Berlin  Massagepistolen im Test: Warum die meisten durchfallen und sogar gefährlich sind

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 11.10.2024 16:06 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Massagepistolen werden bei Verspannungen und Muskelkater verwendet: Doch gerade im Nackenbereich können sie gefährlich sein. Foto: IMAGO/Fotostand/Freitag
Massagepistolen werden bei Verspannungen und Muskelkater verwendet: Doch gerade im Nackenbereich können sie gefährlich sein. Foto: IMAGO/Fotostand/Freitag
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Massagepistolen sollen Verspannungen lösen und Muskelkater lindern. Doch die Ergebnisse von Stiftung Warentest zeigen etwas anderes. Wieso viele Geräte durchfallen und wer als Testsieger hervorgeht.

Muskelkater lindern, Nackenverspannungen lösen, Regeneration fördern: Die Versprechen der Hersteller klingen verlockend, doch nicht alle Massagepistolen halten, was sie versprechen. Laut Stiftung Warentest erweisen sich die Wundergeräte oft als Enttäuschung. Einige Pistolen massieren so stark, dass sie eher Muskelkater verursachen, statt ihn zu lindern und viele Modelle enthalten sogar Schadstoffe. Wer die falsche Massagepistole wählt, könnte seinem Körper also mehr schaden als nützen.

Elf Massagepistolen, die zwischen November 2023 und Januar 2024 gekauft wurden, sind von Stiftung Warentest auf die Probe gestellt worden. Es gibt zwar einen Testsieger, aber die meisten Geräte schneiden alles andere als gut ab.

Massagepistolen werden in der Werbung oft als Wundermittel gegen Muskelverspannungen angepriesen, doch keine der elf getesteten Pistolen konnte dieses Versprechen halten. Beim allgemeinen Qualitätsurteil erhielten alle Geräte maximal die Note „befriedigend“ und drei Massagepistolen fielen mit der Bewertung „mangelhaft“ durch, weil sie in den Kategorien Sicherheit, Schadstoffbelastung und Haltbarkeit versagten.

Besonders bei Rücken- und Nackenschmerzen gab es keine überzeugenden Testergebnisse, die eine Schmerzlinderung nachgewiesen hätten. Im Gegenteil: Laut Stiftung Warentest gibt es Berichte über Verletzungen im Hals- und Gesichtsbereich, die durch falsche Anwendungen zustande gekommen sind.

Die beste Massagepistole im Test war gleichzeitig die kleinste. Die Fascia Gun von Blackroll schnitt mit einer Gesamtnote von 2,7 besser als ihre Konkurrenten ab. Sie massierte sanft, enthielt keine Schadstoffe und konnte mit einer langen Akkulaufzeit punkten.

Trotzdem reicht laut Stiftung Warentest eine sanfte Massage oft nicht aus, um tiefe Muskelverspannungen zu lösen. Die Fascia Gun kam laut Testergebnis nicht tief genug in die Muskulatur – für viele Athleten sei sie deshalb zu „sanft“. In der Rubrik „Massieren“ erhielt sie daher nur die Note „befriedigend“. Auch in der Kategorie Haltbarkeit schnitt die kleine Massagepistole mit der Note „ausreichend“ schlecht ab.

In der Rubrik „Massieren“ haben drei Geräte der Fascia Gun mit der Note „gut“ Konkurrenz gemacht. Allerdings schnitten diese Massagepistolen in anderen Kategorien deutlich schlechter ab. Die Beurer MG 99 nennt Stiftung Warentest als günstigere Alternative für Käufer, die gerne eine kräftigere Massage hätten. Allerdings enthält der Ballaufsatz Schadstoffe, weshalb dazu geraten wurde, nur die anderen Aufsätze zu verwenden.

Auch wenn die Massagepistole Flow Move der Marke Flow Recovery in den Kategorien „Massieren“ und „Handhabung“ gut abschnitt, fiel sie bei der Schadstoffbelastung mit der Note „mangelhaft“ durch.

Zu den als „mangelhaft“ bewerteten Massagepistolen zählt auch das Modell Hypervolt 2 von Hyperice, das in der Kategorie „Sicherheit und Schadstoffe“ lediglich mit 4,7 bewertet wurde. Die Discounter-Massagepistole Silvercrest Massage Gun SMGB C2 von Lidl schnitt bei den Schadstoff- und Sicherheitsbewertung sowie der Haltbarkeitsbewertung ebenfalls schlecht ab. Untersucht wurden die Aufsätze, Gehäuse und Bedienfelder auf Weichmacher (Phthalate) und andere potenziell schädliche Chemikalien in den Kunststoffteilen.

Ein Ärgernis bei fast allen getesteten Geräten waren die fest verbauten Akkus. Ist der Akku einmal defekt, wird das gesamte Gerät unbrauchbar. Der Verbraucher werde so gezwungen, das ganze Gerät zu entsorgen beziehungsweise ein neues zu kaufen.

Ebenfalls enttäuschend waren die Ladezeiten der meisten Massagepistolen: Laut Testergebnis benötigen sie zwischen zwei und sechs Stunden, um vollständig aufzuladen. Die Modelle von Blackroll, Medisana und Xiaomi schafften nach vollständiger Aufladung lediglich 27 bis 31 Massagen à zehn Minuten, während das Lidl-Modell nur sieben Minuten schaffte. Ein kurzer 15-minütiger Ladevorgang genüge oft nur für ein paar Minuten Massage. 

Geräte wie die Theragun Prime oder ein Modell von Decathlon hatten so eine hohe Intensität, dass die Tester Schmerzen während der Massage verspürten. Die Hübe drangen laut Testergebnis bis zu 16 Millimeter tief ins Gewebe ein.

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