Osnabrück  „Amerika wird sehr anders aussehen“ – Politologe erklärt die Folgen von Donald Trumps Erfolg

Lucas Wiegelmann
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Von Lucas Wiegelmann
| 06.11.2024 09:45 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der 45. Präsident der USA wird auch der 47.: der Republikaner Donald Trump Foto: AP/ Evan Vucci
Der 45. Präsident der USA wird auch der 47.: der Republikaner Donald Trump Foto: AP/ Evan Vucci
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Donald Trump liegt vor Kamala Harris: Warum floppte die Harris-Kampagne in den Swing States? Welche Rolle spielte Elon Musks Nachrichtendienst X? Und was wird nun aus Amerika? Fünf Fragen zur US-Wahl an den deutschen Politikwissenschaftler Alexander Görlach, der in New York lehrt.

Frage: Herr Görlach, Donald Trump hat gewonnen. Wie kommt das?

Antwort: Die Kandidaten haben den Wählern zwei verschiedene Lesarten unser Gegenwart angeboten. Harris hat nach vorne geschaut und das Positive betont, Trump hat nach hinten geschaut und gesagt, heute ist alles schlecht. Man kann nur zur Kenntnis nehmen, dass Letzteres die Menschen offenbar stärker angesprochen hat. In allen Demokratien gibt es immer wieder Momente, in denen Innovation und Beharrungskräfte aufeinandertreffen. In denen es darum geht, wie schnell der Wandel sein soll. Nun hat also auch in Amerika, das wir uns immer als so dynamisch und fortschrittsfreudig vorstellen, die negative Rückwärtsgewandtheit um sich gegriffen. Die Tragweite dieses Vorgangs wird gewaltig sein. 

Frage: Inwiefern?

Antwort: Die Wähler der Republikaner haben dem freien Welthandel und dem neoliberalen Paradigma des Wettbewerbs in gewisser Weise eine Absage erteilt. Sie neigen zum Protektionismus. Zugleich gibt es eine Unlust an weiterem militärischen Engagement in der Welt, das bisher den Wohlstand des Westens außenpolitisch abgesichert hat. Die Folgen werden für die Menschen spürbar sein – für uns alle.

Frage: Kamala Harris hat vor allem darauf gesetzt, dass sie eben nicht Trump ist. Wie fanden Sie ihre Kampagne?

Antwort: Ob sie ihr Ziel erreicht hat, die Frauen zu mobilisieren, muss man jetzt mal gezielt analysieren. Und ob sie erfolgreich Schadensbegrenzung bei arabischstämmigen Amerikanern betreiben konnte, die über die Nahost-Politik der Biden-Administration verärgert sind. Jedenfalls sieht es Stand jetzt so aus, als hätte sie nicht mal knapp verloren, sondern eindeutig. Sie hat sich zuletzt ja vor allem auf die Swing States konzentriert, und gerade da zeichnet sich doch ab, dass sie da keinen Stich gemacht hat. 

Frage: Welche Rolle spielte der Online-Nachrichtendienst X, den der Trump-Unterstützer Elon Musk betreibt? Wie sehr hat Trump dieses Medium geholfen?

Antwort: In Amerika wählen Frauen traditionell häufiger als Männer. X sollte dabei helfen, die Männer stärker zu mobilisieren, das war das erklärte Ziel der Republikaner. Auch hier steht noch eine exakte Analyse aus, wie sehr das gelungen ist. Wichtiger ist aber aus meiner Sicht ein anderer Effekt. Die Figur Elon Musk bestätigt das alte Urteil über Amerika, dass hier das Geld die Politik regiert. Die großen Geldgeber entscheiden über den Wahlausgang mit, können für Kampagnen in den Swing States hunderte Millionen Dollar ausgeben – und wollen am Ende natürlich irgendeine Form von Dividende. Musk deutet auf seinem X-Profil schon an, dass er in irgendeiner Weise Anteil an einer neuen Trump-Regierung haben könnte. Er verfolgt seine eigenen Ziele.

Frage: Wie wichtig ist es, dass die Republikaner künftig eine Mehrheit auch im Senat haben?

Antwort: Das wird vor allem dann entscheidend, wenn es dabei bleibt, dass Trump ins Weiße Haus einzieht.  Wenn die Republikaner die Regierung und beide Kammern des Parlamentes kontrollieren, haben die Demokraten keine Chance mehr, große Entscheidungen zu verhindern. Den Supreme Court hatte Trump ja schon in seiner ersten Amtszeit mit neuen Richtern stärker rechts-konservativ ausgerichtet, so dass auch diese Instanz als Korrektiv weitgehend ausfallen dürfte. Wir wissen nicht, was Trump nun tun wird. Aber eines lässt sich jetzt schon sagen: In vier Jahren wird Amerika sehr anders aussehen als bisher.

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