Hannover  Braucht es eine Schulleiter-Akademie? Oder einfach „nur“ mehr Geld?

Stefan Idel
|
Von Stefan Idel
| 05.11.2024 12:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Coronavirus - Schulbeginn in Hildesheim Foto: dpa/Ole Spata
Coronavirus - Schulbeginn in Hildesheim Foto: dpa/Ole Spata
Artikel teilen:

Zu viel Bürokratie für zu wenig Gehalt: 162 Schulleitungsstellen sind aktuell in Niedersachsen ausgeschrieben, viele davon an Grundschulen. René Mounajed vom Schulleitungsverband Niedersachsen bringt eine Akademie für angehende Schulleiter ins Spiel.

162 Schulen sind aktuell in Niedersachsen führungslos. Gründe dafür sind schnell benannt – Lösungen auch? Was René Mounajed vom Schulleitungsverband Niedersachsen (SLVN). vorschlägt.

Frage: Herr Dr. Mounajed, zum Schuljahresbeginn waren in Niedersachsen 162 Schulleitungsstellen unbesetzt. Ist die Aufgabe nicht attraktiv genug?

Antwort: Mehrheitlich handelt es sich um unbesetzte Rektorenstellen an Grundschulen. Ein Grund dafür ist die nach wie vor unbefriedigende Besoldungsstruktur. Zugleich nimmt die Aufgabenvielfalt zu, vor allem bei der Verwaltungstätigkeit.

Zum eigentlichen Gestalten kommen die Schulleiterinnen und -leiter gar nicht mehr. Schlimmer noch: Viele Berufskollegen raten den Lehrkräften inzwischen davon ab, Schulleiterin oder -leiter zu werden.

Frage: Ihr Verband hat bei der Herbsttagung in Celle die hohe Bürokratie angeprangert. Können Sie da bitte ein Beispiel nennen?

Antwort: Der eigentliche Auftrag, Schule zu entwickeln, ist durch die überbordende Bürokratie in den Hintergrund geraten. Die Vorgaben für Klassenfahrten sind ein Beispiel. Laut Vergaberecht müssen für Schulfahrten im Wert von über 1000 Euro mindestens drei Angebote eingeholt und begründet werden.

Etliche Prozesse könnten viel einfacher sein. Der SLVN meint, die Budgetverwaltung sollten die Schulen in eigener Verantwortung machen.

Frage: Wie sieht es mit Assistenzkräften für die Schulleitungen aus?

Antwort: Lediglich 20 Schulen sind in Niedersachsen bisher mit Schulverwaltungsassistenten ausgestattet worden. Diesen Kreis sollte man unbedingt erweitern.

Frage: 2400 Stellen von nicht-pädagogischen Mitarbeitern fallen an Schulen weg, die zum Aufholen nach Corona eingerichtet wurden. Warum ist die Aufregung so groß?

Antwort: Es ist richtig: Die Stellen waren befristet und die Stundenkontingente eher gering. Aber gerade für Grund- und Förderschulen sind diese Stellen besonders wichtig. Ihr Wegfall reißt neue Lücken auf. Und dies erhöht den Druck auf die Schulleitungen, die die Verlässlichkeit gewährleisten müssen.

Frage: Ist die Vorbereitung auf die Schulleitung angemessen?

Antwort: Es gibt eine berufsbegleitende Qualifizierung, die das Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) anbietet. Diesen Prozess müssen wir optimieren.

Besser wäre es, die Schulleiterin oder der Schulleiter würden vor Beginn ihrer Tätigkeit entsprechend qualifiziert. Der Schulleitungsverband schlägt eine Akademie wie bei der Polizei vor. Ich appelliere an die Kultusministerin, sich dieses Themas anzunehmen.

Frage: Und warum ist es letztlich doch attraktiv, Schulleiter zu werden?

Antwort: Der Beruf bringt viel Verantwortung mit sich und birgt viele Chancen, eine Schule zu entwickeln. Schulleiterinnen und -leiter können gestalten, Menschen begleiten und Freiräume eröffnen.

Es ist ohnehin ein Privileg des Lehrerberufes, jungen Menschen bei ihrer Entwicklung zur Seite zu stehen. Gute Schulen sind auch immer ein Pfeiler der Demokratie. Und darum brauchen sie auch Schulleitungen, die demokratische Prozesse einfordern.

Ähnliche Artikel