Hamburg  Friedrich Merz zur Rente: Kanzlerkandidat weicht jetzt schon aus

Tim Prahle
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Von Tim Prahle
| 27.10.2024 16:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
CDU-Chef Friedrich Merz fällt zur Rente derzeit wenig ein. Foto: IMAGO/Chris Emil Janssen
CDU-Chef Friedrich Merz fällt zur Rente derzeit wenig ein. Foto: IMAGO/Chris Emil Janssen
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Mit seinen Äußerungen zur Rente hat Friedrich Merz vor allem eines deutlich gemacht: wie wenig Lust er auf dieses unangenehme Thema hat. Strategisch ist das klug, doch die Wähler verdienen bei der Renten-Frage einen klaren Kurs und keine Plattitüden.

Es führt kein Weg daran vorbei: Eine immer älter werdende Gesellschaft in Deutschland muss sich über ihr Rentensystem Gedanken machen. Müssen die Beiträge steigen? Sollen Beamte mit einzahlen? Soll der Staat immer mehr Geld ins System pumpen oder das System dem Markt überlassen?

Das sind nur eine Handvoll Fragen, die jeder Wähler, jeder Politiker zum Rentensystem stellen kann. Nein, stellen muss. Spätestens, wenn die Jahrgänge der „Babyboomer“ im wohlverdienten Ruhestand sind, fehlt es an Arbeitskräften, die dieser Generation eine auskömmliche Rente bescheren.

Das Thema Rente drängt, spätestens in zehn Jahren wird sich die Gesellschaft das System nicht mehr leisten können. Und was fällt dem potenziellen nächsten Regierungschef Friedrich Merz (CDU) zu dem Thema ein?

„Es wird keine Rentenkürzung in Deutschland geben.“: Dieser Satz ist der Inbegriff der politischen Fantasielosigkeit. Bald ein Drittel aller Wahlberechtigten sind Rentner. Kein Kanzlerkandidat wird sich mit dieser Wählergruppe anlegen können. Derzeit ist die Union bei einer notorisch schlecht bewerteten Ampel-Regierung klarer Wahlfavorit. Sie kann sich nur ein Bein stellen, wenn sie sich zu konkret zu unbequemen großen Themen äußert.

Friedrich Merz macht so etwas selbstredend nicht. Stattdessen spricht er kurz darüber, dass Frührentner größere Abzüge bekommen sollen – und unterschlägt, dass auch das eine Rentenkürzung ist. So wie vieles andere auch. Länger arbeiten, weniger Rente, höhere Steuern: Will Merz das nicht, kommen die nächsten Generationen für das Rentenniveau auf. So forciert es derzeit die Ampel mit ihrem Rentenpaket.

Friedrich Merz muss elf Monate vor der Wahl kein ausgeklügeltes Konzept zur Rente vorlegen. Aber worin unterscheidet sich die Union bei dieser Thematik von der Ampel? Selbst eine vage Antwort auf diese Frage bleibt Merz derzeit den Wählern schuldig.

Elf Monate vor der Wahl klammert der Kanzlerkandidat der Union das ungemütliche Thema lieber aus. Aus Desinteresse, weil es kein Gewinner-Thema ist. Doch dafür ist die Rente zu wichtig: Und verdient, ausnahmsweise sogar schon im Wahlkampf, weit mehr als nur ein paar Plattitüden.

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