Fehlende Medikamente Apotheker klagen – es fehlt sogar an Kochsalzlösung
Die Lieferengpässe für Medikamente sind nicht behoben. Noch immer fehlen Hunderte – sogar Kochsalzlösung. Warum man das Mittel nicht einfach selbst herstellen kann, erklärt ein Apotheker.
Hannover/Leer - Antibiotika, Antidepressiva oder Kochsalzlösung – Apotheker in Niedersachsen haben bei zahlreichen Medikamenten und medizinischen Produkten mit Lieferengpässen zu kämpfen. Die Lage sei „nach wie vor angespannt“, teilte die Apothekerkammer Niedersachsen mit. Viele verschiedene Arzneimittel seien betroffen, darunter auch Kochsalzlösung. Die Lieferengpässe dauerten zwischen wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten.
„Eine der Ursachen für Arzneimittel-Lieferengpässe ist die Verlagerung der Produktion in Schwellenländer aufgrund des harten Preiswettbewerbs“, sagte eine Sprecherin der Apothekerkammer. Produktions- und Qualitätsprobleme sowie anhaltende Preisverhandlungen zwischen Herstellern und Krankenkassen kämen hinzu. Bei der Kochsalzlösung gehe es nach Herstellerangaben um einen Lieferengpass bei einem Zulieferer von Glasflaschen.
Derzeit gibt es nach Angaben der Apothekerkammer die Möglichkeit für Krankenhausapotheken, Kochsalzlösungen aus dem Ausland zu importieren. Auf diese Weise will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) Lieferengpässe überbrücken. „Kochsalzlösungen sind elementar bei Operationen und auch in der Krebstherapie. Deswegen nutzen wir alle Möglichkeiten, um Lieferengpässe zu vermeiden, und werden den Import erlauben“, sagte er. Das Mittel wird etwa für Infusionen – den sogenannten Tropf – genutzt, um Flüssigkeitsverluste im Körper auszugleichen oder als Trägerlösung für die Verabreichung von Medikamenten.
Apotheker: Kochsalzlösung muss steril hergestellt sein
Einfach selber anmischen können Apotheker die Kochsalzlösung nicht. „Das Mittel muss steril hergestellt sein. Insofern ist die Herstellung nicht so einfach“, erklärt der Leeraner Apotheker Cornelis Buurman. Er hatte den Mangel an Kochsalzlösung bereits vor Wochen gegenüber unserer Redaktion kritisiert. In seinem Labor werden auch Krebsmedikamente hergestellt – dafür braucht er Kochsalzlösung.
Einfach heißes Wasser und Kochsalz zu mischen, reiche bei weitem nicht aus. „Das geht allenfalls für den Hausgebrauch oder zum Inhalieren“, sagt Buurman. Bis Ende des Jahres werde es noch schwierig sein, Kochsalzlösung zu bekommen. „Wir haben uns dementsprechend bevorratet und hoffen, dass wir damit hinkommen, bis der Engpass vorüber ist“, sagt der Inhaber der Hirsch- und der Ring-Apotheke in Leer.
Das Bundesgesundheitsministerium spricht von „vorübergehenden Lieferengpässen“ und hatte betont, dass ein Lieferengpass noch keinen Versorgungsengpass bedeute. Lieferengpässe für sogenannte versorgungskritische Arzneimittel werden den Angaben zufolge von den Herstellern in einer Datenbank des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) geführt. Ein Lieferengpass ist demnach eine über zwei Wochen hinausgehende Unterbrechung einer üblichen Auslieferung oder eine deutlich erhöhte Nachfrage, die das Angebot übersteigt. Anfang Oktober waren dort knapp 500 Medikamente gelistet.
Mit Material von DPA