Hannover Niedersachsen zündet Forschungsturbo für die Energiewende
180 Wissenschaftler, sechs Forschungsplattformen: 58,2 Millionen Euro gibt Niedersachsen für ein Forschungsprogramm zur Energiewende aus. Vor allem die Universität Oldenburg profitiert in hohem Maße.
Die Vorschusslorbeeren sind üppig: Von einer „finanziell besonderen Größenordnung“ spricht Niedersachsens Wissenschaftsminister Falko Mohrs (SPD). Prof. Dr. Sebastian Lehnhoff, Vorstandschef des Oldenburger OFFIS (Institut für Informatik) und Vorstandssprecher des Energie-Forschungszentrums Niedersachsen (EFZN), zeigt sich optimistisch, dass „etwa Großes“ gelingen wird. Mit 58,2 Millionen Euro fördern das Land und die Volkswagen-Stiftung das Programm „Transformation des Energiesystems“. Unter dem Dach des EFZN forschen mehr als 180 Wissenschaftler an 15 niedersächsischen Hochschulen und außeruniversitären Einrichtung an Lösungen für das Energiesystem der Zukunft.
Das EFZN ist ein gemeinsames wissenschaftliches Zentrum der Universitäten Oldenburg, Braunschweig, Clausthal, Göttingen und Hannover. Das Ziel des auf fünf Jahre angelegten Programms sei die strategische Weiterentwicklung und Neuprofilierung der niedersächsischen Energieforschung, betonte Mohrs am Montag bei der Auftaktveranstaltung in Hannover. Es gelte, noch effizientere Anlagen zu gestalten und Wettbewerbsvorteile für den Standort Niedersachsen zu generieren.
Lehnhoff zufolge sollen sechs Forschungsplattformen verschiedene Dimensionen der Energiewende abbilden: Im „Reallabor 70 GW Offshore Wind“ wird der geplante Ausbau der Windenergie in der deutschen Nordsee ganzheitlich untersucht, um Strategien für einen nachhaltigen Ausbau der Offshore-Windenergie zu entwickeln. Das Landesgraduiertenkolleg Wasserstoff und Wasserstoffderivat Ammoniak widmet sich der Erforschung von Ammoniak als potenziellem Energieträger der Zukunft. Unter dem Stichwort „Vertrauenswürdige Digitalisierung“ soll untersucht werden, wie das Vertrauen der Verbraucher in ein digitales und automatisiertes Energiesystem gestärkt werden kann. Die Forschungsplattform „Geo-Energiesysteme“ nimmt sich unterirdischer Speicher für Gas an. Die Plattform Wärme konzentriert sich auf die Entwicklung von Wärmepumpentechnologien für Gebäude und industrielle Anwendungen. Beim Thema „Soziale Dynamiken der Energietransformation“ geht es um gesellschaftlichen Herausforderungen der Energiewende. Das Einbinden der Menschen vor Ort sei „bundesweit einmalig“, so der Soziologe Berthold Vogel von der Uni Göttingen. „Die Energiewende ist eine soziale Frage.“
Der Wissenschaftsstandort Oldenburg profitiert erheblich von dem Programm. Etwa 20 der 108 neuen Stellen entstehen in Oldenburg. Gut 16,8 Mio. Euro des EFZN-Programms fließen ins „Reallabor 70 GW Offshore Wind“. Weitere 8,2 Mio. Euro werden für das Projekt „Vertrauenswürdige Digitalisierung“ der Universität Oldenburg aufgewendet. Zudem erhält die hiesige Uni für das Projekt „Soziale Dynamiken der Energietransformation“ knapp 5,5 Mio. Euro.
Neue Technologien sollen gemeinsam mit den Anwendern entwickelt werden, sagte Lehnhoff. Das Windenergie-Zentrum „ForWind“ hat nach den Worten von Prof. Dr. Kerstin Avila (AG Grundlagen der Turbulenz und komplexer Systeme) bereits Partner in der regionalen Wirtschaft gefunden. Deutschland habe bei der Offshore-Windenergie eine weltweite Vorreiterrolle, so Avila, weil auf dem relativ kleinen Nordsee-Areal die Energieausbeute pro Fläche deutlich höher sein müsse.