Osnabrück  Clemens Meyers „Die Projektoren“: Karl May und die Geschichte der Gewalt

Dr. Stefan Lüddemann
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Von Dr. Stefan Lüddemann
| 12.10.2024 18:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Clemens Meyer, Schriftsteller, nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024, steht zur Nominierung der Shortlist des Buchpreises im Schauspiel Frankfurt. Foto: dpa/Andreas Arnold
Clemens Meyer, Schriftsteller, nominiert für den Deutschen Buchpreis 2024, steht zur Nominierung der Shortlist des Buchpreises im Schauspiel Frankfurt. Foto: dpa/Andreas Arnold
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Welcher Roman holt den Deutschen Buchpreis 2024? Wir stellen die sechs Titel der Shortlist vor. Dieses Mal: Clemens Meyers Roman „Die Projektoren“.

„Als wir träumten“ lautet der Titel jenes Romans, mit dem Clemens Meyer 2006 nicht nur debütierte, sondern gleich auch noch einen der wichtigsten Wende-Romane vorlegte. Sein Buch über das Leben von Jugendlichen zwischen Betonwüste und Techno-Club weitete sich zu einem Panorama jenes unwegsamen Stücks Zeitgeschichte, das sich zwischen zwei politischen Themen auftat. Das große Gemälde der Mentalitäten, der politischen Unterströmungen – genau das ist das Genre des Schriftstellers Clemens Meyer.

Jetzt ist er mit seinem Tausendseiter „Die Projektoren“ in der Schlussauswahl des Deutschen Buchpreises angekommen. Mit seinem Roman „Im Stein“ hatte er es schon einmal in die engere Auswahl um den Deutschen Buchpreis geschafft. Er gewann mit dem Erzählband „Die Nacht, die Lichter“ bereits den Preis der Leipziger Buchmesse. Clemens Meyer, das ist ein Name in der Literaturszene, vielleicht der Gewichtigste auf der diesjährigen Shortlist.

In seinem Werk „Die Projektoren“ geht es um die Kriege in den 1990er Jahren im damaligen Jugoslawien, aber auch um die Karl-May-Filme, die einst dort in den 1960er Jahren auf dem Gebiet des heutigen Kroatien gedreht wurden. „Die Projektoren“ ist ein Roman, der seine Leser*innen fordert, der gezielt überfordert, der überwältigt in seiner Stofffülle“, schreibt die Jury über das Buch.

Clemens Meyer verknüpft in seinem Buch, was auf den ersten Blick nicht zusammenpasst: den Partisanenkampf im ehemaligen Jugoslawien mit dem Dreh der Karl-May-Filme der frühen Sechziger in den felsigen Gegenden des ehemaligen Balkanstaates. Clemens Meyer verknüpft die heterogenen Geschichten mit der Figur eines Jungen, der zuerst Partisan ist und später Komparse am Filmset zu einer Geschichte voll untergründiger Verbindungslinien.

Clemens Meyer webt aus großer Historie und bunter Popkultur ein Geflecht verwirrend vielfältiger Bezüge. Der Roman dürfe gerade deshalb so lang sein, wie er ausgefallen sei, lautete das Urteil vieler Rezensenten. Nicht nur Fans von Karl May werden sich in diesem Buch wiederfinden, sondern auch alle Fans einer Literatur, die alle Grenzen der Genres überschreitet und Zeitgeschichte als turbulente Achterbahn inszeniert. (Mit dpa)

Clemens Meyer: Die Projektoren. Roman. Fischer Verlag. 1056 Seiten. 36 Euro.

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