkle Wolken aufziehen. Foto: Ortgies
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Der ostfriesische Arbeitgeberverband hat am Mittwoch ein düsteres Bild für die Region gemalt. Die Arbeitslosenquote könnte sich verdoppeln. Sie haben drei Gegenstrategien – und eine Hauptschuldige.

Ostfriesland - Ostfrieslands Arbeitgeber haben am Mittwoch vor einem radikalen Stellenabbau in der Region gewarnt. Sie fürchteten eine Arbeitslosenquote von mehr als zehn Prozent. Die Schuld dafür gab der Arbeitgeberverband für Ostfriesland und Papenburg der Ampel-Regierung in Berlin und der rot-grünen Landesregierung in Hannover.

„Wir haben uns hier in Ostfriesland an eine Arbeitslosenquote von fünf bis sechs Prozent gewöhnt“, sagte Johann Doden während eines Pressegesprächs in Emden. „Das werden wir künftig nicht mehr sehen“, so der Hauptgeschäftsführer des ostfriesischen Arbeitgeberverbands weiter. „Wir gehen von Arbeitslosenquoten im zweistelligen Bereich aus. Und jetzt kommt auch noch VW hinzu.“

Auch die Insolvenzen steigen

Für Doden gibt es in Ostfriesland „kaum noch einen Bereich, wo es bombig läuft“. Losgegangen sei es mit dem Hochbau und dem Tiefbau. Es würden kaum noch Häuser gebaut. Die Einrichtungsbranche leide, die Menschen konsumierten weniger. Das könne so weit gehen, dass auch immer mehr ihren Sportverein verließen, um Geld zu sparen. Doden prosaisch: „Es lässt sich nicht leugnen, dass auch am ostfriesischen Himmel zunehmende Bewölkung zu sehen ist. Und man sollte sich nicht wundern, wenn bald eine geschlossene Wolkendecke über uns hängt.“

Anders ausgedrückt: „Die Arbeitslosenzahlen und die Insolvenzen steigen“, sagte Frank Wessels, der Vorsitzende des ostfriesischen Arbeitgeberverbands. Zum Glück sorge in Ostfriesland noch der Mittelstand für eine gewisse Kontinuität und Stabilität – etwa in der Tourismusbranche. Aber für die Industrie sei die Energie viel zu teuer, beklagte Wessels. „Mit diesen Energiepreisen sind wir nicht konkurrenzfähig. Damit treibt man die Industrie aus dem Land.“ Wohlstand generiere sich nun einmal durch Wertschöpfung in der Industrie, nicht durch Dienstleistungen.

„Sicherheit, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit“

Als Quelle allen Übels hat der Arbeitgeberverband die Ampel-Regierung ausgemacht. „Was wir benötigen, sind Leitplanken: Sicherheit, Verlässlichkeit, Nachhaltigkeit“, sagte Hauptgeschäftsführer Doden. „Was zurzeit aber geboten wird, ist genau das Gegenteil.“ Doden verwies etwa auf Förderprämien für E-Autos, die über Nacht wieder gestrichen worden seien, oder das Lieferkettengesetz, das es trotz eines Versprechens des Kanzlers immer noch gebe. „Das sind alles massive Eingriffe von oben herab“, so Doden weiter. „Es ist ein desolates Bild, das die Bundesregierung abgibt.“ Man brauche einfach eine entscheidungsfreudige Regierung. Doden: „Diese Bundesregierung hat gezeigt, wie man einen Laden in drei Jahren herunterwirtschaftet.“

Bei den Arbeitgebern kam am Mittwoch aber auch die Landesregierung nicht besonders gut weg. Es fehlten Investitionen in die Infrastruktur, etwa in die Landesstraßen und die niedersächsischen Seehäfen. „Bei den Landeshäfen muss das Land dringend nachlegen“, forderte Doden. „40 Millionen sind doch nur Peanuts.“

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