Kolumne „Digital total“ Wann wird das Büro endlich papierlos?
Keine Aktenberge und keine sich stapelnden Briefe mehr – schön wäre es, findet unser Kolumnist. Doch ist unsere Gesellschaft tatsächlich schon bereit für das papierlose Büro?
Alle paar Monate sitze ich in meinem Büro und hantiere mit Stapeln aus Briefen und Belegen, um meinen steuerlichen Pflichten nachzukommen. Und jedes Mal denke ich mir: Wann kommt denn jetzt endlich dieses papierlose Büro, das mir schon vor fast 20 Jahren versprochen wurde? Es wäre schon wirklich schön, wenn ich diese ganzen Schreiben und Belege einfach in digitaler Form auf meiner Festplatte hätte. Das würde so viel Platz und Aufwand sparen.
Zur Person
Fabian Scherschel, geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
Auf der anderen Seite passieren auch immer mal wieder so Dinge, wo ich wirklich froh bin, dass ich einen Nachweis auf Papier abgeheftet habe. Zum Beispiel, wenn ich Firmen über deren Webportal etwas melde und die dann steif und fest behaupten, das wäre nie passiert. Es ist wirklich erschreckend, wie oft man heutzutage Briefe per Einschreiben verschicken muss, damit Dinge auch beachtet werden.
Solange Software-Portale von Versicherungen und anderen Firmen keine vernünftige Möglichkeit haben, dass man als Kunde rechtssicher beweisen kann, dass die eigene Interaktion mit der Software auch wirklich so stattgefunden hat, wie man sie ausgeführt hat, wird das papierlose Büro auch weiterhin eine utopische Zukunftsvision bleiben. Die Probleme, die mir in den fünf Jahren meiner Selbstständigkeit als Journalist alleine durch mutmaßlich ungewollte Fehler bei Sachbearbeitern untergekommen sind, sind schon schlimm genug. Nicht auszudenken, wie katastrophal es wäre, wenn da auch noch Hacker im Spiel wären, welche die Daten mutwillig verändern oder löschen würden. Welches Chaos das auslösen würde, will ich mir gar nicht ausmalen.
Vielleicht ist dieser ganze Papierkrieg doch nicht das Schlechteste. Je mehr ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir, dass wir als Gesellschaft noch nicht bereit dafür sind, rechtlich bindende Prozesse komplett zu digitalisieren. Jedenfalls nicht, wenn uns das Wohl der Bürger am Herzen liegt und wir diese nicht komplett der Willkür großer Konzerne überlassen wollen.
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