Osnabrück  „Mein Kind“ - Hochemotionales Drama um Leihmutterschaft und den Krieg in der Ukraine

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 19.10.2024 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Judith (Lisa Maria Potthoff) ist Oksana (Alina Danko, rechts) unendlich dankbar, dass sie ihr Kind austrägt. „Mein Kind“, ab 19. Oktober in der ZDF Mediathek und am 28. Oktober um 20.15 im ZDF. Foto: ZDF/Alexander Fischerkoesen.
Judith (Lisa Maria Potthoff) ist Oksana (Alina Danko, rechts) unendlich dankbar, dass sie ihr Kind austrägt. „Mein Kind“, ab 19. Oktober in der ZDF Mediathek und am 28. Oktober um 20.15 im ZDF. Foto: ZDF/Alexander Fischerkoesen.
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Das TV-Drama „Mein Kind“ mit Lisa Maria Potthoff und Maximilian Brückner setzt sich mit dem hochemotional besetzten Thema Leihmutterschaft vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine auseinander.

Stellen Sie sich vor, Sie sind schwanger, hochschwanger. Es dauert nicht mehr lange, und Sie könnten ihr Kind in den Armen halten. Wenn es dann aber so weit ist, dürfen Sie ihr Baby nach der Geburt nicht einmal mehr sehen. Weil das Kind gar nicht Ihnen gehört.

Die laut Vertrag rechtmäßigen Eltern warten in, sagen wir einmal 1500 Kilometern Entfernung. Ein unfreiwillig kinderloses Ehepaar, das sich aus Verzweiflung dazu entschlossen hat, das Kind von einer fremden Frau austragen zu lassen. Und dafür auch viel Geld bezahlt hat, von dem die Fremde in weiter Ferne nur einen Bruchteil erhält. Undenkbar?

Es geht um Leihmutterschaft. Ein hochemotionales Thema, das automatisch für Kontroversen sorgt. Leihmutterschaft ist in Deutschland wie in vielen anderen Ländern auch verboten. „In Deutschland sind die im Zusammenhang mit Leihmutterschaft stehenden Tätigkeiten von Ärzten nach dem Embryonenschutzgesetz strafbar“, heißt es im Auswärtigen Amt. Darüber hinaus ist auch „die Leihmutterschaftsvermittlung [...] nach dem Adoptionsvermittlungsgesetz unter Strafe gestellt“. Nichtsdestotrotz ist Leihmutterschaft seit einem Entscheid des Bundesgerichtshofes seit rund zehn Jahren in Deutschland möglich, wenn es sich um einen ausländischen Leihmutterschaftsfall handelt.

In der Ukraine ist die kommerzielle Leihmutterschaft seit 2002 legal und hat sich dort zu einem lukrativen Geschäftsmodell entwickelt. Dann begann der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Damit einhergehend „gingen auch Bilder um die Welt von den zahlreichen Babys der Leihmutteragenturen in den Kiewer Schutzkellern, die von ihren ausländischen Wunscheltern nicht abgeholt werden konnten“, sagt ZDF-Fernsehspiel-Redakteur Matthias Pfeifer.

In diesem Spannungsfeld balanciert nun das TV-Drama „Mein Kind“, das sich im Diskurs um allgemeine ethisch-moralische Fragen zum Thema Leihmutterschaft sowie die damit verbundenen Folgen des Krieges in der Ukraine bemüht. Im Mittelpunkt steht dabei auf der einen Seite das kinderlose, gut situierte Münchener Ehepaar Judith und Niclas Koch (Lisa Maria Potthoff und Maximilian Brückner). Auf der anderen Seite die ukrainische Leihmutter Oksana Smirnova (Alina Danko), die bereits eine neunjährige Tochter hat und sich von dem Geld ein besseres Leben mit ihrer Familie erhofft.

Als der Krieg beginnt, legen Judith und Niclas der hochschwangeren Oksana nahe, nach München zu kommen. Aber die Sicherheit fernab von Kiew währt nicht lange. Persönliche Gründe, die Gesetzeslage sowie die Agentur, die die Leihmutterschaft regelt, zwingen Oksana zurück nach Kiew. Und Judith und Nicals müssen ihr aus rechtlichen Gründen folgen, trotz Krieg und Bomben.

Leider tut sich der Film „Mein Kind“ mit seiner hochkomplexen und emotionalen Thematik ein wenig schwer. Drehbuchautorin Katrin Bühlig und Regisseurin Christine Hartmann sprechen zwar zahlreiche damit verbundene Probleme an. Aber als sei das Thema Leihmutterschaft und Krieg in dieser Breite nicht schon dramatisch und komplex genug, wird in einem Nebenhandlungsstrang auch noch als Kontrapunkt Judiths schwangere Schwester eingeführt, die kurz vor einer Abtreibung steht. Das fühlt sich dann schon sehr nach Holzhammer an.

Trotz dieser Schwächen ist „Mein Kind“ aufgrund seiner Thematik und guten Darsteller ein sehenswertes TV-Drama, das uns mit einer Realität konfrontiert, die für viele Zuschauer schlichtweg unvorstellbar erscheinen muss.

„Mein Kind“. Ab Samstag, 19. Oktober in der ZDF Mediathek und am Montag, dem 28. Oktober um 20.15 Uhr im ZDF.

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