Osnabrück  Corona und die Nebenwirkung in den Köpfen – Das zeigt unsere Umfrage

Burkhard Ewert
|
Von Burkhard Ewert
| 25.10.2024 09:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht, 2- oder 3-G-Regeln und Debatten um Ungeimpfte haben die Deutschen gespalten. Wie blicken sie heute auf die Zeit? Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
Corona-Maßnahmen wie Maskenpflicht, 2- oder 3-G-Regeln und Debatten um Ungeimpfte haben die Deutschen gespalten. Wie blicken sie heute auf die Zeit? Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich
Artikel teilen:

Was denken die Menschen mittlerweile über die Corona-Zeit? Ändert sich ihre Meinung zu Lockdowns und Impfungen? Nähern sich die Perspektiven nach Jahren der Polarisierung wieder an? Chefredakteur Burkhard Ewert sortiert die Ergebnisse unserer Forsa-Umfrage.

Was denken die Deutschen im Rückblick über die Corona-Zeit? Ändert sich ihre Meinung, nachdem zunehmend klar wird, dass mit den Einschränkungen und der Hetze gegen Ungeimpfte hierzulande über das Ziel hinaus geschossen wurde?

Behauptungen von der „Pandemie der Ungeimpften“, dass ein Ausrotten des Virus’ mittels Lockdowns möglich gewesen oder dass Corona nur per Impfpflicht in den Griff zu bekommen sei, haben sich schließlich als ebenso verkehrt erwiesen wie die vermeintlich nebenwirkungsfreie Impfung – der „kleine Piks“, wie er genannt wurde.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) oder der Virologe Christian Drosten relativeren inzwischen in Teilen ihre damaligen Positionen. Nähern sich die Perspektiven nach Jahren der Polarisierung an? Mildert sich das unversöhnliche, giftige Meinungsklima?

Wir wollten es genauer wissen und haben das Meinungsforschungsinstitut Forsa mit einer Umfrage beauftragt. Bei der Erstellung haben wir mit dem Online-Magazin „Multipolar“ kooperiert, das bekannt wurde, weil es die Freigabe der Sitzungsprotokolle des Krisenstabes im Robert-Koch-Institut (RKI) vor Gericht erstritten hatte. Die Fragen wurden gemeinsam formuliert und von Forsa gemäß seinen demoskopischen Qualitätskriterien finalisiert. Vereinbart wurde die Kostenteilung für die Beschaffung des Materials sowie die separate publizistische Verwertung der Ergebnisse. 

Die repräsentative Befragung ergab unter anderem,

Diese und weitere Ergebnisse etwa zur Frage der juristischen Aufarbeitung hat mein Kollege Lucas Wiegelmann für unsere Redaktion zusammengefasst.

Politiker wie der Vizepräsident des Bundestages Wolfgang Kubicki (FDP), Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) oder die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Irene Mihalic, haben auf die Ergebnisse ebenso reagiert wie der Bonner Virologieprofessor Hendrik Streeck.

Am meisten beschäftigen mich persönlich derweil die Antworten auf die Frage, wie die Impfungen vertrugen wurden. Genau genommen konnte ich meinen Augen kaum trauen. 17 Prozent der mehr als 1000 Befragten klagten über Nebenwirkungen, die teilweise von Ärzten bestätigt wurden, teilweise nicht.

So weit, so gut. Womit ich niemals gerechnet hätte, ist dieses: Ob jemand angab, Nebenwirkungen erlitten zu haben, steht in einem frappierenden Zusammenhang zu seiner politischen Haltung. Wer der Lauterbach-Partei SPD oder den Grünen zuneigt, meint die Impfung bestens vertragen zu haben. Wer sich als Anhänger von AfD oder BSW betrachtet, schildert weit häufiger schlechte Erfahrungen mit der Impfung als der Durchschnitt aller Befragten. Die Werte klaffen krass auseinander, bis zum Doppelten und Dreifachen.

Grafik: Verträglichkeit der Corona-Impfungen nach Partei-Anhängern

Man mag einwenden, dass sich jemand der AfD oder dem BSW zugewandt haben könnte, nachdem er erleben musste, dass die Erzählung der problemlosen Verträglichkeit zumindest gemäß der eigenen Bewertung nicht zutraf.

Für wahrscheinlicher halte ich allerdings die Schlussfolgerung, dass die Spaltung weiterhin besteht, wenn die Angaben über Nebenwirkungen derart stark mit der Parteipräferenz zusammenhängen, wie es die Befragung ergab. Wer sich damals zum „Team Vorsicht“ zählte und den Versprechen glaubte, wer sie womöglich sogar aktiv verfocht, der möchte seine Sicht bis hin zur Frage der Impfung und ihrer etwaigen Folgen gerne behalten. Wer hingegen ohnehin misstrauisch war, ist dies geblieben.

Wer weiß, vielleicht machen wir in fünf Jahren eine erneute Umfrage. Fürs Erste bleibt festzuhalten, dass die Gräben nach wie vor bedauerlich tief erscheinen, so wie es auch manche weitere Reaktion auf unsere Umfrage zeigte.

Ähnliche Artikel