Arbeiten in Ostfriesland  Studie – Vier-Tage-Woche kann in einzelnen Fällen sinnvoll sein

Oliver Bär
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Von Oliver Bär
| 18.10.2024 19:26 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Freitags immer frei und trotzdem zu 100 Prozent bezahlt werden: Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Foto: Schuldt/DPA
Freitags immer frei und trotzdem zu 100 Prozent bezahlt werden: Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Foto: Schuldt/DPA
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Verfechter einer Vier-Tage-Woche bei vollem Lohnausgleich halten das Modell für praxistauglich. Eine Studie gibt ihnen bedingt recht. Für alle kann das aber nicht funktionieren, sagen die Arbeitgeber.

Ostfriesland/Düsseldorf - Weniger Stunden zu arbeiten und trotzdem das gleiche Gehalt einzustreichen kann Vorteile für Arbeitgeber und Beschäftigte bringen. Das besagt eine Studie zur Vier-Tage-Woche, bei der bundesweit 41 Unternehmen und Organisationen testweise für ein halbes Jahr ein neues Arbeitszeitmodell eingeführt hatten. Studienleiterin Julia Backmann von der Universität Münster berichtete bei der Vorstellung der Ergebnisse in Düsseldorf von leicht gestiegener Produktivität, weniger Stress sowie zufriedeneren und gesünderen Mitarbeitern. Viele Unternehmen hätten ihre Abläufe geändert und etwa interne Meetings deutlich verringert.

Die Bilanz des Pilotprojekts zur Vier-Tage-Woche in Deutschland wurde bei der Landespressekonferenz in Düsseldorf vorgestellt. Foto: Strauch/DPA
Die Bilanz des Pilotprojekts zur Vier-Tage-Woche in Deutschland wurde bei der Landespressekonferenz in Düsseldorf vorgestellt. Foto: Strauch/DPA

Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch Jessica Stock, Pressesprecherin der Raiffeisen-Volksbank Aurich. Dort hatte das Institut erstmals 2023 die Vier-Tage-Woche ein Jahr lang getestet – in ausgewählten Abteilungen. Angeboten wurde den Mitarbeitern, anstelle von 39 Stunden nur noch 35 zu arbeiten. 37 Stunden wurden vergütet. Im Gegenzug gab es für alle, die aus betrieblichen Gründen nicht konnten oder nicht wollten, einen Zuschlag von drei Prozent des Bruttogehaltes.

Weniger Krankheitstage bei RVB in Aurich

Positive Effekte gab es Stock zufolge bei der Produktivität und der Arbeitszufriedenheit bei den am Projekt teilnehmenden Mitarbeitern. „Die Krankheitstage sind während des Tests der Vier-Tage-Woche bei uns zurückgegangen“, betont die Sprecherin der Bank. Alles in allem seien die Erfahrungen so gut gewesen, dass die Bank das Modell im Jahr 2024 auf weitere Abteilungen ausgeweitet habe. Prämisse bleibe jedoch, dass die Kunden keine Nachteile haben dürften. Daher werde das Modell etwa den Mitarbeitern im Service-Bereich nicht angeboten. „Da müssten wir dann wohl die Öffnungszeiten einschränken. Das wollen wir nicht.“

Carsten Meier (links), Initiator von der Unternehmensberatung Intraprenör, und Julia Backmann von der Universität Münster, wissenschaftliche Leiterin des Pilotprojekts zur Vier-Tage-Woche in Deutschland, bei der Präsentation der Ergebnisse. Foto: Strauch/DPA
Carsten Meier (links), Initiator von der Unternehmensberatung Intraprenör, und Julia Backmann von der Universität Münster, wissenschaftliche Leiterin des Pilotprojekts zur Vier-Tage-Woche in Deutschland, bei der Präsentation der Ergebnisse. Foto: Strauch/DPA

Die Aussagekraft der Studie der Universität Münster, in die auch die Unternehmensberatung Intraprenör eingebunden war, ist allerdings begrenzt, da die Teilnehmer nicht repräsentativ für die deutsche Wirtschaft sind. Mitgemacht haben unter anderem Kindergärten, Steuerberatungen und Architekturbüros, aber auch ein Unternehmen der Logistikbranche mit Schichtarbeit. Dennoch sieht Carsten Meier von der Beratung Intraprenör, die das Konzept der Vier-Tage-Woche bewirbt, mehr Potenzial für eine Vier-Tage-Woche. „Es schlummert unter zu vielen Meetings, zu komplizierten Prozessen und vielleicht auch noch zu geringer Digitalisierung.“

Arbeitgeber: Arbeit in Deutschland zu teuer

„Vier Tage mit acht Stunden Arbeit für alle bei gleichem Gehalt: Das ist eine Gleichung, die nicht funktioniert“, warnt hingegen Johann Doden, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes für Ostfriesland und Papenburg. Irgendwie müsse die Arbeit letztendlich erledigt werden, um die Kunden der Betriebe zufriedenzustellen. Werde das Pensum immer mehr verdichtet, gehe dies schließlich auch zulasten der Gesundheit der Beschäftigten. Zudem sei Arbeit in Deutschland im internationalen Vergleich schlichtweg zu teuer.

„Natürlich gibt es heute schon Firmen, bei denen verschiedenste Modelle gefahren werden, die sich von der regulären Vollzeitarbeit abheben“, räumt Doden ein. Aber da entschieden die Partner einvernehmlich, was möglich sei und was nicht. Mit Werkzeugen der Flexibilisierung der Arbeitszeiten sei einiges möglich. Weniger Arbeit bei gleichem Lohn für alle, das würde die deutsche Wirtschaft noch mehr in Schwierigkeiten bringen, als sie ohnehin schon sei.

Professorin Backmann schränkt ein, es gehe bei der Studie nicht darum, eine flächendeckende Einführung der Vier-Tage-Woche über alle Branchen hinweg zu propagieren, sondern sie als „eine Möglichkeit eines innovativen Arbeitszeitmodells und ihrer Wirkung“ zu testen.

Mit Material von DPA

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