Hamburg  Kampf gegen Elterntaxis: „Es muss auch ohne Auto gehen“

Ankea Janßen
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Von Ankea Janßen
| 19.10.2024 07:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Als „Verkehrsmaskottchen“ versucht Karmen Albrecht Elterntaxis von der Grundschule Wesperloh fernzuhalten. Foto: Ankea Janßen
Als „Verkehrsmaskottchen“ versucht Karmen Albrecht Elterntaxis von der Grundschule Wesperloh fernzuhalten. Foto: Ankea Janßen
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Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, sorgen an einer Hamburger Grundschule regelmäßig für Chaos. Wie Elternvertreter versuchen, dem ein Ende zu setzen.

Morgens um 7.40 Uhr verwandelt sich Karmen Albrecht regelmäßig in ein „Verkehrsmaskottchen“. So nennt die 46-Jährige aus Hamburg das blaue Monster-Kostüm, in das sie in der Nähe der Grundschule Wesperloh schlüpft. Verschrecken will sie damit aber keine Schulkinder, sondern jene Eltern, die ihre Sprösslinge mit dem Auto zur Schule chauffieren. „Die letzten 200m zu Fuß. Gemeinsam schaffen wir das“, steht auf dem Plakat, das Albrecht in der Hand hält.

Von wegen schaffen – in der Praxis leisten dieser Aufforderung längst nicht alle Folge. Immer wieder fährt ein Auto ungerührt am Plüsch-Monster vorbei, um das Kind direkt vor dem Schulhof aussteigen zu lassen. Oder es sogar noch an der Hand bis zum Klassenraum zu begleiten.

Wer die Verkehrssituation vor der Grundschule im Stadtteil Osdorf in den nächsten 20 Minuten beobachtet, versteht schnell, warum die Elterntaxi-Problematik hier besonders angespannt ist. Der Taubennesselweg, der zur Schule führt, ist eine enge Straße mit vielen an der Seite parkenden Autos, ein Bürgersteig ist nur auf einer Seite vorhanden. Für zu Fuß und mit dem Fahrrad kommende Kinder eine unübersichtliche und gefährliche Situation. „Sobald Gegenverkehr kommt, geht hier schnell nichts mehr“, sagt Albrecht.

Es werde abenteuerlich rangiert und gewendet, auch mal gehupt und gepöbelt. Vor allem die Anwohner seien von den Elterntaxis genervt. Besonders schlimm sei die Verkehrslage bei Regenwetter, wie Albrecht anhand einiger Bilder zeigt. „Dann zählen wir hier mehr als hundert Elterntaxis.“ Für Albrecht, die im Elternrat in der Arbeitsgruppe Verkehr tätig ist, gibt es nur eine Lösung: „Es muss auch ohne Auto gehen.“

Dass es geht, haben zahlreiche Protestaktionen in der Vergangenheit gezeigt. Dabei wurden die Zufahrtsstraßen temporär gesperrt. „Und natürlich waren trotzdem alle Kinder pünktlich im Klassenraum.“

Laut Albrecht ist es häufig die Bequemlichkeit der Eltern, ihre Kinder auf dem Weg zur Arbeit zur Schule zu fahren. Viele würden aber auch eine Angst davor äußern, dass ihr Kind auf dem Schulweg verschwinden könnte.

Beim Thema Elterntaxi tut sich in Hamburg aktuell viel: ein fraktionsübergreifender Antrag von SPD und Grüne mit dem Titel „Sichere Schulwege für unsere Kinder“ wurde einstimmig verabschiedet. Künftig sollen Schulen, vor denen Elterntaxis für Chaos sorgen, leichter sogenannte Schulstraßen einrichten können. Zu den Bring- und Holzeiten ist der Autoverkehr dann verboten.

Diese Lösung wünscht sich Albrecht auch für die Grundschule Wesperloh, die derzeit noch von ihrer jüngsten Tochter besucht wird. Jedoch nicht zu jedem Preis: „Sollte das total bürokratisch ablaufen, machen wir nicht mit.“ Zudem sei es wichtig, dass es Ausnahmen gebe. „Was, wenn mal ein Kind an Krücken läuft, natürlich muss in so einem Fall auch mal das Bringen mit dem Auto möglich sein.“

Bis wirklich die ersten Anträge für Schulstraßen in Hamburg durch die Behörden genehmigt werden, wird es wohl noch dauern. Und bis dahin freut sich Albrecht, dass ihre Verkehrsmaskottchen-Aktionen Wirkung zeigen. „Die Dame da ist bisher eigentlich immer durchgefahren“, sagt sie und deutet auf einen weißen Wagen, der in ihrer Höhe parkt. Das Kind muss den Rest des Weges zu Fuß laufen.

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