Gebäude mit Geschichte In historischer Prunkvilla in Weener entstehen Wohnungen
Die Villa Bärchen in der Neuen Straße in Weener ist in den letzten Jahren ganz schön heruntergekommen. Das soll sich jetzt ändern. Nach der Sanierung soll dort nicht nur neuer Wohnraum entstehen.
Weener - Die Villa Bärchen in der Neuen Straße 12 in Weener hat schon bessere Zeiten gesehen. Aus den Mauern treiben Unkraut und kleine Bäumchen aus. Das historische Baudenkmal steht zwar schon seit vielen Jahren leer, gehört aber immer noch zu den am häufigsten fotografierten Gebäuden in der Altstadt von Weener. Nun soll die Villa in neuem Glanz erstrahlen. Ein Investor aus Wilhelmshaven hat das historische Baudenkmal im Frühjahr gekauft, nachdem die Stadt Weener aus finanziellen Gründen auf ihr Vorkaufsrecht verzichtet hatte. Anteus Fokken will das Gebäude sanieren. „Ich hoffe, dass es im Februar kommenden Jahres bezugsfertig ist“, sagt er.
Das Gebäude hebt sich durch seinen neugotischen Architekturstil von den übrigen denkmalgeschützten Gebäuden in Weener ab. Mit dem turmartigen Parterre-Erker, den hohen Fenstern mit Schmuckornamenten und den reichen Verzierungen ist die Villa ein echter Hingucker. Zuletzt war in dem Prunkbau eine dermatologische Praxis beheimatet. Patienten konnten sich dort unerwünschte Haare entfernen oder Falten unterspritzen lassen. 1996 hatte die Hautärztin Astrid Thies-Rambow das stark heruntergekommene Gebäude gekauft und es sanieren lassen. Sie betrieb dort nicht nur ihre Praxis, sondern wohnte selbst eine Zeit lang in dem Gebäude. Nach dem Tod der Medizinerin im vergangenen Jahr bot ihre Familie die Villa zum Kauf an.
Wieso eigentlich Villa Bärchen?
Die Villa ist vielen alteingesessenen Weeneranern als Villa Bärchen bekannt. Benannt wurde sie nach Max Bärchen. Er betrieb in dem Gebäude sein Unternehmen „Textilia“, eine Fabrik, in der bis in die 1960er Jahre Baskenmützen und Wollstrickgarn hergestellt wurde. Das Firmenschild existiert sogar noch.
Aktuell umgibt ein Baugerüst das Gebäude. „Erstmal müssen die groben Außenarbeiten gemacht werden“, sagt Investor Anteus Fokken. Wie viel er investieren wird, darüber spricht er nicht. Die Denkmalschutzbehörde habe für die Außenarbeiten eine vorläufige Genehmigung erteilt. „Wir wollen verhindern, dass noch mehr Feuchtigkeit nach innen dringt.“
In der Villa sind Wohnungen geplant
Zunächst werde die Fassade saniert. Das Dach müsse geschlossen, Risse in der Fassade beseitigt werden. „Die kaputten Rinnen müssen ausgetauscht werden und Baumtriebe entfernt werden.“ Fokken hofft, dass das Wetter mitspielt und die Außenarbeiten noch in diesem Monat abgeschlossen werden können. Dann kommt der Innenausbau an die Reihe.
Die zwischen 1860 und 1870 für den Viehhändler Jan Hesse gebaute Villa hat eine Wohnfläche von 389 Quadratmetern und zehn Zimmer. Fokken will dort Wohnungen anbieten. Im unteren Bereich sei eine gewerbliche Nutzung vorgesehen. „Wir tüfteln noch an einer Nutzungsänderung.“ Was genau dort geplant ist, will Fokken aber noch nicht verraten. „Die Pläne sind zwar schon weit fortgeschritten, aber noch nicht in trockenen Tüchern“, sagt er.
Villa überzeugt nicht nur mit Fenstern mit bunter Verglasung
Wenn das Haus öffentlich genutzt wird, können Besucher einen Einblick in das beeindruckende Innere des Gebäude bekommen. Dort gibt es eine große Treppe, einige Fenster mit bunter Schmuckverglasung, schwarz-weiße Bodenfliesen und hohe, weiße Wände und kunstvoll mit Stuck verzierte Decken.
Wer das Gebäude entworfen hat, darüber sind sich die Experten nicht ganz einig. Geziena Scholtalbers, eine der Stadtführerinnen von Weener, geht davon aus, dass mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der Architekt Eduard Stüve entworfen habe, der auch für die Gestaltung der Evenburg und der Apotheke in der Brunnenstraße in Leer verantwortlich sei. Das Organeum in der Neuen Straße in Weener ist das Schwestergebäude der Villa Bärchen. „Für die Teilnehmer der Stadtführungen wäre es schön, wenn man auch dieses Gebäude von innen zeigen könnte.“