Neuer Trend  Darum bieten Nachmittagsmärkte mehr als Wochenmärkte

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 03.11.2024 12:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Beim Nachmittagsmarkt auf dem Vogelsangplatz in Weener gibt es nicht nur Möglichkeiten, sich mit frischen Lebensmitteln aus der Region einzudecken. Foto: Gettkowski/Archiv
Beim Nachmittagsmarkt auf dem Vogelsangplatz in Weener gibt es nicht nur Möglichkeiten, sich mit frischen Lebensmitteln aus der Region einzudecken. Foto: Gettkowski/Archiv
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Wochenmärkte sind ein Auslaufmodell, insbesondere auf dem Land. Dafür entwickelt sich ein Marktangebot am Nachmittag in Weener und Remels gerade zu einem Renner. Woran liegt das?

Weener/Remels - Jahrelang gab es in Weener und Remels Bemühungen wieder einen Wochenmarkt zu etablieren – ohne Erfolg. Ende Juli wagte die Stadt Weener einen Vorstoß mit einem ganz neuen Konzept: ein Nachmittagsmarkt als Ort der Begegnung. Die Idee traf voll ins Schwarze und fand sogar Nachahmer in der Gemeinde Uplengen. Die im 14-tägigen Wechsel stattfindenden Märkte laufen so gut, dass sie sogar in der Winterzeit fortgesetzt werden.

Der Nachmittagsmarkt in Remels hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Als dieses Luftbild entstand, war der Markt noch gar nicht eröffnet. Foto: Gemeinde Uplengen
Der Nachmittagsmarkt in Remels hat sich zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Als dieses Luftbild entstand, war der Markt noch gar nicht eröffnet. Foto: Gemeinde Uplengen

Den Anstoß, solch ein Projekt zu starten gab Leon de Kloet aus Weener. Mit seiner Frau Melissa betreibt der 23-Jährige einen Milchziegenhof mit eigener Käseproduktion. Der Stand „De Zeeg“ ist auf zahlreichen Wochenmärkten in der Region zu finden. „Die Kunden wollen regionale Produkte. Die haben wir doch, warum bieten wir sie nicht gemeinsam an?“, fragte er sich und nahm damals Kontakt zum Weeneraner Bürgermeister Heiko Abbas auf. So entstand die Idee vom Nachmittagsmarkt. Das Angebot startete in Weener Ende Juli und begeisterte Einheimische, Urlauber und Tagesgäste gleichermaßen.

Alle 14 Tage gibt es auf dem Markt nicht nur Fleisch aus artgerechter Haltung und mediterrane Spezialitäten, sondern auch die Möglichkeit, sich bei Kaffee und Kuchen, bei afrikanischen Streetfood-Spezialitäten von Felix und Magdalena Ike oder bei Bratwurst und Pommes zu treffen und zu klönen. „Der Markt ist gut angelaufen und wir würden uns freuen wenn er sich als Treffpunkt etabliert“, sagt Maren Baumann von der Stadt Weener, „die Kombination aus einkaufen, Leute treffen und klönen hat sich bewährt.“

Felix und Magdalena Ike haben auf dem Nachmittagsmarkt in Weener bereits zahlreiche Stammgäste mit ihrem Streetfood-Truck und afrikanischem Fingerfood gefunden. Foto: Gettkowski/Archiv
Felix und Magdalena Ike haben auf dem Nachmittagsmarkt in Weener bereits zahlreiche Stammgäste mit ihrem Streetfood-Truck und afrikanischem Fingerfood gefunden. Foto: Gettkowski/Archiv

Die Gemeinde Uplengen folgte dem Beispiel mit einem noch breiteren Angebot. Auf dem Schützenplatz in Remels bauen alle 14 Tage (im Wechsel mit Weener) 17 Marktbeschicker ihre Stände auf. „Man kann hier einkaufen, essen, trinken Spaß haben“, umschreibt Torsten Stephan, Sachgebietsleiter Gemeindeentwicklung bei der Gemeinde Uplengen, das Angebot. Auch Berufstätige würden profitieren. „Vormittags haben die meisten keine Zeit, auf den Wochenmarkt zu gehen.“

Unterstützt wird die Gemeinde vom Schützenverein Uplengen. Anders als in Weener gibt es hier auch einen Stand mit Obst und Gemüse und die Bäckerei de Beer aus Wiesmoor. „Ich hab‘ mich da auch wirklich hintergeklemmt und bestimmt einen ganzen Tag lang sämtliche Händler abtelefoniert“, erzählt Stephan und freut sich über den Erfolg. Inzwischen gebe es sogar eine Warteliste mit Händlern, die gerne einen Stand auf dem Schützenplatz aufbauen möchten.

Melissa de Kloet freut sich über den Zuspruch der Kunden über den Ziegenkäse aus eigener Produktion. Foto: Gettkowski
Melissa de Kloet freut sich über den Zuspruch der Kunden über den Ziegenkäse aus eigener Produktion. Foto: Gettkowski

Der Nachmittagsmarkt bietet aber nicht nur frische Produkte aus der Region. Das Besondere: Der Markt hat auch ein bisschen Event-Charakter. Auf einer Aktionsfläche können sich Vereine und Gruppen mit Vorführungen und Aktionen präsentieren. „Das Fitnessstudio war zum Beispiel schon dabei“, erzählt Stephan. Auch die Feuerwehr wolle sich einbringen und einen Einblick in eines der großen Fahrzeuge geben.

„Die Gemeinde hängt sich wirklich rein und macht Werbung mit Bannern und einem Marktkalender für das kommende Jahr. Auf jedem Nachmittagsmarkt wird unter den Kunden ein Präsentkorb verlost. Bestückt wird er von uns Marktleuten“, lobt Andreas Linnemeier das Engagement der Verwaltung. Gemeinsam mit seiner Frau Janine betreibt er „De Hund Schüür“, einen Stand mit Hundefutter und Zubehör. VomnNachmittagsmarkt in Weener sind Andreas Linnemeier und seine Frau ebenfalls begeistert.

Auf den Nachmittagsmärkten gibt es nicht nur Leckeres für Menschen. Janine und Andreas Linnemeier bieten in Remels und Weener neben Hundefutter auch Zubehör rund um den Hund an. Foto: Gettkowski
Auf den Nachmittagsmärkten gibt es nicht nur Leckeres für Menschen. Janine und Andreas Linnemeier bieten in Remels und Weener neben Hundefutter auch Zubehör rund um den Hund an. Foto: Gettkowski

„Wir haben in Weener innerhalb kürzester Zeit ganz viele neue Kunden gewonnen. Das war schon enorm“, freut sich Andreas Linnemeier. Er hofft, dass die Stadt Weener dem Beispiel der Gemeinde Uplengen folgt und Werbung für den Nachmittagsmarkt ausbaut. „Der Markt ist nicht so stark frequentiert wie in Uplengen, daher müssen wir alles tun, damit das hier auch im Winter gut weiterläuft.“

Sandra Römisch bietet auf Wochenmärkten in der Region Oliven und andere mediterrane Spezialitäten an. Auch sie ist mit der Kundenresonanz in Weener sehr zufrieden. „Das ist hier in Weener eine ganz tolle Atmosphäre“, sagt Römisch. Dass die Kunden hier die Möglichkeit haben sich bei Tee, Kuchen und exotischen kulinarischen Spezialitäten auf einen Klönschnack zu treffen, findet sie positiv.

Sandra Römisch und Galina Schirmer verkaufen am Kalamatthi-Stand Oliven und andere mediterrane Spezialiäten. Foto: Gettkowski
Sandra Römisch und Galina Schirmer verkaufen am Kalamatthi-Stand Oliven und andere mediterrane Spezialiäten. Foto: Gettkowski

Melissa de Kloet vom Ziegenkäsestand „De Zeeg“ hofft, dass sich der Nachmittagsmarkt in Weener etabliert. „Einige Anbieter sind zwar wieder abgesprungen, dafür kommen dafür aber neue dazu“, sagt die junge Frau, die auf zahlreichen Wochenmärkten die Produkte vom Hof der Familie anbietet. Übrigens nicht nur Ziegenkäse, sondern auf Bestellung auch Bio-Rindfleisch. „Der Markt in Weener ist für uns der beste. Ich glaube, das liegt daran, dass wir von hier kommen und die Kunden uns unterstützen wollen.“

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