Nach Park-Chaos in Firrel  Strafzettel-Flut trifft dieses Mal Schwerinsdorf

Rieke Heinig
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Von Rieke Heinig
| 01.11.2024 11:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Jemand klemmt einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer eines Autos. Symbolfoto: Dedert/dpa
Jemand klemmt einen Strafzettel hinter den Scheibenwischer eines Autos. Symbolfoto: Dedert/dpa
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Die Samtgemeinde Hesel greift durch: 57 Strafzettel für Falschparker sorgen für Aufruhr. Anders als in Firrel soll jetzt gezahlt werden. Wir haben gefragt, warum.

Schwerinsdorf - Erst Firrel, nun Schwerinsdorf: Die Knöllchen-Flut in der Samtgemeinde Hesel reißt nicht ab. Die Parkgewohnheiten der Fußballfans von Grün-Weiß Firrel rund ums Sportgelände sorgten bei Anwohnern der Nordender Straße und in Teilen der Politik jahrelang für Unmut. Denn das dort vor rund einem Jahrzehnt durchgesetzte Parkverbot ignorierte das Firreler Fußball-Publikum. Anfang September 2024 erreichte der Konflikt seinen vorläufigen Höhepunkt. Die Samtgemeinde Hesel schickte erstmals Mitarbeiter des Ordnungsamts in die „brisante Zone“ und verteilte 33 Strafzettel.

Viele Zuschauer traten mit einem Strafbescheid in Höhe von 20 bis 70 Euro – je nach Straßenseite und Parkdauer – die Heimfahrt an. Später meldeten sich etliche Besucher erzürnt bei der Gemeinde oder beim Firreler Klubchef Johannes Poppen. Ende September besänftigte die Samtgemeinde die Gemüter. Laut Marco Fuss, dem Fachbereichsleiter „Menschen“ (dazu gehört das Ordnungsamt), werden alle Parksünder Post mit dem Hinweis auf ihr Vergehen erhalten, aber niemand müsse die angekündigte Strafe zahlen. Diese Entscheidung trafen Samtgemeindebürgermeister Uwe Themann und Marco Fuss gemeinsam.

In Firrel wurden Strafzettel verteilt und wieder zurückgenommen. Foto: Doden/Archiv
In Firrel wurden Strafzettel verteilt und wieder zurückgenommen. Foto: Doden/Archiv

Was ist in Schwerinsdorf passiert?

Rund einen Monat nach der Knöllchen-Flut in Firrel wurden am 3. Oktober bei einer Veranstaltung der Gemeinde und eines Jugendfußball-Spiels des SV Stern ganze 57 Strafzettel in der Oldendorfer Straße in Schwerinsdorf verteilt: sieben Verstöße mit einem Bußgeld über 70 Euro samt Punkt in Flensburg und weitere 50 mit einem Bußgeld von 55 Euro – je nach Parkdauer – sagt der Heseler Samtgemeindebürgermeister Uwe Themann. Doch dieses Mal werden sie nicht zurückgenommen.

Zum Ärger der Betroffenen. „Liegt vielleicht daran, dass der Ortsbürgermeister nicht, so wie in Firrel, mit Herrn Themann bekannt ist“, mutmaßt eine Betroffene, deren Name der Redaktion bekannt ist. „Es ist ja in Ordnung, dass man ein Verwarngeld für Falschparken bekommt. Aber es kann doch nicht sein, dass man es einen Ort weiter wieder zurückgenommen hat, nur weil da private Verbindungen bestehen. Das nennt man auch Vorteilsnahme im Amt“, findet sie. „Ich frage mich, wo bleibt da die Gerechtigkeit?“, fragt eine andere Betroffene. Samtgemeindebürgermeister Uwe Themann widerspricht den Vorwürfen im Gespräch mit dieser Zeitung und erklärt das Vorgehen der Verwaltung.

Warum gab es die Knöllchen in Schwerinsdorf?

Weil es nach einer Gesetzesänderung im September 2023 in Deutschland verboten ist, auf Grünstreifen zu parken. Genau dort haben am 3. Oktober Autofahrer in Schwerinsdorf jedoch ihr Auto abgestellt. Nun will die Samtgemeinde durchgreifen. „Wir bekommen immer wieder von der Gemeinde Schwerinsdorf Hinweise, dass es zum Beispiel Probleme mit der Feuerwehrzufahrt gibt“, sagt Theman.

Geregelt ist das Parkverbot in der Straßenverkehrsordnung (StVO). Die Strafen sind online zum Beispiel über den Bußgeldkatalog einsehbar. Dort heißt es: „Sowohl das Parken auf einem Grünstreifen als auch das Parken auf Grünflächen ist in Deutschland verboten und stellt eine Ordnungswidrigkeit dar.“ Wer verbotenerweise auf einer Grünfläche parkt, müsse mit einem Bußgeld von mindestens 55 Euro rechnen. Je nachdem, wie lange geparkt wird, ob andere behindert oder gefährdet werden kann es noch teurer werden.

Warum wurden die Strafzettel in Firrel überhaupt zurückgenommen?

Jahrelang wurde das Parken dort, wie in Schwerinsdorf, geduldet, sagt Uwe Themann. „Firrel war die erste größer angelegte Kontrolle der Samtgemeinde und sollte alle Bewohner und Vereine sensibilisieren“, sagt er. Man habe gehofft, dass ein Warnschuss ausreiche.

Wieso nimmt die Samtgemeinde die Strafzettel in Schwerinsdorf nicht zurück?

Zunächst einmal, sagt Uwe Themann, sei die Kontrolle am 3. Oktober in Schwerinsdorf bei der Gemeinde angekündigt worden. Denn dass beim SV Stern oder bei anderen Veranstaltungen auf dem Grünstreifen geparkt wird, sei jahrelang geduldet worden. „Wir haben es über Gespräche versucht, das hat nichts genützt. Jetzt können wir die Strafen nicht jedes Mal zurücknehmen. Dann werden wir unglaubwürdig“, sagt der Samtgemeindebürgermeister. Er habe gehofft, dass die Menschen den „Warnschuss“ aus Firrel ernst nehmen. „Aber leider scheinen nur ernsthafte Konsequenzen zu helfen“, sagt Themann.

Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes kontrolliert auf diesem Symbolfoto parkende Fahrzeuge. Symbolfoto: Skolimowska/dpa
Eine Mitarbeiterin des Ordnungsamtes kontrolliert auf diesem Symbolfoto parkende Fahrzeuge. Symbolfoto: Skolimowska/dpa

Eine „persönliche Verbindung“ zu Johannes Poppen in Firrel als Grund, dass dort die Knöllchen zurückgezogen wurden, streitet der Samtgemeindebürgermeister ab. „Die gibt es nicht. Wenn, dann könnte man mir eine Verbundenheit zu Schwerinsdorf nachsagen. Wer hier wohnt, der weiß, dass ich dort jahrelang Gemeindedirektor war und mit dem Bürgermeister Andreas Rademacher gut bekannt bin“, sagt Themann.

Hätte es keine andere Lösung gegeben?

Nein, sagt Themann. „Ich weiß, dass ein Punkt in Flensburg und 55 Euro viel sind“, sagt er. Deshalb habe er mit der Verwaltung versucht, eine andere Lösung zu finden. „Zum Beispiel einfach nur ein Verwarngeld von 20 Euro“, sagt der Samtgemeindebürgermeister. Dafür habe es aber keine rechtliche Grundlage gegeben.

Ist mit weiteren Kontrollen zu rechnen?

Ja. „Wir werden dabei bleiben und immer wieder kontrollieren“, sagt Themann. Die Kontrollen wolle man jeweils bei den Veranstaltern ankündigen.

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